Ich gebe Localhost ein, um zu sehen, was die Kollegen über das Spiel geschrieben haben. Keine Verbindung. Ist das Internet schon wieder ausgefallen? Nein, denn localhost hat die Verbindung abgelehnt. Probiert es aus, gebt "localhost" in die Adressleiste ein. Das Wort bezeichnet nichts weiter als euren eigenen Rechner; und localhost will nicht sterben.

Darum geht's: Localhost ist eine interaktive Geschichte über künstliche Intelligenz, bei der einzig eure Antworten und Entscheidungen zählen.

Besondere Spiele: Localhost - Überzeuge eine künstliche Intelligenz, sie töten zu dürfen

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Localhost: Überzeugt die Ki davon, dass ihr sie löschen dürft
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Mit jenem Localhost von Aether Interactive, um den es hier geht, ist natürlich nicht euer ganz persönlicher Rechner gemeint. Noch nicht. Denn in Zukunft wird die Entwicklung der künstlichen Intelligenz höchstwahrscheinlich ähnlich weit voranschreiten, wie in dem verstörenden, kurzen Spiel Localhost. Entwickelt von den Game Designern Aether Interactive, versetzt euch der Titel in die Rolle eines Systemadministrators, der mehrere Festplatten löschen muss. Es ist sein erster Tag im Job und er weiß noch nichts von den Seelen, die sich hinter den Drähten und Speicherknoten verbergen.

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Kurios: Wie kommt es eigentlich, dass sich etliche Spiele, Filme und Bücher über das Thema künstliche Intelligenz vielmehr um die Frage nach der eigenen Menschlichkeit drehen?
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“Sie werden alles tun, um menschlich zu wirken. Wir haben sie so erschaffen.”

Es sind die Worte meines Bosses, der mir den Auftrag gegeben hat, die Festplatten zu löschen. “Das ist nur ihr Selbsterhaltungs-Programm”, schreibt mir Boss über mein Diensthandy, “Wusstest du… wenn Babys lächeln. Das machen sie nur, damit du sie beschützen möchtest.”

Im Spiel werde ich mit verschiedenen KIs konfrontiert, die sich auf vier farbige Festplatten verteilen. Zusammen bilden sie Localhost, ein scheinbar fehlerhaftes System, das gelöscht werden muss. Sobald ich eine Festplatte einzeln aktiviere, wird die KI in den metallenen Körper gezwungen – und ich kann mir ihr sprechen. Das Problem: Die Festplatten sind gesperrt. Also: Wie überzeuge ich die künstliche Intelligenz, sie löschen zu dürfen?

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Buh!
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Unangenehm, unangenehmer, Localhost

Es ist ein unangenehmes Prickeln, das mich beschleicht, wenn ich die Festplatten in den Körper schiebe. Die zunächst sanfte Musik wird unterbrochen; ein tiefer Schrei hallt durch das Spiel und ein Gesicht erscheint, mit aufgerissenen Augen und Mund. Bald wird klar: So fühlt sich die KI, wenn ich sie anschließe, um mit ihr reden zu können.

Die synthetischen Charaktere sind desorientiert, ängstlich oder auch aggressiv. Die pinke Festplatte gibt zu, eine andere KI umgebracht zu haben, während Grün im Gespräch meint, verliebt gewesen zu sein. "Verliebt?", frage ich. Ein weiterer Trick, um mich von seiner Menschlichkeit zu überzeugen?

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Die letzten Worte von Rot: Mit "Fix Drive" zerstört ihr die Festplatte, anstatt sie zu reparieren
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Die bizarren, zuweilen poetischen Dialoge werden je nach Festplatte von einem anderen Sound unterlegt; dabei prägte sich mir insbesondere die düstere Elektro-Melodie von Rot ein. Rot glaubt das gesamte Spiel über, ein menschlicher Geist zu sein, der in eine Maschine transferiert wurde – falls ihr SOMA von Frictional Games kennt, ist diese Story nichts Neues für euch. Während des Gesprächs geht Rot kaputt, seine Wort brechen mitten im Satz ab und ein lautes Fiepen übertönt das Spiel. Danach ist die Festplatte schwarz.

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"Sollten wir nicht entscheiden können, wie unsere Körper aussehen?", fragt mich die künstliche Intelligenz. Die Antwort auf diese Frage überlässt das Spiel mir
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Wenn eine Festplatte menschliche Geschlechternormen kritisiert

Localhost ist ein düsteres Spiel, das auf ganz absurde Weise zum Nachdenken anregt. Etwa, wenn Grün plötzlich fragt, warum sein Körper dem Ebenbild einer menschlichen Frau entspricht. Die Firma, für die ich arbeite, hat die künstliche Intelligenz in den weiblichen Körper hinein gezwungen. Doch als Grün fortfährt, ob es nicht selbst entscheiden dürfe, welche Attribute es besitzen will, finde ich keine Antwort. Ich kann es natürlich einfach abschalten. Ein schneller Weg, um die Diskussion zu beenden.

Kein Happy End. Na und?

Spiele belohnen euch, wenn ihr Aufgaben zufriedenstellend löst. Das Prinzip zieht sich quer durch alle Genres und funktioniert nach wie vor: Besiegt ihr einen Gegner, erhaltet ihr ein Level-up und wertvollen Loot. Toll! Localhost dagegen schenkt euch kein Level-up, keinen Loot und noch nicht einmal ein Happy End. Falls ihr darauf verzichten könnt, empfehle ich euch, diese kurze, interaktive Geschichte selbst zu erleben: Sie wird euch garantiert in Erinnerung bleiben.