Sonys fusselige Plattformer-Ikone Sackboy macht sich auf in ein neues Abenteuer. Erstmals nicht unter der leitenden Hand von Media Molecule – Entwickler ist diesmal Sumo Digital. In den großen Fußstapfen der Reihe kommen das neue Studio aber etwas ins Stolpern.

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Eine Welt, so bunt und fröhlich, so farbenfroh und verspielt, voller flauschiger Details und dennoch unvollständig. Was fehlt, um sie zu komplettieren? Kreativität! Die wurde in Bunkum nämlich gestohlen. Die Welt, in der Ideen einst nur so in der Luft herumsprudelten, droht zu zerbrechen und nur einer kann den verzweifelten Bewohnern Bunkums helfen: Sackboy. Drei böswillige Titanen haben sich im Körper des (eigentlich gar nicht so) bösen Newtons verschanzt und stellen unseren stummen Wollhelden auf eine harte Probe. Alleine würde er den schurkischen Fantasieräubern nicht Herr werden, darum kommen ihm drei weitere, ebenso stumme Helden zu Hilfe.

Je mehr, desto lustiger!?

Das gewohnte LittleBigPlanet-Grundgerüst wird von Toggle, OddSock und Swoop ordentlich aufgemischt. Hüpften wir in der Vergangenheit noch fröhlich mit Sackboy durch die Welt, griffen nach schwammigen Objekten, verteilten Sticker und sammelten Preisblasen, so waren unsere Aktionsmöglichkeiten im Vergleich mit Genrekollegen wie Rayman oder dem anzugwechselnden Mario eher begrenzt. Gerade das machte den Charme der Reihe aus. Komplexes Level-Design hat auch ohne viele Fähigkeiten für die nötige Herausforderung gesorgt.

LittleBigPlanet 3 - Kleiner Sackboy, große Veränderungen

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Nein, kein Sackgesicht-Witzchen diesmal. Na ja, also bis auf dieses hier.
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Heute spielen wir Level abwechselnd mit einem der vier Sackleutchen. Dabei besitzt jeder von ihnen ganz eigene Fähigkeiten, die wir schon bei dem einen oder anderen Hüpfspielkonkurrenten gesehen haben. Wandlauf und Flugkünste etwa halten mit OddSock und Swoop Einzug in die Welt von LittleBigPlanet und sorgen damit für mehr Abwechslung im Spielverlauf, nehmen der Reihe aber auch einen Teil von dem, was sie früher herausstechen lies.

Wenn wir im Sturzflug riesigen Weichbodenmatten entgegenfliegen oder über klavierähnlich klimpernde Böden hinwegrasen, um uns mit einem präzisen Wandsprung vor tödlichen Kreissägen zu retten, stört es jedoch kaum, dass Sackboy im letzten Teil von solchen Fähigkeiten nur hätte träumen können – spaßig ist’s nämlich allemal. Die rasanten Level der einzelnen Flicken auf unserem Näh-Globus erreichen wir über eine von drei Oberwelten. Und was uns hier erwartet, sind, neben dubiosen Nebencharakteren wie dem abgehalfterten Filmstar Marlon Brandung, nur eins: Ladezeiten.

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Leider merkt man Sackboys Abenteuer den Umstand an, dass es nicht mehr vom einstigen Entwickler stammt.
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LittleBigPlanet 3 lädt unwahrscheinlich oft und selten kurz. In erster Linie, weil die Abschnitte einer Welt nicht nahtlos ineinander übergehen, sondern Sackboy in der Oberwelt umherlaufen und das Tor zum nächsten Level finden muss. Vor und nach jedem Abschnitt muss natürlich geladen werden, und das bringt den Spielfluss ins Stocken.

LittleBigPlanet 3 hat einiges vom Charme der Serie eingebüßt, bleibt aber allemal ein unterhaltsames Hüpfspiel, das nach wie vor schier unendlichem Raum für Kreativität bietet.Fazit lesen

LittleBigGlitch

Noch viel ärgerlicher sind jedoch die Bugs und Glitches die uns im ersten Drittel des Spiels regelmäßig rausgeworfen haben. Tore, die uns nach einem Tod nicht wiederbeleben, körperlose Spawn-Punkte, die uns in der Luft herumtrieben lassen, bodenlose Löcher und diverse Wand-Glitches, die das Weiterspielen nur durch Zurücksetzen zum letzten Speicherpunkt möglich machen... All diese Probleme traten auch nach der Installation des Day-One-Patches regelmäßig auf.

Obwohl diese Fehler im späteren Spielverlauf nur noch selten dazwischengrätschten, erwecken sie doch stark den Eindruck, dass in der Entwicklung die Liebe zum Detail nicht mehr ganz so ernst genommen wurde wie bei bisherigen Serienteilen. Den erwecken übrigens auch die Story-Missionen, die für geübte Spieler in rund drei Stunden schaffbar sind. Diverse Nebenaufgaben, die in Form von Minispiel-Levels etwa mit Renn- oder Puzzlespielcharakter lose in den Handlungsverlauf eingeflochten sind, unterhalten gut und strecken die spärliche Spielzeit etwas.

Sind wir dann gerade wieder so richtig in Fahrt, gleiten wir wie in BioShock an Drahtseilen über tödliche Abgründe und hüpfen Stachelrobotern auf ihren Schwachpunkt, bis plötzlich ein Zwei-Spieler-Feld auftaucht. Die Bonusecken für Mehrspielerfreunde kennen wir bereits aus den Vorgängern. Wer gerade keinen Koop-Partner zur Hand hat, kann wie gewohnt auch in Online-Partien einstigen.

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Die neuen Charaktere bringen Abwechslung, aber auch weniger Charme ins Spiel.
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Zumindest in der Theorie, denn während unserer Testzeit hat das Matchmaking mehr schlecht als recht funktioniert. Immer wieder wurde uns zwar angezeigt, dass Spieler für Online-Koop zur Verfügung stehen, die Verbindung wurde aber meist schon vor senden der Anfrage abgebrochen. Hat der Beitritt mal geklappt, hängte sich das Spiel kurzerhand auf und wir mussten das laufende Spiel abbrechen. Zweimal musste LittleBigPlanet 3 sogar gänzlich neu gestartet werden. Auch hier kommt stark das Gefühl auf, dass Sumo Digital den einen oder anderen Entwicklungstag länger gebraucht hätte.

Bastelstunde

Das eigentliche Herzstück der Geschichten rund um den gewebten Helden sind aber die Eigenkreationen. Kreativität steht diesmal mehr im Fokus denn je. Mit dem Level-Editor punkten die Spieler, die über den Tellerrand hinausblicken. Die Grenzen eines Hüpfspiels werden hier nicht nur überschritten, sondern gleich über Bord geworfen. Etliche neue Features schaffen unzählige neue Möglichkeiten zum Gestalten ganz eigener Geschichten. Und die Community war bereits fleißig: Auf dem knuddelig-düsteren Nachbau der USG Ishimura tritt Sackboy in die Fußstapfen von Isaac Clarke und eine andere Zufallskreation der Onlinegemeinde bringt uns Gartenkriegsführung mit angriffslustigen Pflänzchen gegen untote Sackkollegen näher.

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Bitte, ihr habt beinahe unendliche Möglichkeiten - nutzt sie!
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Neben dem Nachbau bekannter Klassiker warten unzählige, mehr oder weniger grandiose Unikate auf eine Proberunde. Getreu dem Motto „Das Ende ist erst der Anfang“ wirft uns LittleBigPlanet 3, nachdem wir die Kreativität zurück nach Bunkum gebracht haben, in einen nicht enden wollenden Pool an kreativen Ideen. Die Stärke der Reihe ist und bleibt der stetige Ausbau der Welt, der selbsterstellten Levels und der überraschend erfrischenden Minispiele.

Dank kleiner Änderungen geht das nun intuitiver von der Hand als bisher, wer Meisterwerke erschaffen will, muss sich jedoch wie gewohnt umfassend einarbeiten. Die neuen Fähigkeiten die im vorgefertigten Story-Verlauf noch teils lieblos eingebunden wirken, blühen hier vollkommen auf und schaffen Raum für schier unvorstellbare Unmöglichkeiten.