"Zurück in die Zukunft" - so könnte wohl das Motto für Sonys neuestes Softwarebaby lauten. Denn mit "Little Big Planet" hat der umtriebige Konsolenhersteller tatsächlich ein altmodisches Hüpfspiel an den Start gebracht, bei dem man auf den ersten Blick seine Figur tatsächlich nur von links nach rechts über diverse Hindernisse hinweg zum Ausgang bewegt. Doch das ist natürlich bei weitem nicht alles, denn das Spiel kann weitaus mehr - und hat damit das Zeug, ein echter Pflichttitel für die PS 3 zu werden.

Sprunghaftes Vergnügen

"Little Big Planet" ist ein echtes Jump-'n'-Run. Mit Sprungschanzen, Abgründen, vielen Gefahren und jeder Menge Zielwasser gewürzt. Doch daneben gibt es noch eine zweite Ebene. Denn es ist auch ein Werkzeug, mit dessen Hilfe man seiner Phantasie wahre Meisterleistungen entlocken kann. "Little Big Planet" fordert den Spieler auf, seine eigene (Spiel-)Welt zu kreieren. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen.

LittleBigPlanet - Angriff der Sackgesichter: Dieses Spiel muss man gesehen haben!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 155/1641/164
Mit seinem neuen Outfit kam Mark Medlock noch viel besser bei seinem jungen Publikum an.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Denn je länger man sich mit dem Programm beschäftigt, desto stärker gerät man in den Bann seiner Möglichkeiten. Interessanterweise steht dabei zunehmend nicht das Spielgeschehen als solches im Mittelpunkt, sondern je mehr Zubehörteile zur Verfügung stehen, desto spannender und vielschichtiger wird der zweite große Bestandteil, der Editor. Mit dessen Hilfe können nicht nur bereits vorhandene Abschnitte nach eigenem Gutdünken umgemodelt werden, sondern er ermöglicht auch die Erstellung komplett eigener Levels - buchstäblich aus dem Nichts.

Doch kommen wir zunächst zum Storymodus. Im Mittelpunkt steht die Sackboy genannte Spielfigur. Der lustige, kleine Kerl mit den schwarzen Knopfaugen kommt anfangs ganz in Jute gehüllt daher. Der sportliche Sack kann nicht nur rennen, springen und klettern, sondern auch tanzen und greifen. Außerdem kann er mit zahlreichen Elementen in den Abschnitten interagieren. Die ersten der insgesamt 50 Levels umfassenden Story fungieren dabei als Tutorial.

LittleBigPlanet - Angriff der Sackgesichter: Dieses Spiel muss man gesehen haben!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden9 Bilder
Drahtseilakt um die Macht schief gegangen: Andrea Ypsilanti (mi.) fällt ins Bodenlose.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Sie stellen den Spieler nicht wirklich vor Herausforderungen, sondern sollen ihn mit den Eigenheiten der Steuerung vertraut machen. Unterstützend gibt es an diversen Stellen Videotutorials, die man sich beliebig oft anschauen kann. Sehr lobenswert: die professionell eingesprochenenTexte sind gut formuliert und witzig, so dass das Zuhören Spaß macht. Hat man die ersten Levels erfolgreich absolviert, steigt der Schwierigkeitsgrad merklich an.

LittleBigPlanet - GC 2009 Trailer15 weitere Videos

Jute statt Plastik

In den dreidimensional begehbaren Abschnitten darf Freund Sackgesicht neben den üblichen Aktionen wie Springen und Rennen auch anderweitig sein beziehungsweise des Spielers Geschick unter Beweis stellen. Zwar trifft man auch weiterhin auf einfache Hindernisse wie Mauern oder Abgründe, die man mit beherzten Sprüngen oder gut getimten Kletteraktionen mühelos überwindet, doch es kommen auch komplexere Konstruktionen zum Einsatz.

LittleBigPlanet - Angriff der Sackgesichter: Dieses Spiel muss man gesehen haben!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 155/1641/164
Kampf gegen den Terror: amerikanische Fallschirmspringer schauen in einem feindlichen Ausbildungslager vorbei.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

So müssen beispielsweise Schalter umgelegt werden, die komplizierte Flaschenzüge in Bewegung setzen. Die setzen dann wiederum einen Mechanismus in Gang, der ein sorgfältig austariertes Gebilde zum Einsturz bringt, das zuvor den Weg blockiert hatte. In späteren Levels hantiert man sogar mit Sprengstoffen, um Teile des Bildschirms leer zu fegen und voranzukommen. Und natürlich lauern auch zahlreiche Gefahren auf die sympathische Sacknase.

In zahlreichen Abschnitten wimmelt es von Geistern, Untoten oder Krokodilen, die dem Stoffgesicht nach dem virtuellen Leben trachten. Hat man eines ausgehaucht, materialisiert Sackboy am letzten absolvierten Speicherpunkt des Levels. Hat man alle Leben aufgebraucht, hilft kein Jammern und Wehklagen mehr. Dann heißt es Zähne zusammenbeißen und den Level von vorn beginnen.

Sprung ins Bodenlose

Leider funktioniert die Orientierung nicht immer exakt. Dadurch, dass Sackboy auch in die Tiefe bewegt werden kann, trifft man bei Sprüngen des Öfteren nicht den gegenüberliegenden Absatz, weil dieser weiter im Vorder- oder Hintergrund angesiedelt ist. Dummerweise kann man das nicht immer auf Anhieb erkennen, so dass mancher wagemutige Sprung im Nichts endet. Ebenso ärgerlich ist die an manchen Stellen unsauber reagierende Steuerung. Denn je nachdem, ob Säckchen kurz oder weit springen soll, tippt man die X-Taste entweder nur an, oder man hält sie gedrückt.

LittleBigPlanet - Angriff der Sackgesichter: Dieses Spiel muss man gesehen haben!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden9 Bilder
Die neuen Großbildglotzen verfügen über sensationelle Darstellungseigenschaften. Leider mangelt es an passenden Wohnungen...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das funktioniert leider nicht immer zuverlässig und ist besonders dann ärgerlich, wenn Sackboy voller Elan gegen eine zuvor in Position gebrachte Kiste springt, die dann aus dem Gleichgewicht gerät. Ähnlich verhält es sich bei kniffligen Balanceakten, bei denen es auf millimetergenaue Bewegungen ankommt, denn der Wechsel zwischen schnellem und langsamem Laufen wird nicht immer sauber umgesetzt. Das ist ärgerlich und trübt den ansonsten untadeligen Eindruck des Spiels ein wenig.

Hüpfspiele mit Sackgesichtern, Baukasten und individuelle Selbstverwirklichung in einem – Montessori hätte an diesem Konzept ihre wahre Freude!Fazit lesen

Um den Spieler bei Laune zu halten, haben sich die Entwickler eine Menge ausgedacht. Jedes der liebevoll gestalteten Levels ist unterschiedlich aufgebaut und setzt andere Interaktionsschwerpunkte. Darüber hinaus wird der Jäger- und Sammlertrieb im Spieler geweckt, denn überall sind so genannte Objektblasen versteckt. Die enthalten neben Kleidung und Styling-Accessoires für Sackboy auch jede Menge Sticker, mit denen man die Welt von "Little Big Planet" tapezieren kann und ihr so seinen eigenen Stempel aufdrückt.

LittleBigPlanet - Angriff der Sackgesichter: Dieses Spiel muss man gesehen haben!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 155/1641/164
Blick in die Zukunft I: Ferrari präsentiert hinter verschlossenen Türen sein neues Modell für die Saison 2009.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Außerdem beinhalten sie jede Menge Baumaterialen für den mächtigen Editor. Und das bringt uns zum zweiten, noch viel wichtigeren Spielteil. Denn je nach persönlichem Geschick hat man die 50 Levels der Story mehr oder weniger schnell durchgezockt. Umso erfreulicher ist es, dass man im Baumodus nahezu uneingeschränkt neue, abgefahrene Welten erstellen kann. Hier zeigt sich denn auch, dass "Little Big Planet" viel mehr ist als nur ein - wenn auch vielseitiges - Jump'n'Run.

Raum für Hindernisse

Der Editor fordert die kreative Phantasie des Spielers wieder und wieder heraus, indem er schier unbegrenzte Möglichkeiten zur Verfügung stellt. Ganz gleich, ob man Sackboy zu Wasser, zu Lande oder in der Luft durch die Welt schicken will - der virtuelle Baumeister macht's möglich. Eingeschränkt ist man bei seinen Entwürfen lediglich von der eigenen Vorstellungskraft und von physikalischen Begebenheiten.

LittleBigPlanet - Angriff der Sackgesichter: Dieses Spiel muss man gesehen haben!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden9 Bilder
Manchmal kommen sie wieder: die überlebenden Bandmitglieder von YMCA bei ihrer Reunion-Tour im Berliner Pflegestift St. Blasenstein.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Alles beginnt mit einem leeren Raum, in dem lediglich ein Startpunkt vorhanden ist. Mit seinem Sackboy kann man ihn frei durchqueren oder -schweben und baut Stück für Stück einen kompletten Level buchstäblich aus dem Nichts auf. Die zur Verfügung stehenden Materialien wie Pappe, Glas oder Holz können dabei nach Belieben miteinander kombiniert werden. Um sie in die gewünschte Form zu bringen, kann man sie trimmen oder vergrößern und natürlich in jede Richtung drehen.

Wer mag, konstruiert so beispielsweise aufwendige Stadtszenarien, in denen sich die Figur von Haus zu Haus hangeln muss. Wer es eher flacher bevorzugt, wird vielleicht einer Art Rennbahn den Vorzug geben, mit einem aus Pappe geschnittenen Auto, das von einem Elektromotor angetrieben wird. Hobbyphysiker hingegen mögen vielleicht eher einer Welt den Vorzug geben, in der es von mechanischen Konstruktionen nur so wimmelt. Dass die Naturgesetze der Schwerkraft dabei korrekt simuliert werden, versteht sich natürlich fast von selbst.

LittleBigPlanet - Angriff der Sackgesichter: Dieses Spiel muss man gesehen haben!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 155/1641/164
Blick in die Zukunft II: neue Waldschlösschenbrücke in Dresden wird feierlich eröffnet.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es versteht sich von selbst, dass Sony dem Titel naturgemäß eine großzügige Online-Anbindung spendiert hat. Über das PSN können nicht nur eigene Levels der weltweiten Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden, sondern man kann sich auch die Konstrukte anderer Baumeister herunterladen und durchspielen. Außerdem ist es möglich, sowohl im Storymodus als auch bei selbstgebastelten Levels bestimmte Abschnitte mit Freunden zu bestreiten.

Baumeisters Traum

So kann man seine Freunde online zu einer gemeinsamen Partie einladen, wobei der gastgebende Spieler bestimmt, welche Levels gezockt werden. Verlässt er einen Bereich und kehrt beispielsweise in die Zentrale zurück, folgen ihm alle Mitstreiter automatisch. Offline wie online können bis zu vier Spieler die Welt erkunden und gemeinsam die Herausforderungen meistern. Oder sie treffen sich ganz einfach nur in einem Level, um im Takt der Musik zu tanzen. Dabei dürfte sich der Spaßfaktor zwar auf längere Sicht in Grenzen halten, für eine kleine Partygaudi zwischendurch bringt es aber Laune.

LittleBigPlanet - Angriff der Sackgesichter: Dieses Spiel muss man gesehen haben!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 155/1641/164
Blasen will geübt sein: Schneewittchen beim Abschluss ihrer Reifeprüfung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Selbstverständlich können die Eigenkonstruktionen zu jedem Zeitpunkt getestet werden. Dazu schaltet man einfach die Schwerkraft ein und lässt Sackboy den frisch designten Abschnitt durchlaufen. Funktioniert etwas nicht wie gewünscht, tüftelt man so lange weiter, bis es klappt wie geplant. Und wer gar nicht weiter kommt, kann sich auch an den schon bestehenden Levels orientieren, um herauszufinden, wie dort bestimmte Probleme gelöst wurden.

Um die zahlreichen Möglichkeiten des Editors zu überschauen, benötigt man vor allen Dingen viel Zeit. Und darin liegt auch das Faszinierende im Baumodus. Viel spannender als durch fertige selbst entworfene Welten zu rennen und springen ist der Weg dorthin. Indem man eine Idee verwirklicht, entsteht im Kopf bereits die nächste, deren Umsetzung wiederum jede Menge Gehirnschmalz erfordert.

LittleBigPlanet - Angriff der Sackgesichter: Dieses Spiel muss man gesehen haben!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 155/1641/164
Das Auge des Gesetzes sieht alles: Erstes Bild der Robocop- Neuverfilmung aufgetaucht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und wer zwischen den anspruchsvollen Bauphasen einfach mal nur entspannen möchte, der schnappt sich die zahlreichen Sticker und Deko-Elemente und versieht seine Konstruktionen mit einem neuen Outfit. Das mag für actiongewohnte Hardcore-Zocker befremdlich klingen, denn es scheint ähnlich spannend zu sein wie Briefmarkensammeln oder Modelleisenbahn-Pflege. Doch das ist falsch. Wer sich auf das Experiment einlässt und in die Welt von "Little Big Planet" eintaucht, den wird sie so schnell nicht wieder loslassen. Und das macht ein wirklich gutes Spiel aus.