Prompt und ohne jegliches Intro wirft euch Little Nightmares mitten ins Spiel. Tief in den düstersten Raum eines auf den Wellen schaukelnden Schiffs. Und auf Anhieb kommt ihr euch wie das kleine Mädchen vor, in dessen Rolle ihr nun gelandet seid: Alleingelassen. Hilflos. Gefangen in einem Albtraum!

Das kleine Mädchen im knallgelben Anorak heißt Six. Und wirkt wie aus dem Maßstab gefallen – so winzig und verloren erscheint sie zwischen den erdrückend riesigen Möbeln, Türen und voluminösen Charakteren. Was wunderbar aufgeht, denn das überdimensionierte Szenario unterstreicht das kindliche Albtraum-Szenario, sorgt für nochmals mehr Beklemmung und ein ständiges Gefühl der Bedrohung.

Little Nightmares - Trailer zum Launch am 28. April 20173 weitere Videos

Auch oder gerade dann, wenn mal nichts geschieht und ihr einsam und auf euch alleine gestellt die nur spärlich beleuchteten Kulissen erkundet. Oder unbemerkt und klammheimlich an mysteriösen Gesellen vorbeischleichen müsst, um den rettenden Ausgang zu erreichen. Die Steuerung eurer Spielfigur ist dabei relativ beschränkt: Neben Standards wie Springen, Ducken, Sprinten, Greifen und Klettern könnt ihr noch ein Feuerzeug zünden, um euch den Weg zu leuchten oder eine stationäre Lichtquelle anzustecken. Mag arg limitiert klingen, fühlt sich aber nicht zu einschränkend an.

Hervorragende Atmosphäre

Die simple Steuerung sorgt dafür, dass ihr euch in dem kurzweiligen Abenteuer noch mehr auf das optisch wie auch akustisch sehr gut inszenierte Drumherum einlassen könnt. Hier liegt eine der besonderen Stärken von Little Nightmares: Atmosphärisch arbeiten alle Effekte hervorragend Hand in Hand, um euer Nervenkostüm auf Daueralarm zu halten. Hinter der Wand raschelt etwas, Holzbalken knarzen, Flaschen rollen klimpernd über den Boden, Küchendunst liegt in der Luft und im Nebenraum kündigt sich durch lauter werdendes Rumpeln Unheil an. Dort kommt ihr aber noch nicht hin, weil die eigentlich leicht zu überwindende Stahlgittertür zischend unter Starkstrom steht – den ihr durch Lösen eines Rätsels erst noch abschalten müsst.

Little Nightmares - Willkommen im wunderschönen Albtraum

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In der Küche wird nicht nur in großen Töpfen gerührt, dort erwartet euch mit dem Koch auch ein großer Gegner-Brocken
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Ihr fühlt euch ständig unter Beobachtung und hinterhältig belauert. Selbst der kleine Lichtkegel, der von euch selbst per Feuerzeug erzeugt wird, übt mit seinem fahlen Schein und Schattenwurf Druck aus und scheint euch zu verfolgen. Dass die Entwickler sich an Genre-Referenztiteln wie etwa Limbo und Inside orientiert haben, ist unverkennbar. Vergleicht man den Stil und die Inszenierung von Little Nightmares mit Kinoproduktionen, fallen einem nicht nur auf Anhieb Tim Burton-Trickfilme ein, sondern auch der französische Spielfilm Delicatessen oder Streifen von Terry Gilliam.

Auch wenn ihr anfangs (wie bereits oben erwähnt) ohne Intro oder offensichtliches Tutorial ins Spiel geworfen werdet, dient das erste der insgesamt fünf Kapitel dazu, euch mit den grundlegenden Spielmechaniken vertraut zu machen. Während ihr euch von Raum zu Raum vorbewegt, Luken öffnet, erste Kletter- und Rätseleinlagen bewältigt, vor Blutegeln flüchtet oder schreckhafte (aber friedlich gesinnte und sogar knuddelbare) Wichtel vor euch weghuschen seht, werdet ihr Stück für Stück darauf vorbereitet, was euch später erwartet. Dazu gehören nicht nur anspruchsvolle Geschicklichkeits-Passagen und aufwendigere Rätsel, auch größere Gegner-Brocken erschweren euren weiteren Weg. Etwa in Form eines umtriebigen Kochs, der mit seinen Utensilien durch die ganze Küche rumpelt, während ihr unentdeckt nach dem Schlüssel zum nächsten Ausgang suchen müsst.

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Riesige Möbel, winzige Six: Die Größenunterschiede lassen die Atmosphäre nochmals bedrohlicher wirken
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Faire Rücksetzpunkte

Die Rücksetzpunkte sind so fair platziert, dass selbst stressige Spielsituationen nicht in Frust ausarten. Mitunter verlangen knapp gesteckte Zeitfenster zwar zahlreiche Neuversuche, aber wirklich zur Verzweiflung bringen euch auch diese Stellen nicht. Denn nach dem erfolgreichen Meistern habt ihr meist wieder einen ruhigeren Abschnitt vor euch – dessen tolle Atmosphäre zwar weiter für nervliche Anspannung sorgt, euch aber trotzdem ein wenig Durchatmen und wieder mehr Genießen lässt.