Sorglos waren noch die Jugendtage, an denen ich Knirps mir direkt nach der Schule Animeserien aus dem Nachmittagsprogramm gab. Viele davon drehten sich um actionreiche Wettkämpfe mit verrückten Spielzeugen, für deren reale Pendants ich - so verlegen es mich heute macht - ebenso sorglos mehr als einmal mein Sparschwein geplündert habe. Zum Glück bin ich dieser Phase entwachsen. Andernfalls hätte ich sicherlich auch in diesem Fall nicht widerstehen können.

Little Battlers eXperience - Cinematic Opening CutsceneEin weiteres Video

Auch wenn sich in der Zwischenzeit vieles verändert hat, zeigen Franchises wie BeyBlade, Yu-Gi-Oh!, Bakugan oder Dinosaur King immer wieder, dass die speziell auf Merchandise ausgelegten Serienkonzepte für die jüngeren Generationen damals wie heute funktionieren. Die Rahmenhandlungen solcher Serien laufen oftmals nach dem gleichen Schema ab: Im jeweiligen Anime-Kosmos sind die Spielzeuge mit Eigenleben das Herzstück international anerkannter Kampfsport-Turniere, mit denen die blutjungen Protagonisten eine besondere Leidenschaft verbinden. Im Laufe der Geschichte kommt dann irgendeine zwielichtige Organisation oder eine finstere Macht aus uralter Zeit™ daher, die, warum auch immer, besagte Merchandisingprodukte als Mittel zu ihrer Weltherrschaft sieht. Zum Schluss siegt dennoch die Kraft der Freundschaft, die Menschheit wird vom Bösen befreit, die Faszination des jungen Fernsehpublikums wandelt sich zum Kaufdrang, es klingeln die Kassen der Spielwarenhändler und alle sind glücklich.

Nein, das soll hier kein Rundumschlag über die Tücken der Kommerzialisierung und des Konsumverhaltens werden. Höchsten eine kurze Selbstreflektion über damalige Jugendsünden zusammen mit der Feststellung, wie viel Kalkül hinter solchen medienübergreifenden Kollaborationen eigentlich steckt.

Little Battlers eXperience - Mit Kinderspielzeug für und gegen den Weltfrieden

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Und wieder einmal werdet ihr mit eurem legendären Spielzeug zum Hoffnungsträger der gesamten Menschheit.
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Das von Mini-Kampfmecha erzählende Strategiekampfspiel Little Battlers eXperience (auch unter dem japanischen Titel Danball Senki bekannt) folgt durch und durch dem gleichen Prinzip, vergisst aber bei all der Spielzeug-Eigenwerbung glücklicherweise nicht, auch als Medium seiner Art eigenständig zu funktionieren.

Taschen-Mecha zum Selberbauen

Theoretisch hätte man es sich hier einfach machen können wie manche Genre-Kollegen es mit ihren halbherzigen Lizenprodukt-Spielen tun, indem sie sich nur auf die nötigste Visualisierung beschränken. Spielerischer Minimalismus kam allerdings für das verantwortliche Studio Level-5 nicht infrage. Schließlich ist man sich seines guten Rufs auch bewusst: dafür bekannt zu sein, mit viel Liebe zum Detail an die hauseigenen Titel heranzugehen.

Packshot zu Little Battlers eXperienceLittle Battlers eXperienceErschienen für 3DS kaufen: Jetzt kaufen:

Auch bekannt sind die Spiele für die teilweise überdurchschnittlich langen Zwischensequenzen, die mittlerweile integraler Bestandteil der Level-5-Titel sind und immer mal wieder den Eindruck erwecken, als würde man eine richtige Episode aus einer Animeserie schauen. Neben solchen Szenen kann sich auch die Spielwelt in LBX sehen lassen, die einen eigenwilligen, urbanen Charme erzeugt. Genau wie die Inszenierung überzeugt auch die Zusammensetzung der aufs Kernelement fokussierten Spielelemente, die auf jeglichen Beiwerk-Ballast verzichten.

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Waffen und Einzelteile beeinflussen durch individuelle Statuswerte euer Move- und Angriffs-Set. Durch das Leveln der Bauteile werden zudem Spezialangriffe freigeschaltet.
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All das dient stets der Perfektionierung des eigenen Kampfroboters - dem titelgebenden LBX - und der Vorbereitung und Durchführung der Kämpfe, von denen es sowohl handlungsrelevante als auch optionale gibt. Gekämpft wird dabei in spielbrettähnlichen Arenen, in denen ihr euch als Kampfroboter dann frei bewegen und das Terrain zu eurem Vorteil nutzen könnt.

Das Tuning eures individualisierten Kampfmechs ist die Grundlage für euer Spielfortschritt. Je mehr Einzelteile ihr im Laufe des Spiels dazugewinnt, desto variabler lassen sich ganze Rüstungssets zu eurem kleinen Roboter zusammenbauen. Dabei versucht das Spiel euch regelmäßig zum Strategie- und Ausrüstungswechsel zu motivieren, indem es euch dann und wann mit komplett neuen Sets und Waffen versorgt, was zugleich zum Austesten neuer Kampfstile einlädt.

Spaßige Kämpfe und motivierende Tuning-Vielfalt lassen kleine Schwächen wie die etwas überladen wirkenden Menü-Optionen und den generischen Plot verschmerzen.Fazit lesen

Die Zusammensetzung, das A und O

Dank unkomplizierter Tastenbelegungen für Spezialangriffe, Heilgegenstände und sonstiger Kampfaktionen betreibt ihr auch keinen allzu großen Aufwand, um euch bei der Vorbereitung an die Gegner anzupassen. Gelegentlich müsst ihr nur aufpassen, dass euer metallischer Kampfzwerg hin und wieder zur Wartung gebracht oder geölt werden muss, da er sonst zunehmend anfälliger gegen negative Statusänderungen und Angriffe wird.

Little Battlers eXperience - Mit Kinderspielzeug für und gegen den Weltfrieden

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LBX-Roboter sind eigentlich gefährliche Spielzeuge, die einst aus dem Warenhandel gebannt wurden. Wen wundert's, wenn sogar Attentate auf Politiker mit ihrer Hilfe verübt werden können....
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Gerade in den Spielabschnitten, in denen euch gleich mehrere Kampfrunden hintereinander erwarten, kann das sehr entscheidend sein. Der Wartungszustand eures LBX beeinflusst zudem eure Ausdauerleiste, auf die ihr während des Schlagabtauschs achten müsst. So seid ihr also ständig gezwungen, eure Angriffsketten kurzzeitig zu pausieren, damit sie sich erholt. Das hat auch hinsichtlich der gegnerischen Initiative seinen Sinn, denn erwischt euer Kontrahent euch wiederum mit einer Kombo, bekommt ihr während seiner Pausenphase einen kleinen Moment, um euch davon zu erholen und bestenfalls neu zu positionieren.

Generell stecken viele gut überlegte Entscheidungen hinter dem Kampfsystem, das nicht auf stumpfes Button-Mashing ausgelegt ist, sondern euch immer mal wieder zu Ausweichmanövern und taktischen Rückziehern animiert. Auch bei der Waffenauswahl wurde auf eine gewisse Ausgewogenheit von Vor- und Nachteilen geachtet. So könnt ihr mit einer Schusswaffe zwar aus sicherer Distanz angreifen, müsst aber spätestens beim Nachladen eine gute Deckung suchen, damit der Gegner eure Blöße nicht mit einem Konterangriff ausnutzt.

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Ob Eins-gegen-eins, in Dreier-Teams oder in ungleicher Konstellation: die Regeln wie auch die Teilnehmerzahlen können von Herausforderer zu Herausforderer stark variieren.
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Wenn man mal von der sehr vorhersehbaren Geschichte absieht, gibt es trotz vieler Pluspunkte auch ein, zwei kleine Dämpfer. Da wäre zum einen die stark variierende Überschaubarkeit der Gruppenkämpfe; spätestens bei sechs Kampfteilnehmern kann das Gewusel auf dem Schlachtfeld schon ein wenig überfordern. Ebenso leicht erschlagen kann gerade zu Beginn der Einkauf und die Zusammensetzung von Bausätzen und Einzelteilen, bei denen es schon allein aufgrund der verschiedenen Sektionen eures LBX viel zu beachten gibt. Inwiefern diese Faktoren als störend bezeichnet werden können, liegt letztlich im Auge des Betrachters und ist auch davon abhängig, wie schnell ihr euch in solche technischen Spielereien reinfuchsen könnt.

Alles in allem präsentieren sich die Spielelemente ansonsten recht überschaubar und führen aufgrund von viel Varianz bezüglich der Kämpfe, unzähliger Nebenquests und der Tuning-Elemente kaum zu Leerläufen. Wer gerne mit Mechs Kämpfe bestreitet, das Gameplay in Spielen wie MechWarriors aber zu träge, zu langatmig und das Tuning zu zeitintensiv empfindet, sollte sich diesen unscheinbaren Handheld-Titel trotz der kindlichen Aufmachung ruhig mal genauer unter die Lupe nehmen.