Musikspiele sind total in Mode und werden vermutlich der Renner des Weihnachtsgeschäfts. Neben den instrumentenbasierten Games wie Guitar Hero und Rock Band hatte es sich Singstar für die PS3 als Platzhirsch der reinen Sing-Spiele bequem gemacht. Microsoft will diese Vormachtstellung nun allerdings angreifen und schickt erstmals einen eigenen Kandidaten ins Rennen: Lips.

Das nur für Xbox 360 erhältliche Musikspiel setzt voll und ganz auf die Sangesleidenschaft der Partygänger. Um zu prüfen, ob man mit dem großen Konkurrenten mithalten kann, haben wir unsere Stimmbänder zum Schwingen gebracht.

Lips - Demo TrailerEin weiteres Video

Zwei bunte Mikros ohne Kabel

Microsoft liefert Lips gleich mit zwei Mikrophonen aus und hat dabei im Vergleich mit Singstar die Nase vorn. Die Mikros sind nämlich Wireless, zudem mit bewegungssensitiven Sensoren ausgestattet und leuchten auch noch schön bunt. Qualitativ machen die batteriebetriebenen Peripheriegeräte einen guten Eindruck, nicht kabelgebunden zu sein erhöht die Flexibilität beim Spielen bekanntlich ungemein. Aber auch der Bewegungssensor hat Einfluss aufs Gameplay, doch dazu später etwas mehr.

Im Spielumfang inbegriffen sind darüber hinaus 40 Songs, die von sehr unterschiedlicher Qualität sind und deren Auswahl teilweise ziemlich fragwürdig ist. Zumindest Rockfans dürften sich nur mit wenigen Songs des Aufgebots anfreunden können.

Lips - Rote Lippen soll man küssen... Diese hier auch?

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Ihr habt die Wahl, ob ihr das Originalvideo sehen möchtet oder eine Animation.
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Während Stücke wie "Another One Bites the Dust" von Queen, "I Wanna be Sedated" von den Ramones oder Nirvanas "In Bloom" noch zu den Highlights dieser Gruppe gehören, besteht der Rest der Songs aus einer mehr oder weniger überzeugenden Zusammenstellung internationaler Stars wie Seal, Kylie Minogue oder auch Avril Lavigne. Das dürfte durchaus den Durchschnittsradiohörer zufrieden stellen. Warum man aber auf Biegen und Brechen deutsche Interpreten in die Liste aufnehmen musste und dann auch noch auf B-Ware wie Roland Kaiser, Yvonne Catterfeld oder gar DJ Ötzi zurückgreifen musste, anstatt mit Songs von Grönemeyer, Die Ärzte oder Die Toten Hosen richtige Kracher zu liefern, bleibt im Dunkeln.

Leider ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Lips auch das Angebot an downloadbaren Musikstücken sehr überschaubar, wohingegen man bei Sony mittlerweile auf ca. 350 weitere Songs zurückgreifen kann. Zeit genug, sich auf diese inhaltliche Herausforderung einzustellen, hätte man im Hause Microsoft eigentlich haben müssen.

Packshot zu LipsLipsErschienen für Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Singstar lässt grüßen - fast

Davon abgesehen gestaltet sich der Spielablauf größtenteils wie von den diversen Singstars gewohnt. Während die Songs ablaufen, bekommt man hier entweder die Originalvideos zu sehen (soweit vorhanden) oder starrt auf hübsche Videoanimationen. Im Vordergrund stehen jedoch zum einen die Songtexte sowie die Phrasierungen der Melodien, die euch beim Nachsingen der Lieder unterstützen sollen.

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Die Wertungen sind untereinander kaum vergleichbar.
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Sehr schnell merkt man jedoch, dass der Schwierigkeitsgrad sehr moderat ausgefallen ist - und sich auch nicht auf die individuellen Vorlieben einstellen lässt. Lips bietet nur eine Einstellung, und die ist wirklich sehr "Casual" ausgefallen. Daher schneidet man in der Regel auch sehr gut ab, wenn es am Ende der Songs zur Auswertung kommt. Der Kontrollmechanismus ist eher milde gestimmt und verzeiht nicht nur so manchen stimmlichen Schnitzer, es ist sogar meist möglich, die Texte ganz zu ignorieren und einfach mitzusummen und die Gameplay-Mechanik dadurch auszuhebeln. Die Herausforderung an die Sänger ist dadurch insgesamt ziemlich gering.

Eine eigene Note bringt Lips mithilfe der bewegungssensitiven Mikros ins Spiel. Neben dem Gesang entscheidet auch eure "Performance" über die Gesamtpunktzahl. Ähnlich Guitar Hero aktiviert ihr hier nämlich eine Art Starpower (Sternenstrahl), wenn ihr zu bestimmten Zeitpunkten Aktionen nachahmt, die auf dem Bildschirm angezeigt werden. Das hört sich in der Theorie jedoch interessanter an, als es sich in der Praxis erweist.

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Wer die vorgegebene Stellung nachahmt, aktiviert die "Starpower".
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Während des Singens herumzukaspern fällt schon Profis nicht leicht (weshalb die meisten Hüpf-Sänger auf Playback zurückgreifen), Spaß-Singer bekommen aber wohl meist nur eines von beidem hin. Daher lässt man diese Spielerei meist und schüttelt das Mikro an der richtigen Stelle ein wenig, womit die Bonuspunkte auch eingeheimst werden können. Eine spielerische Bereicherung stellt dieses Feature daher kaum da.

Schon jetzt partytauglich, hinkt Lips aber noch hinter Konkurrent Singstar her.Fazit lesen

Problematisch ist in diesem Zusammenhang zudem die kaum vergleichbare Punktewertung. Während es bei der Konkurrenz eine Höchstwertung für jeden Song gibt, an der sich jeder orientieren kann, fließen bei Lips so viele Komponenten in die Abrechnung mit ein, dass es keine fixe Höchstwertung gibt. Womit die Leistungen einzelner Sänger nicht miteinander vergleichbar werden.

Mangelnde Community-Features

Möglicherweise ist das auch mit ein Grund, dass den Community-Features von Lips eine vergleichende Highscore-Tabelle fehlt. Überhaupt ist dies einer der Schwachpunkte des Spiels. Üben die Aufnahmefunktion und die Unterstützung der Eye-Cam bei Singstar einen großen Reiz aus und finden sich Zigtausende Videos von Spielsessions im Internet, fällt all das bei der Xbox leider weg.

Weder wird die Vision-Cam unterstützt, noch gibt es eine Aufnahme- und Uploadfunktion. Angeboten werden lediglich ein Herausforderungsmodus (wobei man jedoch nicht direkt gegeneinander antritt, sondern nur die Punkte vergleicht) und einige andere eher statische Features, die mit der Vielfalt an Funktionen der Konkurrenz bei Weitem nicht mithalten können.

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Marianne und Michael sind in den Farbeimer gefallen.
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Das gilt auch teilweise für die normalen Spielmodi, bei dem man leider auf Teamplay-Features verzichtet hat. Neben dem herkömmlichen Singleplayer-Modus dürft ihr eure Karaoke-Fähigkeiten auch in drei Minispielen anwenden. Dabei helfen euch eure Sangeskünste, eine Bombe zu "entschärfen", ihr werft im Duell-Modus einen Gegenspieler von der Bühne oder singt ein Duett, bei dem sich die Spielfiguren näher kommen - und vielleicht auch die realen Gesangspartner.

Für flotte Partys kann das möglicherweise eine nette Abwechslung darstellen. Schleierhaft ist jedoch der Modus "Kurzer Song", bei dem nur ein Teil der Stücke gesungen wird. Wieso sollte man beim Singen nach der Hälfte einfach abbrechen wollen?

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Die Songauswahl ist Geschmackssache.
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Ein Highlight von Lips ist sicher auch die Möglichkeit, eigene Songs via iPod oder anderen Quellen in das Spiel zu integrieren - zumindest in der Theorie. Die Integration klappt zwar problemlos (wobei die Songs nicht auf der Festplatte gespeichert werden, sodass das Quellmedium immer angeschlossen sein muss), doch der Freestyle-Modus ist nicht richtig ausgegoren. Zum einen kann man hier den ganzen Song über einfach irgendwas mitsingen oder auch das eigene Radio ans Mikro halten, die Punktezahlen steigen locker ins Astronomische. Vor allem aber leidet dieser Modus darunter, dass man bei den eigenen Songs keine Texte und keine Videos zur Verfügung hat.