Lionheart - Legacy of the Crusaders
(PC-Test)

(von Gregor Dutz)

Wird die ehrwürdige Spieleschmiede Black Isle Studios ihren Ruhm mit einem der letzten Rollenspiele in 2D-Grafik mehren? Wir schreiben das 16. Jahrhundert. Nichts ist mehr so, wie es einmal war.Vor 400 Jahren brach während der Kreuzzüge von Richard Löwenherz eine Barriere, welche die Magie von der Erde fernhalten sollte. Dadurch wurde die Vergangenheit geändert: Fremde Kreaturen hielten Einzug auf der Erde, Menschen bekamen plötzlich magische Kräfte und Städte wurden zerstört.

Nun ist es an Ihnen, einem Nachfahren von Richard Löwenherz, die Erde zu retten. Doch bevor Sie ob Ihrer adligen Herkunft in die Luft springen: Stopp! Nicht nur, dass Sie lediglich der Nachfahre eines Bastards des Königs sind, nein, auch das Spiel bringt einige Tücken - sowohl spielerischer als auch technischer Natur - mit sich, die es zu meistern gilt.

Die Qual der Wahl
Zu Beginn müssen Sie sich für einen der vorgefertigten Charaktere entscheiden, oder können Rollenspiel-typisch einen eigenen Helden kreieren.

Da jedoch nicht das »Dungeons & Dragons«-Regelwerk, sondern das aus der »Fallout«-Reihe bekannte und für den Fantasy-Einsatz abgewandelte »SPECIAL«-System zum Einsatz kommt, wird sich auch so mancher Profi nicht sogleich zurecht finden.

Zur Auswahl stehen vier Rassen: Menschen, Dämonen, Wilde und Sylvaner.Diese unterscheiden sich allerdings nur in der Anzahl ihrer speziellen Eigenschaften und in ihrer Wirkung auf bestimmte Personengruppen.

So reagiert ein Mensch auf einen Dämonen unter Umständen etwas barsch. Spielerisch wirkt sich dies aber nicht groß aus. Selbst grafisch gibt es fast keine Unterschiede zwischen den Rassen.

Logisch, aggressiv oder teuflisch?
Eine an sich gute Idee hatten die Entwickler mit den Geistern: Außer der eigenen Rasse muss man auch noch einen solchen Geist auswählen. Dabei hat man die Wahl zwischen dem logisch denkenden Elementar-Geist, dem aggressiven Tier-Geist und dem sarkastischen Dämonen-Geist.

Die Geister sind Rassen-unabhängig und bestimmen, welche Zauber der Spieler erlernen kann. Außerdem bekommt man von seinem Geist zu Beginn des Spiels eine kleine Einweisung in die Story verpasst. Allerdings eignen sich eigentlich nur die Zauber der

Gedankenmagie, also die des Dämonen-Geistes, als offensive Angriffsmethode. Göttliche und Schamanen-Magie setzen dagegen mehr auf defensive Zauber wie Schutz, Heilung oder Schwächung der Gegner durch eine Herabsetzung ihrer Angriffswerte. Eine bessere Balance zwischen Angriffs- und Verteidigungs-Zaubern hätten dem Spiel gut getan und vor allem Anfängern das Leben erleichtert.
Schließlich muss man noch drei Eigenschaften wählen, welche den Skill-Baum des Charakters verändern.

Zur Auswahl stehen hier Fähigkeiten querbeet durch alle Skills, zum Beispiel Verbesserung eines Zaubers, der Nahkampftechnik oder der Diplomatie. Man sollte hier schon darauf achten, welchen Weg man einmal gehen will. Es hat bei-spielsweise wenig Sinn, alle Eigen-schaften so zu wählen, dass man einen möglichst hohen Fernkampf-Wert hat, obwohl man im Spiel selbst dann eher auf die Zauber der Gedanken-Magie setzen will.

»Baldur's Gate 2« lässt grüßen
Damit sind wir dann auch schon mitten im Spiel. Wer schon einmal einen anderen Titel von Black Isle gespielt hat, wird sogleich die Grafik fröhlich begrüßen, denn sie ähnelt stark der von »Baldur's Gate 2«.

Die Hintergründe sind also sehr schön und detailliert gezeichnet.



Doch die Personen bewegen sich etwas steif und man kann, wie bereits oben erwähnt, zwischen den verschiedenen Rassen keinen großen Unterschied feststellen.

Immerhin wird grafisch zwischen Männchen und Weibchen, gut und böse, Wachmann und Händler differenziert.Das Interface unterscheidet sich komplett von »Baldur's Gate«, ist aber trotzdem sehr einfach zu bedienen. Man bekommt auch zu Beginn eine in das Spielgeschehen eingebaute Erklärung der Buttons und Fenster. Nebenbei bemerkt: Alle Texte sind einwandfrei ins Deutsche übersetzt, die Sprachausgabe ist aber in der sehr guten englischen Originalfassung verblieben.

Wo sind all die Leute hin?
Der Spieler landet ziemlich schnell in der spanischen Stadt Nueva Barcelona. Hier fällt sofort ein Manko auf, welches einen den ganzen weiteren Spielverlauf verfolgen wird: Irgendwie ist alles leer und trist. Das heißt, man wird zwar von einer lauten Stadt-Atmosphäre empfangen, aber wo die herkommt, bleibt ein Rätsel. Außer einer Wache an jeder fünften Ecke und ein paar Händlern ist so gut wie niemand zu sehen.

Auch außerhalb der Stadt bekommt man außer den feindlichen Monsterhorden herzlich wenig zu Gesicht; keine Baumwipfel, die sich im Wind bewegen, keine liebevoll

animierten Eichhörnchen, die von Ast zu Ast springen und nur ab und zu ein grafisches Highlight in der öden Landschaft. Aber damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Umgebung ist - wie bereits erwähnt - sehr schön gezeichnet, es fehlt eben nur Farbe und das gewisse Etwas in Form interessanter oder origineller Details.
Kampf der Organisationen
In der Stadt angekommen, müssen Sie sich einer der vier großen miteinander verfeindeten Organisationen anschließen. Die Bettler, Diebe, Inquisitoren und Tempelritter buhlen um Ihre Mitgliedschaft. Um aber aufgenommen zu werden, müssen sie erst Ihre Tapferkeit und Ihren Mut beweisen.

Diese glücklicherweise recht leichten Aufgaben, die man mit dem noch unerfahrenen Helden schnell lösen kann. Sobald sie aber zwangsweise in die Kanäle der Stadt hinab müssen, wird es ernst. Wenn dort mehr als zwei Gegner auf Sie einschlagen, funktioniert eigentlich nur noch folgende Taktik:Den Gegnern so lange schaden, bis man selbst dem Tod schon sehr nahe steht, dann schnell einen sicheren Platz suchen und erst einmal auskurieren.

Dann geht es wieder zurück und die gleiche Prozedur beginnt von vorne.

Dies ist vor allem zu Beginn des Spiels nervig, da auch noch das Geld für den Kauf von Zaubertränken fehlt und Geister wie Seelen, aus denen man Mana- und Lebensenergie saugen kann, viel zu selten vorkommen. Außerdem bemerkt man ein unfaires Verhalten der Computergegner: Man wird schon angegriffen, bevor man die Monster überhaupt sehen kann, da der Bildschirm nach einer Ladepause zwischen zwei Abschnitten erst langsam aufhellt. Hat man Pech ist schon die Hälfte der Lebensenergie abgezogen worden, bevor man sich überhaupt wehren kann.

Gestatten: Shakespeare
Aber erst einmal genug der Schelte. Was Rollenspieler besonders interessiert, nämlich die Story, ist der Glanzpunkt des Spiels.

Kein Rollenspiel von Black Isle hatte bisher das »wirkliche« Mittelalter zum Thema, sondern die Spiele fanden immer in Fantasy-Ländern statt. »Lionheart« greift hier eine gute Idee auf, kann man doch viele Elementedes Spiels mit den tatsächlichen Ereignissen und Personen aus dieser Zeit verknüpfen. Und dies ist auch wunderbar gelungen: So werden Sie, um nur zwei Namen zu nennen, in Nueva Barcelona auf William Shakespeare und den Eroberer Cortez treffen.
Die beiden prominenten Zeitgenossen sind mehr als pure Zier. Durch die Erledigung der mit ihnen verbundenen Aufträge kommt der Spieler wirklich weiter.

So kann man sich, unterstützt man den Kredithai Shylocke in einem Streitgespräch mit Cortez, bei diesem 1000 Goldstücke leihen. Und die benötigen Sie dringend, um bei den Tempelrittern als Novize aufgenommen zu werden.

Abwechslung groß geschrieben
Die Quests sind allesamt sehr abwechslungsreich. So muss einmal ein kleines Kind aus den Klauen gemeiner Goblins befreit, oder einer Gruppe Sklavenhändlern das Handwerk gelegt werden.

Im Zuge dessen ist rohe Waffengewalt nicht das einzige Mittel, Sie können auch versuchen, die bösen Kreaturen mit Worten zu überreden, ihre krummen Geschäfte doch bitte sein zu lassen. Entscheidend für den Ausgang dieser Gespräche sind Ihre Werte für Ausstrahlung und Diplomatie.

Warten auf den Patch
Sollten Sie sich inzwischen trotz der kleinen Schnitzer zum Kauf von »Lionheart« entschlossen haben, warten Sie lieber noch solange, bis der erste Patch erschienen ist. Sie werden sonst nämlich nach einiger Spielzeit eventuell Ihr blaues Wunder erleben und noch einmal von vorne beginnen müssen.

Es scheint nämlich, als ob die Entwickler in der Test-Phase des Spiels den einen oder anderen Bug übersehen hätten. Da gibt es zum Beispiel einige Fehler in der Spielelogik: Wenn Sie etwa eine Aufgabe lösen, bevor Sie dazu aufgefordert worden sind, wird dieser Erfolg manchmal nicht angerechnet.

Dann müssen Sie den Spielstand laden, den Sie kurz vor der Erledigung der Quest gespeichert hatten.

Haben Sie das vergessen, dann wird es bitter, denn dann können Sie das komplette Spiel gleich noch mal von vorne beginnen. Außerdem gibt es dann noch ein paar Probleme




technischer Natur in Form von Abstürzen und flimmernder Bildschirme. Während das Flimmern durch einen Druck auf die Schnellspeichern-Taste fix abgestellt wird, kann man gegen die zwar nur selten auftretenden, dafür aber um so ärgerlicheren Abstürze nichts machen.


Ein weiterer Bug ist zwar weniger schlimm, stört dafür gewaltig die sonst spannende Atmosphäre:

Die Hintergrundmusik unterbricht ohne Grund mit einem lauten Knacks und fängt dann wieder von vorne an.

???iframe??? <table border='0' cellpadding='0' cellspacing='0' width='180' height='450'> <map name='boxmap32' id="boxmap32"> <area shape='rect' coords='4,2,56,14' href='rcm-de.amazon.de/.../privacy-policy.html' target="_blank" alt='Information' /> <area coords='0,0,10000,10000' href='www.amazon.de/.../028-8015853-2372514' target="_blank" /> </map> </table> ???/iframe???