Irgendwie bekannt und doch ganz neu: Mit der dritten Auskopplung aus dem dreizehnten Final-Fantasy-Epos kalibriert Square-Enix das komplette Spielsystem neu. Fans dürfen sich auf mehr als nur eine Fortsetzung vom Fließband freuen.

Lightning Returns: Final Fantasy XIII - Launch Trailer13 weitere Videos

Langsam, aber stetig neigt sich die Sonne der aktuellen Konsolengeneration gen Horizont. Sony, Microsoft und Dritthersteller versprechen auch nach der Veröffentlichung ihrer neuen Flaggschiffe anhaltende Unterstützung. Aber mal ehrlich: Was nicht spätestens Weihnachten 2014 im Regal liegt, wird nur noch als Nachwurfware gehandelt. Ein normaler Prozess. Es war auch nicht anders bei der PS2. Sie lebte einige Jahre munter neben der dritten Sony-Generation her, aber gute neue Spiele wurden schon bald nach der Staffelübergabe selten.

Der Schwanengesang von PS3 und Xbox 360 wird selbstverständlich ein fließender Prozess. Nicht jeder hat Geld und Lust, sofort in neue Hardware zu investieren. Und den Software-Schmieden geht es ähnlich. Siehe Square-Enix. Final Fantasy XIII-3 dürfte – rein aus wirtschaftlicher Sicht – ein Paradebeispiel für strategische Marktplatzierung sein, zeigt es doch das Dilemma der Grauzone zwischen den Generationswechseln. Einerseits ist ein etabliertes, zahlungswilliges Publikum vorhanden, andererseits nicht mehr genug Zeit im Turnus verfügbar, um zugkräftige neue Marken zu etablieren.

Aus diesem Grund rettet Hauptdarstellerin Lightning ein drittes Mal die Welt. Statt neue Helden und Umgebungen zu etablieren, bleiben Charakterbild, Monster und allgemeine Designs beim Alten, was einiges an Entwicklungszeit einspart. Ob Final Fantasy 13 nun planmäßig zur Trilogie wurde oder die Business-Heinis bei Square-Enix erst kurz vor Zapfenstreich auf den Trichter kamen, spielt eine untergeordnete Rolle.

Lightning Returns: Final Fantasy XIII - Aus drei mach eins

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Lightning rettet zum dritten Mal die Welt. Diesmal sogar unter Zeitdruck.
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So lose, wie die drei Segmente miteinander verbunden sind, macht es keinen Unterschied, ob man die ersten beiden Ableger durchgekaut hat oder nicht. Das hat durchaus ein Geschmäckle Richtung Aufguss, zumal die Grafik in der vorab angespielten unfertigen Fassung keine Begeisterungsstürme mehr hervorrief.

Eines muss man den Japanern jedoch lassen: Sie geben sich noch immer Mühe und krempeln für das Finale vom Finale das komplette System um. Angefangen bei der Party. Von nun an ist Lightning ganz alleine unterwegs und kann sowohl auf der Oberwelt wie auch in Schlachten direkt gesteuert werden. Traditionell blendet die Grafik bei Feindkontakt in eine geschlossene Arena um, von den sonst so steifen Gegenüberstellungen fehlt jedoch jede Spur.

Packshot zu Lightning Returns: Final Fantasy XIIILightning Returns: Final Fantasy XIIIErschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Man dirigiert die Heldin in Echtzeit zwischen den Monstern umher und löst per Tastendruck diverse Angriffstechniken aus, was aufgrund vorgefertigter Angriffsschemata nicht so dynamisch und nahtlos wirkt wie bei typischen Action-Adventures, aber die Kämpfe trotzdem erheblich flotter macht.

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Die toughe Heldin ist diesmal ganz alleine unterwegs. Einige Begegnungen mit alten Bekannten stehen selbstverständlich auf dem Plan.
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Den Verlust weiterer Gruppenmitglieder gleicht Square Enix durch drei ständig verfügbare Rüstungen aus. Je nach Ausstattung verleihen sie unterschiedliche Fertigkeiten und können in mannigfaltigen Optionen definiert werden. Einzelteile, die man selbst anlegt, verschieben dabei die strategische Ausrichtung, sei es für den Nahkampf, Magie oder sogar nur eine ganz bestimmte elementare Kraft.

Deren Anwendung kostet jedoch Punkte im leicht veränderten Active-Time-Battle-System, was den strategischen Anteil hervorhebt. Wild auf den Knöpfchen herumdrücken mag verführerisch sein, bringt aber gar nichts. Geht die Anwendungszeit für eine Runde zuneige, wechselt man schlichtweg zu einer Rüstung, deren Ressourcen noch gefüllt sind. Inzwischen regenerieren die anderen beiden.

13 Tage, 500 Jahre

Schockwerte? Wechselwirkungen? Kenner der Vorgänger müssen solche Spielelemente komplett streichen. Halt, fast. Den Schockzustand, der Widersacher kurzzeitig verwundbarer macht, gibt es noch immer. Aber er wird nicht mehr durch wiederholtes Eindreschen auf der offensichtlichen Schwachstelle provoziert, sondern gegnerspezifisch ausgelöst. Der Trigger dafür kann theoretisch überall liegen.

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In der Nutzung eines bestimmten Angriffstyps oder einer Waffe, eines Blockmanövers und so weiter. Ob man in die richtige Richtung arbeitet, indiziert diesmal eine Welle in Form einer Herzschlagrate, die zu unserem Bedauern noch schwierig zu deuten ist. Sie geht schlichtweg im Kampfgetümmel unter.

Und wozu der ganze Aufriss? Weiß noch keiner genau, denn von der Handlung waren nur Fetzen einsehbar. Lightning macht in der Historie einen Sprung von 500 Jahren und entdeckte in unserer sehr kurzen Vorabdemo ein unsterbliches Volk. Was für unsereins verlockend klingt, ist für sie ein Fluch – sie sehnen sich wieder nach einem endlichen Leben.

Gleichzeitig droht mal wieder die Welt unterzugehen. Dreizehn Tage Zeit verbleiben, um das Schicksal abzuwenden, und die verbringt Lightning unter anderem mit dem Einfangen eines sagenumwobenen weißen Chocobo-Reitvogels. Welche Aufgaben noch auf dem Plan stehen, werden wir sicherlich schon bald erfahren.

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Im Kampf wechselt man per Knopfdruck geschwind zwischen drei frei zusammensetzbaren Rüstungen. Strategen und Sammler dürften voll auf ihre Kosten kommen.
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Wenn auch nicht in aller Vollständigkeit, denn der Reiz in Final Fantasy XIII-3 liegt im Knobeln unter Zeitdruck. Jeder Kampf und selbst die Flucht vor einem Konflikt lassen die spielinterne Uhr ein Stück weiter springen. Sind die ominösen 13 Tage bis zur Apokalypse verstrichen, winkt der Game-over-Screen samt Option für einen fortgeschrittenen Neuanfang. Bei Gebrauch startet man am Anfang der Handlung, nimmt aber alle Erfahrung sowie erbeutete Gegenstände mit in die nächste Runde. Somit steigen die Chancen auf einen Erfolg mit jedem weiteren Anlauf.

Eine nahtlos verwobene Oberwelt mit viel Bewegungsfreiheit, dynamische Tageszeiten inklusive Änderungen in der Fauna und ausladend lange Gespräche mit Dorfbewohnern dürften nicht die einzigen Zeitschlucker werden. Auch das eigenhändige Zusammenstellen von Rüstungen wird eine ganze Weile beschäftigen. Und wenn es nur zum Erlegen der fiesesten Monster ist.

Schon in unserer Demo, die mit einem gewöhnlichen Spielfortschritt mitten im Geschehen eingeleitet wurde, machte ein Klotz von Feldgegner mächtig Probleme. Er soll aber laut den Entwicklern gar nicht so schwer zu erlegen sein, wenn man mal dessen Schwachstelle kennt. Fummeln und Ausprobieren stehen offenbar an der Tagesordnung.

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Obwohl das Kampfsystem nur noch entfernt an klassische Tugenden der Reihe erinnert, macht der Ansatz schon jetzt einen sehr spannenden und ausgefeilten Eindruck. Flinke Rüstungswechsel und strategische Fertigkeiten beugen den manchmal monotonen Klickorgien der Erstlinge vor – alles in allem wird der Ablauf der Duelle nicht mehr so leicht vorhersehbar.

Schade, dass die Grafik diesmal nicht so hohe Ansprüche pflegt. Es sei nochmals betont: Zu sehen gab es bisher nur eine unfertige Vorabfassung. Das Endergebnis dürfte noch mal schöner aussehen. Aber ob das auch für die fehlende Kantenglättung gilt, die allgegenwärtig für Flimmern sorgt, bleibt abzuwarten.

Generell scheint Square-Enix einige Kompromisse eingegangen zu sein, die der offenen Oberwelt geschuldet sind. So manche Ecke wirkt sogar ungewohnt grob. Zwischensequenzen und handlungsrelevante Gespräche bleiben dagegen auf dem gewohnt hohen Niveau. Mal sehen, ob die Entwickler einen gesunden Mittelweg finden.