Wenn man Life is Strange komplett objektiv bewerten würde, würde es dem Hype wohl kaum gerecht werden. Die Protagonistinnen steuern sich etwas behäbig, Charaktere wirken hin und wieder etwas stereotypisch, leichte Grafikfehler und Glitches findet man immer wieder. Before the Storm ist da nicht anders. Aber das ist irgendwie auch okay so. Denn Life is Strange war immer mehr als die Summe seiner Teilchen, konnte es doch selbst gestandenen, 38 jährigen Männern wie Simon Krätschmer die Tränen in die Augen treiben. Glücklicherweise macht Before the Storm auch hier weiter, wo der Vorgänger angefangen hat.

Genau genommen macht Before the Storm dort weiter, wo es Life is Strange noch gar nicht hin schaffte. Denn der neue Ableger des Franchises, das hoffentlich in Zukunft nicht zu stark gemolken wird, ist ein Prequel. Nicht um die etwas verschrobene, schüchterne Max soll es gehen, sondern Chloe, ein aufmüpfiges Mädchen.

Der damalige Reveal-Trailer zu Before the Storm:

Life is Strange: Before the Storm - E3 2017 - Reveal-TrailerEin weiteres Video

Alles auf Aggro

Während es die Kernessenz von Life is Strange war Entscheidungen abzuwägen und mit diesen leben zu müssen, spiegelt sich der Charakter Chloes auch im Gameplay wider: In Before the Storm könnt ihr nicht in der Zeit zurückreisen, sondern entscheidet euch in sogenannten Streitereien binnen weniger Sekunden für eine von drei Antwortmöglichkeiten. Wenn ihr besonders aggressiv und schnippisch rüberkommt, “gewinnt” ihr. Wenn ihr zu lange nach einem coolen Konter seid oder die falsche Antwort auswählt, verfehlt ihr euer Ziel. Aggression als einzige Option, das klingt zunächst nicht sonderlich pädagogisch wertvoll. Aber es passt zu Chloes Charakter. Es würde komisch wirken, wenn es nicht so wäre.

Life is Strange: Before the Storm Episode 1 - Ein würdiger Nachfolger

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Before the Storm ist bewusst anders im Vergleich zum Vorgänger, aber das ist gut so. Hier soll es ja schließlich um Chloe gehen, nicht um Max. Und um Rachel Amber. Gerade bezüglich dieses Charakters waren Fans skeptisch: Könnte Rachel, die genau genommen kaum mehr als ein Ziel in der Ferne in Life is Strange war, als Charakter überzeugen? Man kennt sie ja im Grunde schon, weiß wie sie aussieht, weiß was sie besonders macht. Und dennoch, die zwischenmenschliche Beziehung zwischen ihr und Chloe kennenzulernen ist etwas ganz besonderes. Rachel ist etwas besonderes. Die Schreiberlinge von Deck Nine Games, die statt Dontnod die Entwicklung von diesem Ableger übernommen haben, haben sich mit dem Charakter von Rachel wirklich Mühe gegeben. Ob einem die Persönlichkeit von Rachel nun gefällt oder nicht, gut geschrieben ist sie in jedem Fall. Da fällt jedem Fan ein Stein vom Herzen.

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