Nun ist sie endlich da, die dritte und leider auch letzte Episode von Life is Strange: Before the Storm. Während die ersten beiden Folgen das Spielgefühl des Originals noch perfekt umsetzten, scheitert leider ausgerechnet die letzte Episode daran, und hinterlässt zahlreiche offene Fragen sowie das Gefühl, dass der Release-Termin einen zu großen Druck auf Deck Nine hinterlassen hat.

Der erste Reveal-Trailer zu Life is Strange: Before the Storm:

Life is Strange: Before the Storm - E3 2017 - Reveal-Trailer3 weitere Videos

Anfangs startet “Die Hölle ist leer” noch beeindruckend: In cineastisch großartig verpackten Szenen, wird die Geschichte von Rachel Ambers Mutter dargestellt - und warum sie ihr Kind damals verließ. Auf einmal ist der Vater ein Held. Ein guter Vater, der nur sein Kind vor einer Drogenabhängigen beschützen wollte. Ihr erfahrt mehr über Rachels Gefühlswelt - ein wunderschöner weil ruhiger Moment. Ein Gefühl von Melancholie macht sich breit. Ein Gefühl, das Life is Strange schon immer gut konnte. Ein Gefühl, das dieses Franchise ausgezeichnet hat.

Dann geht alles ganz schnell: Die eine Szene jagt die nächste, ihr springt binnen weniger Minuten von einem Schauplatz zum nächsten. Dementsprechend gibt es an jedem Ort leider wenig zu entdecken, irgendwie wirkt das alles wie ein “Life is Strange Light - Jetzt mit noch weniger Inhalt”. Kaum innere Monologe von Chloe, keine kleinen Entscheidungen die zwar unnütz und doch stimmig sind, lieber actionreiche Zwischensequenzen. Dass das noch nie die Stärke von Life is Strange war, sollte gerade Deck Nine bewusst sein. Zwar gibt es weiterhin nette und spaßige Dialoge und Graffiti, aber alles andere wirkt überhastet und holprig.

Life is Strange: Before the Storm Episode 3 - Die verflixte dritte Episode

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Mein Gesichtsausdruck, je länger ich über die dritte Episode nachdenke
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Durch dieses ständige Hin-und-her werden besonders Situationen negativ beeinflusst, die sonst eine enorm große, emotionale Tragweite hätten. Sowohl angeblich beängstigende als auch traurige Momente nehmen einen nicht mit. Der Zug mit den Emotionen im Schlepptau fährt viel zu früh los, nimmt Fahrt auf und lässt den Spieler links liegen.

Zudem ergeben viele Szenen überhaupt keinen Sinn. Wie kann es sein, dass Chloe binnen von Sekunden von einem emotional aufgelösten Wrack zu einer wagemutigen Spionin wird? Und warum so viele Flashbacks an ihren Vater, wenn die Katharsis ausbleibt? Es fühlt sich so an, als hätte der Game Director ein altes Manuskript aus einer verstaubten Schublade gekramt, dann ist ihm aufgefallen, dass irgendeine geplante Szene noch nicht im Spiel zu finden ist, und hat selbige dann mit Panzertape und sonstigen Hilfsmitteln notdürftig an die Episode getackert. Leider sind die Storyverläufe noch viel wackeliger und konfuser als dieser Vergleich.

Life is Strange: Before the Storm Episode 3 - Die verflixte dritte Episode

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Warum Damon so wütend ist? Aufgrund hanebüchener Gründe.
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Außerdem bleiben letzten Endes viel zu viele Fragen offen: Was geschieht mit gewissen Charakteren? Hatte Rachel Amber jetzt eine besondere magische Fähigkeit, ähnlich wie Max, oder nicht? Haben die Entscheidungen des Spielers jetzt einen echten Einfluss, und wäre die Endsequenz groß anders verlaufen? Es sind Fragen, die eigentlich beantwortet werden müssten. Was mit Nebencharakteren geschieht wird ausgearbeitet, aber die wirklich wichtigen Rätsel bleiben ungelöst. Ein Ende ohne Fokus. Eine Episode, die offensichtlich auf mindestens zwei Folgen hätte hinausgestreckt werden müssen. Zum Wohl des Spielers.