„Sex sells!“ Das wissen nicht nur Werbestrategen und Produzenten schmuddeliger Pornofilmchen. Auch Spielentwickler setzen Erotik als verkaufsförderndes Mittel ein. So zumindest lässt sich der Hype um die vollbusige Spielikone Lara Croft erklären.

Doch schon Jahre bevor Miss Croft mit ihren weiblichen Reizen die Spieler lockte, war das Thema Sex trotz Tabustatus fester Bestandteil der Videospielkultur; und keineswegs einfallslos und billig. Der Titel „Biing“ beispielsweise beeindruckte abseits der sexuellen Zoten durch gute Simulationselemente. Ähnlich verhielt es sich mit der „Leisure Suit Larry“-Serie.

Trotz plumpen Anspielungen und einer überzogen satirischen Art, hatte der Titel Charme. Der Hauptcharakter, Möchtegern-Macho Larry Laffer, entwickelte Kultstatus und die ersten sieben Teile der Reihe schrieben Computerspielgeschichte.

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Fingerübungen

Danach ging es für die Serie steil bergab. Statt Adventures servierten die Entwickler plötzlich schlampig produzierte Geschicklichkeitstitel. Larry-Schöpfer Al Lowe selbst distanzierte sich von den billig produzierten Machwerken. Berechtigt also die Frage, ob Larry Laffer mit Bust Office Box endlich in gewohnter Form auf die Bildfläche zurückkehrt? Dass dies nicht der Fall ist, werden Fans schon nach wenigen Minuten Spielzeit kopfschüttelnd beantworten können.

Leisure Suit Larry Box Office Bust - Der Adventure-Lustmolch im Sexfilmstudio

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Larrys Neffe Larry wird am Set in die Geheimnisse des Pornodrehs eingeweiht.
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Denn anstatt in die Rolle des lüsternen Winzlings zu schlüpfen, steuert ihr seinen pubertierenden Neffen Larry Lovage. Dieser giert zwar gleichermaßen nach weiblichen Rundungen, jedoch mangelt es ihm im Gegenzug an Hirnschmalz. Und ohne Grips auch kein Adventure. Knobelspaß mit einem notgeilen Vollidioten? Das will irgendwie nicht passen.

So verkommt also auch der neuste Larry-Teil zu einem Jump & Run-Titel, in dem ihr verschiedene Geschicklichkeitsaufgaben mit Fingerfertigkeit lösen müsst. Als Schauplatz dient dieses Mal das riesige Filmgelände des reichen Onkels, der euch damit beauftragt einen Maulwurf in seinem Team ausfindig zu machen.

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Grabschen, kneten, kneifen

Vorerst gilt es aber zahlreiche Missionen zu erfüllen. Aufträge erteilen euch dabei verschiedene Charaktere auf dem Studiogelände, welches ihr in gewohnter GTA-Manier frei erkunden dürft. So eilt ihr also von einem Spot zum nächsten und betätigt euch unter anderem als Botenjunge und säubert Häuserwände von Penisgraffitis.

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Sabbernd macht Protagonist Larry jagt auf junges Fleisch.
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Weiterhin müssen Minispiele wie beispielsweise Curling absolviert und Gegner im Faustkampf in die Schranken gewiesen werden. Dazwischen finden sich immer wieder weibliche Protagonisten, die es um den Finger zu wickeln gilt. Das geschieht jedoch nicht mit niveauvollem Sprachgeschick, sondern mit einer Hand voll obszöner Phrasen und notgeilem Gefasel.

Doch auch die anderen Minispiele und Geschicklichkeitsaufgaben lassen Anspruch und Niveau vermissen. Um Phallussymbole von der Wand zu kratzen, bedarf es lediglich eines Tastendrucks, die Faustkämpfe beschränken sich auf drei Aktionen und die Botenaufträge sind kinderleicht gemeistert.

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Die Titanic geht zusammen mit dem Niveau des Titels unter.
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Schwerer als die verkorkste Missionsgestaltung wiegt aber die schreckliche Steuerung, die euch zusammen mit einer umständlichen Kameraführung das Leben schwer macht. Vor allen Dingen bei Kletterpassagen und Sprungeinlagen streift man die Kante eines Abgrunds des Öfteren, nur weil die Kamera einen unvorhergesehenen Schwenk macht oder sich Larry träge wie ein Trunkenbold bewegt, der gerade aus der Achterbahn entstiegen ist.

Niveaulos und ohne Charme ist Leisure Suit Larry – Box Office Bust selbst für die schnelle Nummer zwischendurch noch viel zu teuer.Fazit lesen

Besonders ärgerlich: Stürzt ihr letztlich von einem Hindernis in die Tiefe müsst ihr den jeweiligen Abschnitt noch einmal wiederholen. Aufgrund schlecht gesetzter Checkpoints sind dies oft mehrere Minuten Sprung- und Klettereinlagen, die ihr erneut meistern müsst. „Save early, save often“ hat ein weiser kleiner Mann einst gesagt – die Entwickler hätten auf ihn hören sollen.

Autokrise

In anderen Missionen empfiehlt es sich, große Distanzen in einem Fahrzeug zurückzulegen. In GTA-Gangart lassen sich daher Mini-Golfmobile stibitzen, indem ihr den Fahrer von seinem Platz verdrängt. Doch auch hier wirft die abscheuliche Steuerung ihre Schatten voraus. Statt geradlinig und präzise um die Kurven zu fahren, scheint das Mobil einen eigenen Willen zu haben.

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Aufgrund der schwachen Steuerung sind die Minispiele nicht immer leicht zu absolvieren.
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Ihr schrammt somit an sämtlichen Häuserwänden vorbei, überschlagt euch – dank der grandiosen Physik – mehrere Male oder legt bei geringer Kurvenneigung einen U-Turn hin. Jeder Stuntman dürfte begeistert sein. Kurzum: Ihr versucht am Rande der Unspielbarkeit die jeweiligen Aufgaben zu meistern. Von der spielerischen Freiheit eines GTA-Klons ist somit keine Spur. Zwar ist das Studiogelände an allen Ecken und Enden mit sexuellen Anspielungen und Phallussymbolen gespickt, von Menschen belebt wirkt es aber noch lange nicht.

Die Straßen wirken bis auf wenige Ausnahmen menschenleer und verlassen, die Filmsets sind ohne Abwechslung gestaltet und die Häuser auf dem Gelände ähneln in ihrem Aussehen an Sozialbauten.

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Wilder Westen bekommt am Pornoset eine ganz neue Bedeutung.
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So gibt es kaum Interaktionsmöglichkeiten mit Charakteren, Filmcrew oder anderen Objekten, was vor allen Dingen Botengänge zu einer langweiligen Angelegenheit macht. Es macht schlichtweg keinen Spaß die Straßen zu Fuß (bitte keine Autos benutzen!) zu erkunden und die verschiedenen Sets zu besuchen. Das Filmstudio ähnelt eher einer Geisterstadt als einem pulsierenden Kreativhort.

Katastrophale Technik

Von der unterirdischen Steuerung einmal abgesehen, will auch die Grafik den Spieler nicht überzeugen. Auf unterdurchschnittlichem PS2-Niveau liefern die Entwickler von Team 17 hier eine müde Präsentation ab.

Die Charaktere glänzen in der Sonne wie Wachsfiguren und bewegen sich ebenso steif und träge. Die Gebäudetexturen der verschiedenen Sets wirken trist und wenig abwechslungsreich. Zu diesem Armutszeugnis gesellen sich weitere Grafikbugs. Aufpoppende Gebäude und Kantenflimmern an jeder Ecke dominieren das Spiel. Einen Beta-Test scheint die Spieleschmiede wohl nicht durchgeführt zu haben.

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Die Charaktere erinnern durch ihre glänzende Haut oftmals an Wachsfiguren.
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In Sachen Sound verließ man sich überdies wohl auf die Synchronsprecher und rühmte sich bereits vorab mit bekannten Größen der Pornoindustrie wie Carmen Electra. Leider scheinen viele der Sprecher bisher lediglich „Ahhhh“-Laute und „Ohhh“-Laute hervorgebracht zu haben, was die unprofessionelle englische Sprachausgabe erklärt.

Zu viel Gemurmle und zu wenig Elan machen es nötig, stets einen Blick auf die Untertitel zu werfen. Leider hat man sich auch mit diesen wenig Mühe gegeben – alle Texte sind nur schwer lesbar.