„Waaaas? Noch ein Lego-Spiel?!“, denkt ihr vielleicht beim Lesen der Überschrift - und habt trotzdem geklickt. Danke dafür! Und ich will euch auch nicht vormachen, dass Lego Marvel’s Avengers alles Vergangene vollkommen auf den Kopf stellt. Macht es nicht. Und doch hatte ich über etliche Stunden verdammt viel Spaß mit den Mini-Superhelden- und Schurken.

Ein wichtiger Grund liegt sicherlich in der hervorragenden Umsetzung der Lizenz: TT Games bietet mit Lego Marvel’s Avengers hervorragenden Fan-Service. Knapp 200 Charaktere sind im Spiel versteckt, teilweise sogar Figuren, die man selbst als Fan des Comic-Universums nicht kennt und erst nachschlagen muss. Da gibt es so einige Aha-Erlebnisse beim Entdecken neuer Protagonisten. Die Helden, die ich (er-)kenne, sind zudem erstklassig in Szene gesetzt und besitzen mehr Charisma als so mancher Testesteron-Hero.

LEGO Marvel’s Avengers - So groß waren die Mini-Helden noch nie

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Comichelden treffen Lego-Figuren - die Siebenjährigen in uns flippen völlig aus.
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Naturgemäß orientieren sich die Macher bei den Charakteren aus den insgesamt acht zitierten Kinofilmen (wenn man die PS4-exklusiven Inhalte mitzählt) häufig an den Charakterisierungen der Film-Blockbuster der vergangenen Jahre. Neben ausführlichen inhaltlichen Abhandlungen der beiden Avengers-Filme gibt es auch einige Flashbacks und Ausflüge zu Filmen einzelner Charaktere (u. a. Iron Man, Thor, Captain America). Kann ich gut mit leben, wenn das alles so putzig und voller Witz gestaltet ist wie hier. Insbesondere Fans, die Filme und/oder Serien gucken, werden sich über die zahlreichen Anspielungen in den Dialogen freuen und amüsieren.

Packshot zu LEGO Marvel’s AvengersLEGO Marvel’s AvengersErschienen für 3DS, PC, PlayStation Vita, PS3, PS4, Wii U, Xbox 360 und Xbox One kaufen: ab 17,98€

Spielerisch wagt TT Games keine großen Experimente, was schon ein bisschen enttäuschend ist. Das Grundgerüst sollte euch bekannt sein: Man rennt mit jeweils einem von der KI gesteuerten Partner (oder einem menschlichen Kameraden im Splitscreen) als Plastikfigur über den Bildschirm und haut alles in bunte Klötze. Die kompakten Levels sind gespickt von kleinen Rätseln, für deren Lösung man die Spezialfertigkeiten der Figuren benötigt. Eine große Herausforderung stellen weder die Puzzles noch die Kämpfe gegen die Lego-Feinde dar; richtig sterben kann man ohnehin nicht. Das ist natürlich ein Zugeständnis an die kindlichen Zielgruppe - zu harte Film-Inhalte werden dementsprechend weggelassen oder weichgespült, im Kontext dieses Spiels ist das aber absolut akzeptabel.

LEGO Marvel’s Avengers - E3-Announcement TrailerEin weiteres Video

Nebenbei stößt man immer wieder auf Rätsel, die mit den vorgegebenen Figuren nicht gelöst werden können - hier kommt das „Freie Spiel“ zum Einsatz. Dort kann man sich schließlich aussuchen, welche der freigeschalteten Helden zum Einsatz kommen sollen. Auch wenn die Beschränkung der Figuren im Story-Modus manchmal nervt: Wenn man die Belohnung praktisch schon wie eine Rübe vor der Nase baumeln sieht und trotzdem keine Möglichkeit hat, heranzukommen, ist sie aus dramaturgischer Sicht verständlich. Für diejenigen, die wirklich alles freischalten wollen, ist das Freie Spiel aber eine gute Motivation, um die Level weiter nach Fundstücken und weiteren Inhalten abzugrasen.

Apropos Freeroam: Im Prinzip macht es sich TT auch hier wieder etwas zu leicht, tischen sie uns doch als frei begehbares Gebiet das New York auf, das wir bereits aus Lego Marvel Super Heroes (2013) kennen. Mit dem Unterschied, dass viel mehr Inhalte geboten werden, eine ungleich größere Anzahl von Nebenquests zur Verfügung stehen und Dutzende neue Spielfiguren freigeschaltet werden können. Zum Glück gibt es darüber hinaus noch einige andere Orte auf der ganzen Welt zu erkunden, die Abwechslung in die ganze Chose bringen. So verschlägt es uns beispielsweise nach Washington D.C., Asgard und die S.H.I.E.L.D.-Basis, die man noch aus dem ersten Film kennt - inklusive weiterer neuer Figuren und Rätsel. Von der Quantität her bietet Lego Marvel’s Avengers sicherlich so viel wie noch kein Lego-Spiel zuvor.

LEGO Marvel’s Avengers - So groß waren die Mini-Helden noch nie

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Wenn ihr jemals ein Lego-Spiel eingelegt haben solltet, kennt ihr auch dieses. Der hohen Qualität tut das jedoch keinen Abbruch.
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Ein paar spielerische Detailänderungen gibt es dann aber doch. Alle Figuren beherrschen jetzt mehrere spezielle interaktive Attacken, die auf Knopfdruck ausgelöst werden und Abwechslung in das ständige Knöpfchendrücken bringen. Darüber hinaus können sogar Team-Aktionen initiiert werden, die noch mehr Variabilität in die Gefechte bringen und gerade das Zocken mit einem menschlichen Partner aktiver und attraktiver gestalten. Die Kombo-Attacken unterscheiden sich abhängig davon, mit welcher Team-Zusammensetzung man gerade unterwegs ist. Insgesamt sind es wohl mehrere Hundert Fähigkeiten, die hier abgerufen werden können, auch wenn sie dann voll automatisiert ablaufen. Es ist beachtlich, wie viel Detailversessenheit hier reingesteckt wurde, und es ist ein großer Spaß, die putzigen Animationen der Mini-Figuren zu studieren. Diese Komponente sollte TT bei zukünftigen Lego-Titeln viel stärker ausbauen.

Außerdem setzen die Entwickler im neuen Lego-Spiel viel mehr Szenen ein, in denen man eben nicht nur „stumpf“ die Klötzchenwelt zerlegt, sondern auch mal mit Vehikeln unterwegs ist und sich der Angriffe erwehrt. Oder noch besser, im Stil von Shoot-em-Ups Feinde vom Himmel holt. Solche Passagen sorgen dafür, dass Lego Marvel’s Avengers unterm Strich deutlich mehr Abwechslung bietet als ältere Lego-Titel. Als Bonus kann man später sogar eigene Helden erschaffen und sie nach eigenem Geschmack mit Klamotten und Kräften ausstaffieren. Übrigens haben die Entwickler auch grafisch noch ein bisschen an der Lego-Schraube gedreht, vor allem der Einsatz von dynamischer Beleuchtung und verschiedenen Tageszeiten belebt die Szenarien noch etwas und auch einige Kampf-Effekte wurden aufgehübscht.