Yoda, Luke, Obi Wan und Darth Vader hauen sich gegenseitig die Lichtsäbel um die Plastiklöffel, sammeln bunte Steinchen und bauen kleine Brücken – sowohl in die Landschaft als auch in die Herzen der Spieler. Mit eben diesen Tugenden und Ideen wurde die Lego Star Wars Saga vor drei Jahren zum Überraschungshit und machte eines ganz deutlich: Auch Simpel-Konzepte können süchtig machen.

Logisch, dass Entwickler Travelers Tales da nachlegt. Nach dem Krieg der Sterne konzentriert man sich dieses Mal auf eine andere Ikone des Abenteuer-Kinos und lässt Indiana Jones von der virtuellen Leine… pardon Peitsche. Ob als „Jäger des verlorenen Schatzes“, im „Tempel des Todes“ oder während des „letzten Kreuzzuges“ – jeder der drei großen Film-Vorgänger wird auf gewohnt witzige Weise legofiziert.

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Plastische Höhlenkraxelei

Bei derart großem Erfolg kann man es Travelers Tales kaum verübeln, dass sie sich bei ihrer zweiten Kinoumsetzung auf bewährte Gameplay-Ideen verlassen. Wer die Sternensaga bereits mit geschlossenen Augen durchspielt, wird also dementsprechend wenig Überraschungen erleben: Es wird gesprungen, gebastelt und geboxt, nebenbei sammelt man bunte Steinchen, Artefakte, knobelt sich durch Rätsel oder lacht über die herrlich abgedrehten Animationen.

LEGO Indiana Jones - Heute schon gelacht? Indys Klötzchenabenteuer ist ein schwerer Schlag für's Zwerchfell.

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Berühmte Filmszenen wie diese werden munter auf den Kopf gestellt.
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Dabei hangelt ihr euch durch allerlei Schlüsselszenen der Indiana Jones-Filme, vom Fund der Bundeslade über die Fahrt in der Lore in den Höhlen des Todestempels bis zur legendären Schlacht auf den Panzern der Deutschen im dritten Indy-Kinoabenteuer. Vor und nach jeder Mission geben die lustigen Plastikmännchen in genial-witzigen Zwischensequenzen ihre ganz eigene Interpretation dieser Szenen zum Besten.

Natürlich bedient sich Lego Indy damit relativ frech an den Star Wars-Vorgängern, bringt aber dennoch eine ganze Reihe frischer Ideen mit sich. Die Charaktere, die ihr im Laufe der Storykampagne freispielt, haben zum Beispiel noch individuellere Fähigkeiten als Luke, Obi Wan und Co. Indy selbst greift beispielsweise besonders gern zur Peitsche, sein alter Herr entschlüsselt mit einem Buch kryptische Symbole und Sängerin Charlie bringt mit ihrer schrillen Stimme sogar Glas zum Bersten.

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Indy schwingt in bestimmten Situationen stilecht die Peitsche.
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Damit die Fähigkeiten nicht zur reinen Staffage verkommen, bindet Travelers Tales diese geschickt ins Leveldesign ein – viele Puzzles lassen sich nur lösen, wenn der Spieler cleveren Gebrauch davon macht. Auch neu: Geleitet ihr Indy durch ein Gebiet voller Schlangen, verweigert der störrische Archäologe plötzlich die Mitarbeit, die Damenwelt fürchtet sich hingegen besonders vor Spinnen – die Viecher sind aber auch eklig. Dieses Phobien-System zwingt euch, noch häufiger zwischen den Charakteren zu wechseln.

Viel Feind, viel schwer

Der größte Unterschied zur Star Wars-Saga ist die unterschiedliche Gewichtung der Gameplay-Anteile. Wo ihr als angehender Jedi-Ritter des Öfteren zum Lichtschwert greifen und wild drauflos schnitzeln durftet, erfordert Lego Indy nun deutlich mehr Köpfchen. Wie es sich für einen echten Archäologen gehört, muss Dr. Jones immer wieder kleinere und größere Puzzles lösen, Schalter umlegen oder Schlüssel finden.

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Rätselpassagen wie diese gibt es zuhauf im Spiel.
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Das macht in Anbetracht der filmischen Vorlage zwar Sinn, drosselt aber immer wieder das Tempo und nimmt der ansonsten recht rasanten Inszenierung den Wind aus den Segeln. Obwohl sich keines der Rätsel als echte Kopfnuss herausstellte, wirken viele Puzzles doch arg erzwungen und unpassend.

Durch und durch spaßiges Klötzchen- Abenteuer mit technischen Mängeln, das vor allem im genialen Koop-Modus richtig aufdreht.Fazit lesen

Ein Beispiel: Nach einer wilden Verfolgungsjagd liegt Indys Fluchtwagen in Trümmern. Die Mission: das schrottreife Gefährt wieder flott machen. Die Lösung des Problems fällt jedoch wenig spektakulär aus. Mehrere Minuten lang zerstört ihr sämtliche Objekte in der Umgebung, sammelt die übrig geblieben Teile ein und tragt diese zum Wagen. Das ist weder wirklich herausfordernd noch spannend.

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Nicht einfach: An vielen Stellen müsst ihr punktgenau springen.
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Dennoch ist der Schwierigkeitsgrad im Vergleich zu Star Wars deutlich angestiegen. Die Hüpfpassagen sind um einiges haariger, während der Puzzlesequenzen greifen oft unzählige Gegner aus dem Hinterhalt an und für die zahlreichen Bosskämpfen bedarf es ganz besonderer Taktiken, die sich nicht jedem Spieler sofort erschließen – die ganz kleinen Gamer dürften mit Lego Indy also völlig überfordert sein.

Zu zweit ist’s immer schöner

Auch die vererbten Serienschwächen machen euch das Archäologen-Leben nicht unbedingt leichter. Selbst nach zwei Jahren Entwicklungszeit haben es die Travelers Tales-Jungs nicht geschafft, sich der unpräzisen Steuerung und altbekannter Kameramätzchen zu entledigen. Hinzu kommen die technische Mängel: Durch die fehlerhafte Kollisionsabfrage schieben sich die Charaktere beispielsweise gegenseitig in Abgründe.

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Mehr Spaß zu zweit: Der Koop-Modus ist konkurrenzlos spaßig.
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Ärgerlich. Vor allem im Koop-Modus – dem größten Kaufargument der Lego-Titel. Nirgendwo sonst macht es derart viel Spaß zusammen Puzzles zu knacken, Gegner zu vermöbeln oder auch einfach über die Cut Scenes zu lachen. Dennoch ist auch hier nicht alles eitel Sonnenschein: Die unvorteilhafte Kameraführung wird euch vor allem in größeren Levels oft zum Verhängnis.

Leider fallen dieses Mal die Vehikelsequenzen der Vorgänger komplett weg. Nun mögen sich manche Spieler aufgrund deren legendär verpatzter Steuerung zwar heimlich ins Fäustchen lachen, schade ist es trotzdem, den Flug der deutschen Kampfflieger (bekannt aus „Der letzte Kreuzzug“) nur als Zwischensequenz statt selbst hinter dem Steuer sitzend zu erleben. Immerhin stehen in einigen Levels kleine PKWs und Motorräder herum, mit denen ihr für einige Minuten durch die Botanik brettern dürft – das macht ja schließlich auch Spaß.