Es klingelt an der Tür, davor wartet ein übereilter Herr in Uniform. Mit einem kurzen „Hier, für euch“ drückt er uns ein Paket in die Hände, so schnell, wie er kam, verschwindet er auch wieder. Im Päckchen: ein neues Spiel, versandfrisch vom Publisher - daily business bei gamona. Für gewöhnlich ist das ein Grund zur Freude – wie damals, als „Lego Star Wars“ in den Büros eintraf. Jeder wollte mal das Klötzchen-Lichtschwert schwingen, dank Koop-Modus schallte tagelang Gelächter durch die Flure.

Heute, fünf Jahre und vier Nachfolger später, interessiert die Ankunft eines weiteren „Lego Irgendwas“ kaum noch jemanden – zumindest wenn man von jener hartnäckigen Fraktion absieht, die sich mit Vorliebe über die Namensgebung belustigen („Höhö, wenn sie schon Filmreihen machen, wieso dann nicht auch Lego Bloodsport, höhö?!“). Die Luft ist raus aus dem Lego-Universum, möchte man meinen. Oder etwa nicht?

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Endlich wieder Spaß

Das Spielprinzip war im Grunde genial: Den Spaß an der Klötzchen-Bauerei und beschwingte Jump’n Run-Elemente mit viel Humor und Koop-Freuden zu vermengen, machte aus dem simplen Spaßtitel „Lego Star Wars“ mal eben ein Phänomen. Nur leider muhte die Cash-Cow derart laut, dass sich Entwickler Travellers Tales gezwungen sah, das immer gleiche Spiel wieder und wieder zu veröffentlichen. Entsprechend niedrig fiel auch unsere Wertung zur letzten Iteration „Lego Indiana Jones“ aus. Vorfreude auf „Lego Harry Potter“? Dürfte sich selbst bei hartnäckigen Naturen in Grenzen gehalten haben.

LEGO Harry Potter: Die Jahre 1-4 - Völlig verzaubert: Der neueste Legospaß begeistert

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In mehreren Lernstunden bringt uns die Hogwarts-Elite neue Zaubersprüche bei.
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Aber wie das so ist mit Schicksal, Karma und Co., kommt es just als gamona-Lego-Chefspezialist David schon die Meckerkeule schwingen will natürlich ganz anders. Denn schon nach wenigen Minuten mit „Lego Harry Potter“ ist es wieder da, dieses charmante Kribbeln in den Mundwinkeln, die sich langsam und unwiderruflich steil nach oben recken. „Lego Harry Potter“ ist endlich wieder richtig gut.

Allein die Gestaltung von Hogwarts, der Winkelgasse und den einzelnen Levels sprüht vor so vielen Details, dass sich selbst die schon fantastischen Filme da noch eine Scheibe abschneiden könnten. Überall wuseln skurrile Charaktere umher, gibt es etwas zu entdecken. Die Zwischensequenzen im pantomimischen Murmelstil entlocken Serienveteranen zwar gerade einmal ein müdes Lächeln, aber ohne die drolligen Filmchen wäre die Lego-Reihe wohl auch nur halb so charmant.

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Eine der Fähigkeiten: Der korrekte Umgang mit Alraunen. Sehr nützlich.
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Die offene Welt aus Lego Indy 2 wurde übrigens wieder verworfen, stattdessen springt Harry durch ein relativ offenes Hogwarts, in dem nach und nach die einzelnen Missionen freigeschaltet werden. Neugierige Spieler entdecken hier zahlreiche Secrets und Unlockables, deren Zahl – das mal so nebenbei – extrem angehoben wurde. Wer nach wirklich allen Geheimnissen strebt, ist mit der Suche locker 15 bis 20 Stunden beschäftigt.

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Überhaupt erscheint der neue Serienteil seltsam beschwingt: Wo im direkten Vorgänger noch Ideenlosigkeit und Stagnation vorherrschten, machen in „Lego Harry Potter“ neun von zehn Levels richtig viel Spaß. Vielleicht liegt’s am Charme, vielleicht daran, dass Travellers Tales an den richtigen Stellen gestrafft hat oder dem Verzicht auf allzu banale Wiederholungen. Fakt ist – so gut wie hier, waren die Legospielchen selten.

Zauberhaft, charmant, motivierend

Ein genialer Zug ist der Fortschritt innerhalb der Kampagne: Statt wie bisher nach jedem Level ein paar Kreaturen freizuschalten, mit denen man das freie Spiel absolviert, um an mehr Steine zu gelangen, funktioniert dies nun komplett mit den Hauptfiguren. Im Laufe des Spiels erlernen Harry, Ron und Co. nämlich ständig neue Fähigkeiten und Zaubersprüche, mit deren Hilfe mehr und mehr Gegenstände aktiviert werden können.

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Mit "Lumus" geht Harry ein Licht auf.
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Mit „Wingadium Leviosa“ manipulieren wir Gegenstände per Zauberstab (welcher Zauberlehrling würde schon per Hand bauen), verscheuchen fiese Schlingpflanzen per „Lumus“-Spruch oder entledigen uns Voldemorts Todesser dank „Expelliamus“. Dadurch ergibt sich eine stetig steigende Lernkurve, immer wieder lernen wir neue Dinge, wodurch neue Bereiche zugänglich werden. Ein Prinzip, dass an das Aufleveln in Rollenspielen erinnert und unglaublich motiviert.

Zudem birgt das Zaubersystem eine winzige Spur des langersehnten Tiefgangs im ansonsten recht generischen Gameplay-Korsett. So richtig taktisch ist das Umherschalten zwischen den verschiedenen Magietricks natürlich nicht, aber Serienveteranen finden wahrscheinlich alles besser, als 24 Level hintereinander auf Knopfdruck wackelnde Steinchen zusammenzuschieben.

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Nervig: Dank der schlimmen Fummelsteuerung gerät das selbständige Basteln zur Geduldsprobe.
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Erstmals darf man an bestimmten Punkten innerhalb der Missionen auch selber bauen. Sprich: nicht nur aufs Knöpfchen drücken und warten bis sich der Rest von allein erledigt, sondern per Zauberspruch anheben, in Position schweben lassen und einrasten. Klingt hier übrigens einfacher als es sich letztlich gestaltet – „Lego Harry Potter“ ist in Punkto Steuerung natürlich eine genauso schlimme Fummelorgie wie die Vorgänger.

Wie gut, dass Travellers Tales auf die unsinnigen Vehikelsequenzen des Vorgängers verzichtet hat, in denen man sich minutenlang an den zahlreichen Ecken und Kanten der Levelarchitektur aufrieb und die nuschelnden Lego-Männchen am liebsten auf den Klötzchenmond geschossen hätte. Zwar schwingt sich Harry auch mal auf einen fliegenden Besen oder flüchtet per Auto vor der Riesenspinne im Dunkelwald, aber solche Szenen sind kurz und gut umgesetzt.

Teufel im Detail

Was bleibt, sind die üblichen Serien-Wehwehchen, über die wir uns an dieser Stelle gar nicht mehr aufregen möchten. Das sind wir leid, bessern will sich ja trotzdem nichts. Warum man im Jahr 2010 immer noch nicht selbst an der Kamera drehen darf und so in vielen Situationen ins Leere springt oder - noch besser - nicht einmal sieht, wo man eigentlich gerade steht, ist uns weiterhin ein Rätsel. Ein dickes „Buh!“ dafür, Travellers Tales.

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Immer wieder bleibt man irgendwo hängen, die Kamera verdeckt weiterhin die Sicht auf wichtige Stellen.
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Die weitaus größere Rüge gibt es für ein „Feature“, das es in dieser Prägnanz so bisher in keinem der Vorgänger gab: Bugs. Das die verschiedenen Figuren hin und wieder gerne mal in den Levelobjekten stecken bleiben, ist ja mittlerweile bereits ein alter Hut. Neu ist, dass spielentscheidende Trigger nicht ausgelöst werden, Skript-Sequenzen ausbleiben oder wichtige Objekte spurlos verschwinden.

Weiter geht’s da oft nur per Level-Neustart, was für sich genommen schon ein Unding ist. Richtig ätzend wird’s, wenn wie in unserem Fall Hauptfigur Harry einen der Zaubersprüche nicht erlernen will. Manche Missionsparameter lassen sich damit nicht erfüllen – das Spiel wird unlösbar. Abhilfe schafft dann nur ein kompletter (!!) Neustart. Wie man in vielen Foren nachlesen kann, übrigens kein Einzelfall.