Ich will dich nicht mögen. Ich will dich nicht mögen. Ich will dich… verdammt, sind diese Figürchen niedlich. Obwohl Plastik-Tinnef für mich letztlich nichts weiter ist als in hübsche Formen gegossene Mikrotransaktionen – egal, ob von Activision, Disney oder eben Warner –, konnte ich mich dem Charme von LEGO Dimensions nicht erwehren.

Das Öffnen der für 100 Euro zumindest angenehm großen Verpackung des Basis-Sets weckten in mir wahre Kindheitsgefühle. Während der 5,5 Gigabyte große Day-One-Patch auf der PlayStation 4 installiert wurde, saß ich gemütlich auf der Couch, bastelte Stück für Stück das Dimensionstor zusammen und platzierte es nach knapp 20 Minuten auf dem Portal. Dieses spielt im weiteren Verlauf noch eine entscheidende Rolle, dient es doch in LEGO Dimensions nicht nur als Plattform um Figuren ein- und auszuwechseln, sondern auch, um kleinere Rätsel zu lösen.

Davon mal ganz abgesehen ist die LEGO-Preispolitik natürlich ein Schlag ins Gesicht. Das Basis-Set bestehend aus dem Portal, dem Spiel, einem Mini-Batmobil und den drei Hauptcharakteren Wyldstyle aus LEGO Movie, Gandalf aus Der Herr der Ringe und Batman aus dem DC Universe kostet 100 Euro. Dazu liefern Warner und LEGO allerdings noch eine ganze Fülle an Level Packs, Team Packs und Fun Packs zwischen 15 und 30 Euro aus. Gemeinerweise macht einem die Marketing-Abteilung bereits beim Auspacken des Starter-Sets den Mund wässrig und präsentiert auf einem Poster sämtliche Figuren aus prominenten Welten wie Zurück in die Zukunft, Ghostbusters oder Die Simpsons.

LEGO Dimensions - „Warum gucken sie mich so an? Das ist für, äh... meinen Sohn!"

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Typischer LEGO-Humor: Die beiden Batmans streiten sich darum, wer die echte Fledermaus ist.
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Als wäre das noch nicht genug, stößt mich auch LEGO Dimensions nach etwa einer Stunde Spielzeit schmerzhaft mit der Nase auf die Tatsache, dass ich mit meinem Basis-Set längst nicht alles sehen und längst nicht alle Boni freischalten werde. Denn um bestimmte Welten zu betreten, benötige ich die dazu passenden Figuren. Schade. Die Preispolitik ist drastisch. Da ist es vollkommen natürlich, dass es mich fuchst, wenn ich vor einem Portal stehe, LEGO Dimensions aber den virtuellen Türsteher macht und mich nicht rein lässt. Als Erwachsener kann ich damit umgehen; jüngere Spieler werden sich ärgern und ihre Eltern anbetteln. Es ist ein Teufelskreis aus Plastik, Tränen und barer Münze.

Wer lacht, gewinnt!

Doch mal von der bockigen Preispolitik abgesehen: Es gibt mehr als genügend Gründe, LEGO Dimensions in sein Herz zu schließen. Erneut fängt einen Entwickler TT Games mit dem typischen Humor ein, der bereits so viele Titel des Studios zuvor erfolgreich gemacht hat. Dabei stört es gar nicht weiter, dass die Hintergrundgeschichte nicht über das Klischee „Ein Bösewicht möchte einfach alles und jeden vernichten“ hinauskommt. Lord Vortech ist trotz aller Bemühungen seitens der Macher ein blasser Antagonist, den auch der aufgesetzt wirkende, schusselige Humor nicht mehr rettet. Ich habe schnell akzeptiert, dass ich in Puncto Geschichte nichts von LEGO Dimensions erwarten durfte und habe mich stattdessen auf viele schöne Reisen in die 14 Welten der verschiedenen Figuren gefreut.

LEGO Dimensions - „Warum gucken sie mich so an? Das ist für, äh... meinen Sohn!"

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Besonders die Comic-Spielwelten sehen absolut fantastisch aus. Die Simpsons-Stadt Springfield erstrahlt in einer leichten Cel-Shading-Grafik und setzt sich damit von den übrigen Welten ab.
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LEGO Dimensions bringt den gespielten Witz besser auf den Punkt als die meisten anderen Titel dieser Generation und entlockte mir immer wieder mehr als nur ein Lächeln. Durch Lord Vortechs üble Machenschaften werden die verschiedenen Universen ineinander geworfen, wodurch bereits nach wenigen Minuten Gandalf, Wyldstyle und Batman ein triumphales Trio bilden, das den Schurken aufhalten will. Das Zusammenspiel der Protagonisten ist absolut fantastisch und sogar die deutsche Synchronisation kann sich dank der Originalsprecher hören lassen.

Weckt den Videospieler und das Kind in mir: Trotz alter Schwächen ist LEGO Dimension einfach allerliebst.Fazit lesen

Die Komik entsteht durch die Andersartigkeit der Charaktere und durch ihre Eigenheiten. Als Batman beispielsweise die Welt des Zauberers von Oz betritt, kneift er die Augen zusammen und knirscht durch die Zähne: „Das ist alles so… bunt!“ Wenig später will er dann natürlich der Vogelscheuche ans Leder, weil er sie für seinen Erzfeind Scarecrow hält. Selbst scheinbar brutale Szenen wie etwa das Schmelzen der bösen Hexe des Westens werden mit kurzen One-Linern wie „Bestellt bitte mein Zeitungsabo ab“ deutlich abgeschwächt. Es vergehen keine 30 Sekunden ohne einen kleinen Spaß oder ohne, dass ich mich über die liebevolle Präsentation amüsiere. Alle Welten wurden mit enormer Liebe zum Detail kreiert,und das tut LEGO Dimensions sehr gut. Besonders die Comic-Areale von Scooby Doo und Die Simpsons sehen mit ihrem leichten Cel-Shading-Look grandios aus – der Spaziergang durch das virtuelle Springfield ist so gleich eine doppelte Freude.

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Ein ganz klassisches LEGO-Spiel

Unter der hübschen Schale verbirgt sich allerdings ein typisches LEGO-Spiel. Kenner früherer Titel wie LEGO Batman oder LEGO Avengers erleben daher nur wenige Überraschungen. Sie prügeln sich durch die bezaubernden Levels, bauen aus hopsenden Steinchen Apparaturen und benutzen die Eigenheiten der verschiedenen Figuren, um kleinere Rätsel zu lösen. Mit Batmans Greifhaken beispielsweise ziehe ich an roten Plattformen. Wyldstyle springt behände speziell markierte Wände hoch und Gandalf kann Objekte schweben lassen. Alte Schwachstellen wie der zu niedrige Schwierigkeitsgrad, das kaum existente Kampfsystem und die unübersichtliche Kameraführung im Couch-Koop bleiben leider weiterhin bestehen.

In LEGO Dimensions schaltet ihr allerdings als Belohnung keine neuen Figuren mehr frei. Stattdessen könnt ihr mit den gesammelten Steinchen Upgrades für euer Fahrzeug – wie etwa dem Batmobil des Basis-Sets – aktivieren oder sogar neue Entwicklungsstufe einkaufen. Spätestens an diesem Punkt werden die Plastikspielzeuge nämlich wirklich lebendig. Mit jeder der drei Evolutionsstufen schaltet ihr eine Umbauanleitung frei, die ihr nur mithilfe des Spiels erhaltet. Natürlich ist es am Ende vollkommen egal, was auf dem codierten Plastikfuß steht. Doch dieser LEGO-Twist erzeugt eine besondere Verbundenheit zu dem neuen Gefährt. Schließlich habe ich es nicht nur virtuell freigeschaltet, sondern darf es auch noch selbst umbauen.

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Jede Figur besitzt ihre eigenen Fähigkeiten. Batman beispielsweise setzt seinen Greifhaken ein und öffnet damit neue Wege.
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Überhaupt sind das Portal und die Plastikfigürchen ein weitaus wichtigeres Spielelement, als ich es zunächst angenommen hatte. Bis zu sieben Spielzeuge finden auf dem Portal Platz, und dieses wird immer wieder stimmig in den Spielverlauf eingebunden. Die Plattform leuchtet und signalisiert damit, dass bestimmte Figuren auf ihr stehen müssen. Sogar bei einigen Bosskämpfen kommt die Plattform zum Einsatz. Dann muss ich beispielsweise meine Figur von einer Hälfte auf die andere setzen. Durch das angenehm lange Kabel muss ich mich auch nicht direkt vor die Glotze hocken und kann das gesamte Portal neben mir auf der Couch platzieren, ohne dass ich ständig aufstehen müsste. Insgesamt sind die Figuren und das Portal ein wichtiger Bestandteil des Spiels und ergänzen es sinnvoll um eine gewisse Haptik, die LEGO Dimensions von anderen Konkurrenten abhebt und für überraschend clevere Rätsel nutzt. Es besitzt damit ein klares Alleinstellungsmerkmal und macht es womöglich zum bislang besten Toys-to-Life-Produkt auf dem Markt.

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