Seit neun Jahren erklimmt Entwickler Traveller's Tales mit der Lego-Reihe nun schon einen scheinbar unbezwingbaren Berg, an dessen Spitze das Rollenspiel-Genre geduldig auf seine Entdeckung wartet. Nach einer halben Ewigkeit und einigen Beinahe-Abstürzen scheint „Lego Der Herr der Ringe“ nun jedoch endlich den lang erwarteten Schub gebracht zu haben: „Lego Der Hobbit“ ist seinen Action-Adventure-Ursprüngen entwachsen und darf sich stolz als vollwertiges Rollenspiel bezeichnen – samt aller technischer Probleme, die es mit dem Genre offensichtlich gratis dazu gibt.

LEGO Der Hobbit - Deutscher TrailerEin weiteres Video

Strukturell ändert sich im Vergleich zu den Vorgängern wenig: Noch immer folgt ihr der Geschichte der Vorlage in einer Mischung aus treuer Nacherzählung und lustiger Parodie, haut in den Levels alles zu Klump, löst anspruchslose Rätsel und schaltet kontinuierlich neue Fähigkeiten und Charaktere frei. Zwischendurch reist ihr immer wieder in der frei begehbaren Welt von Mittelerde umher und schaltet dort unzählige Nebenquests und andere Extras frei.

We're taking the dwarfes to Erebor

Die Geschichte der „Hobbit“-Filme passt dank ihres lockeren Grundtons tatsächlich perfekt zum typischen Lego-Humor. Wie bereits in „Lego Der Herr der Ringe“ wurden die Dialoge direkt aus den Filmen entnommen, was viele Situation noch einmal komischer macht – die vor Überzeugung platzende, ehrenvolle Stimme des Zwergen-Anführers Thorin sorgt immer wieder für Lacher, wenn sie aus dem putzigen Mund einer Lego-Figur schallt.

LEGO Der Hobbit - Das Beste aus zwei Welten

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In der Höhle des Löwen: Immer wieder kommt es zu aus dem Film und Buch bekannten, haarigen Situationen.
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Wer sich dieser Tage ein „Lego“-Spiel kauft, der weiß vermutlich bereits ganz genau, was ihn erwartet – das ist auch in diesem Falle nicht anders. Noch immer bestehen die Kämpfe ausschließlich aus dem Hämmern auf die gleiche Taste, Tode werden nicht bestraft, die Lösungen der verschiedenen Rätsel sind meist auf den ersten Blick ersichtlich. An Punkt A fehlt ein Schalter, als zerstöre ich an Punkt B sämtliche Gegenstände, bis das gesuchte Objekt schließlich irgendwo herausfällt. Viel komplizierter wird es während der Kampagne nicht.

Anders sieht das jedoch in der offenen Spielwelt auf. Diese hat sich ihren Namen nun endlich auch verdient, nachdem Mittelerde in „Lego Der Herr der Ringe“ kaum mehr als eine Ansammlung von einengenden Feldwegen und Korridoren war. Sämtliche Gebiete wurden komplett neu aufgebaut, sind wesentlich größer und detaillierter. Auch abseits der Wege können die Wiesen und Felder nun bereist werden, alle paar Meter wartet eine neue Quest, ein neuer Gegenstand, eine neue Figur darauf, entdeckt zu werden.

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Im Frühtau zu Berge wir ziehen, falera!
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„Lego Der Hobbit“ hat die lange Entwicklung der Lego-Serie hin zum Rollenspiel damit nun endlich abgeschlossen. Dafür wurde auch das Crafting-System runderneuert: Neben den bereits bekannten, weißen Mithril-Klötzen, die es zu Finden oder für die Erledigung von Nebenquests gibt, lassen sich nun auch Materialien wie Holz oder Stein in der Spielwelt finden. Das funktioniert dann wie in „Minecraft“: Zerkloppt ihr etwa einen Baum, bekommt ihr danach einige Einheiten Holz auf euer Konto gutgeschrieben.

Die zahlreichen Detailverbesserungen werden von den technischen Problemen zunichte gemacht.Fazit lesen

Ebenfalls neu: Mit einer Spitzhacke könnt ihr Materialien wie Gold oder Silber in einem Minispiel abbauen. All diese Ressourcen sind schließlich für das Schmieden neuer Gegenstände oder das Erfüllen diverser Neben-Aufgaben notwendig. So könnt ihr schließlich etwa Legolas eine Pilzkrone verpassen und ihn mit einem Stab ausrüsten, der die Gegner bei einem Treffer wild tanzen lässt.

Eine formvollendete Wanderschaft

Tatsächlich macht das Bereisen dieser Spielwelt so viel Spaß, dass wir die Schnellreise-Funktion größtenteils ignoriert haben. Längere Strecken sind dank eines Pferdes, das ihr nach Abschluss der Geschichte jederzeit herbeirufen könnt, kein Problem und Orte wie Bruchtal oder das Auenland platzen nur so vor Charme.

Es scheint so, als habe „Traveller's Tales“ ihre Lego-Formel mit „Lego Der Hobbit“ endgültig perfektioniert. Dank verschiedener, neuer Komfort-Funktionen war das Wechseln zwischen Gegenständen und Charakteren (trotz über 100 verschiedener Figuren) nie einfacher, eine übersichtliche Minikarte stellt sicher, dass euch die Übersicht nie verloren geht.

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Die knuffige Optik täuscht: Es kommt mitunter zu harten Gefechten!
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Am grundsätzlichen Spielprinzip ändert das jedoch natürlich nichts. Gerade die Kämpfe haben eine Generalüberholung dabei dringend nötig: Trotz einiger spektakulärer Animationen und dutzenden Waffen bestehen diese noch immer ausschließlich aus dem wiederholten Drücken der Angriffstaste. Zwar gibt es nun einen neuen, sekundären Angriff – dieser ist jedoch dank seiner zu langen Aufladezeit im Gefecht völlig unbrauchbar. Auch einige Sprungpassagen leiden unter der schwammigen Steuerung und oftmals wenig hilfreichen Kamera.

Ich will doch nur spielen!

Das alles würde dem Spaß jedoch keinen Abbruch machen – wenn es da nicht die technischen Probleme gäbe. Die getestete Xbox One-Version sorgte wiederholt für Ärger: Neben einer Handvoll Freezes, bei denen sich das Spiel nach einigen Sekunden selbst beendete, gab es einen Fehler, der fast unseren gesamten Fortschritt zunichte machte: Nach dem Betreten eines Gebäudes fielen die Spielfiguren plötzlich durch den Boden ins Nichts, starben nach einigen Sekunden, wurden auf dem Boden wiederbelebt, nur um dann wieder herunterzufallen. Selbst ein Konsolen-Neustart konnte dort keine Abhilfe schaffen. Stattdessen gab es in diesem ewigen Kreislauf einen Sekundenbruchteil, in dem wir die Karte aufrufen und das Schnellreise-System benutzen konnten, was den Fehler behob.

Daneben wirkt die desaströse Wegfindung der KI beinahe trivial: Einige Eskort-Missionen werden so zu einer echten Geduldsprobe, wenn eine Figur mal wieder an einem Objekt in der Spielwelt stecken bleibt – gelegentlich war auch an dieser Stelle das Neuladen des letzten Speicherpunktes nötig. Seltene, aber nichtsdestotrotz kaum zu rechtfertigende Ruckler runden das Bild einer verfrühten Veröffentlichung ab.