Spark Unlimited – dieser Name dürfte noch bei so manchem Zocker für einen gehörigen Schauer sorgen, zeichnete das Entwicklerstudio doch für das Debakel „Turning Point: Fall of Liberty“ verantwortlich. Nach dem Shooter-Desaster im Frühjahr gelobten die Entwickler Besserung und wollen mit „Legendary“ nun alles richtig machen. Der neue Shooter mit dem bescheidenen Namen soll sich vor allem dank einer originellen, der Mythologie entliehenen Gegnerschar, von der Konkurrenz abheben. Ob das wirklich reicht, um im hart umkämpften Ego-Shooter-Genre bestehen zu können, lest ihr in unserem Test.

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Kunstdieb Charles Deckard gehört offensichtlich nicht zu den pfiffigsten Videospielhelden. Anders lässt es sich nicht erklären, warum er sich dazu bereit erklärt hat, ausgerechnet die Büchse der Pandora zu klauen und es nicht lassen kann, diese auch noch zu öffnen – der trashigen Geschichte von „Legendary“ steht daraufhin nichts mehr im Wege. Eine endlose Schar aus Monstern und Kreaturen entweicht der antiken Kiste, überrennt den ganzen Globus und sorgt für Tod und Zerstörung. Einzig die Superleuchte Charles Deckard kann das drohende Armageddon noch abwenden.

Legendary - Von wegen legendär: Antikes Gameplay statt mythischer Präsentation

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Der Cleverste ist er nicht: Deckard erweckt unwissentlich unzählige mythologische Kreaturen.
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Ganz allein ist der Spieler als Charles Deckard jedoch nicht unterwegs. So verspürt der böse Schwarze Orden, euer ehemaliger Auftraggeber, immer noch Interesse an der geöffneten Kiste und der geheimnisvolle Rat der 98 nimmt euch unter seine Fittiche, um euch bei der Rettung der Welt zu unterstützen. Denn nur Deckard, der durch die Büchse der Pandora gebrandmarkt wurde und nun über spezielle Animus-Kräfte verfügt, kann diese wieder schließen.

Von Lüftungsschächten und massiver Linearität

Die Story auf B-Movie-Niveau wird mittels schlichten Textnachrichten, bebilderten Zwischensequenzen, Ingame-Cutscenes und zahlreichen gescripteten Events erzählt, die jegliche Interaktivität missen lassen; teilnahmslos steht man als Deckard rum und betrachtet wütende Greifen in den Strassen New Yorks oder wie ein riesiger Krake Londons Big Ben zerbröselt. Gerade weil die gelungenen Script-Passagen Lust aufs Ballern machen, will man als Spieler sofort die Knarre zücken und loslegen.

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Bedrückende Enge: In den geradlinigen Levelschläuchen sind wendige Manöver kaum möglich.
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Stattdessen muss man oft tatenlos warten bis der imposante Gegner hinter der Hausecke verschwindet um danach in Lüftungsschächten und U-Bahntunnels umherirren zu dürfen. Überhaupt schreibt einem der Shooter permanent vor, was man darf und was nicht. Denn mit „Legendary“ betritt der Spieler einen geradlinigen, engen Korridor, der jeglichen Drang zur Bewegungsfreiheit im Keim erstickt.

Für einen geradlinigen Shooter der alten Schule kein Kapitalverbrechen, jedoch bleibt man immer wieder irgendwo hängen oder wird von den mythologischen Biestern aus der Büchse in die Ecke gedrängt und zerfetzt. Verstärkt werden diese frustrierenden Erlebnisse durch die Unfähigkeit Deckards, höher als 5 Zentimeter zu springen – die kleinsten Hindernisse mutieren so zu unüberwindbaren Barrieren. Häufig fühlt man sich den wendigen Gegnern wie den Werwölfen oder den Nari-Geistern unterlegen, weil die hakelige Pad-Steuerung schnelles Zielen unmöglich macht.

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Sogar aus der Luft droht Gefahr - Greifen trachten euch nach dem Leben.
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Sogar das Enthaupten eines still liegenden Werwolfes gestaltet sich schwierig, da erstens die Ragdoll-Animation des halbtoten Biests es schwierig macht, den Kopf überhaupt zu finden. Zweitens muss der Schuss aufs Tüpfelchen genau platziert sein, sonst steht der heulende Kumpan bald wieder auf den Beinen. Bei den Rätseln der Marke „dreh das Ventil auf, um das Feuer zu löschen“ stellt einzig die Steuerung eine Herausforderung dar, da man penibel genau vor dem Ventil stehen muss, um dieses drehen zu können – gleiches trifft bei den Türen zu.

KI mit Aufmerksamkeitsdefiziten

Wegen den flinken, endlos respawnenden Gegnern, die auch noch härter im Nehmen sind als Chuck Norris, sind Ruhepausen bei „Legendary“ selten und das Überleben in der bedrohten Welt gestaltet sich schwierig. Einzig die animalische Engstirnigkeit der Biester kommt dem Spieler hier entgegen: So ist es zwar aufgrund der Pad-Steuerung fast unmöglich, die umherschwirrenden Nari im Flug zu treffen.

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Skurril: Manchmal reagieren die Gegner nicht auf Beschuss.
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Glücklicherweise bewegen sich diese aber mit erstaunlicher Präzision immer wieder direkt vor dem Schrotflintenlauf und man braucht nur noch abzudrücken. Insgesamt bewegt sich die KI auf 0815-Niveau. Die Soldaten des Schwarzen Ordens suchen sich zwar gekonnt Deckung, stehen jedoch in absehbarer Regelmäßigkeit immer wieder auf um ein paar verstreute Schüsse abzugeben und werden so zur Zielscheibe.

Das originelle Setting kann kaum über das innovationslose und oftmals frustrierende Gameplay hinwegtäuschen. Um im hart umkämpften Ego-Shooter-Genre zu überstehen, braucht es mehr.Fazit lesen

Wirklich herausfordernd ist das nicht und auf offensive Aktionen der Soldaten wartet man vergebens. Nur selten findet sich die KI überhaupt nicht mehr zurecht. So schien ein Werwolf doch unter starkem Aufmerksamkeitsdefizit zu leiden, denn obwohl das Ungetüm unseren Protagonisten direkt anglotzte und nur 3 Meter entfernt stand, entschied es sich erst nach mehrfachem Beschuss zum Angriff.

Die Krux mit der Animus-Energie

Spark Unlimited hat wohl geahnt, dass die Spieler angesichts unendlicher Monstermassen überfordert sein könnten und dem Protagonisten Deckard, durch die Büchse der Pandora gebrandmarkt, übernatürliche Fähigkeiten zugewiesen. Durch das in seine Hand gebrannte Symbol kann er die so genannte Animus-Energie von getöteten Gegnern einsammeln, um sich damit zu heilen oder eine Schockwelle auf seine Feine abzugeben, die dadurch zurückgeworfen und betäubt werden.

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Gegen Werwölfe ist kaum ein Kraut gewachsen - es sei denn, ihr enthauptet sie.
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Leider ist der Einsatz dieser an sich nützlichen und notwendigen Fähigkeit in der Spielpraxis problematisch, da sie nur im Stehen ausführbar ist – angesichts der permanent respawnenden und angreifenden Monster, wird die Heilung fast immer unterbrochen und es fehlt die nötige Energie für die Schockwellen im Kampf. Grafisch präsentiert sich „Legendary“ dank Unreal 3-Engine ganz ordentlich. Geskriptete Ereignisse wie der randalierende Schrott-Golem sind beeindruckend inszeniert und die Länge der Spielabschnitte ist gut getroffen.

So kommt keine Langeweile auf wenn man sich durch das apokalyptische New York kämpft, einen düsteren Wald in Großbritannien passiert oder das Schloss des Schwarzen Ordens auf den Kopf stellt. Darüber hinaus sind Bossgegner wie der riesige Krake in London nicht nur hübsch anzusehen, sondern bieten auch veritablen Spielspass.

Hände weg, sonst knallt's

Einige Grafik-Patzer trüben jedoch das trashige Gesamtbild des Shooters. Spark Unlimited hat es offensichtlich verpasst, dem lieben Deckard Hände zu spenden: Ventile Drehen sich wie von Geisterhand, Türen werden wohl per Telekinese geknackt und wie unser lieber Kunstdieb Leitern erklimmt, ist mir ein Rätsel. Für zusätzliche Abzüge bei der Atmosphäre sorgen merkwürdige Einschusslöcher in Gitterzäunen, das befremdliche Ragdoll-Verhalten halbtoter Werwölfe oder das misslungene Charaktermodell eurer Weggefährtin Vivian Kane.

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DejaVu: Schon in Turning Point kullerten Statuenköpfe durch die Gegend.
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Auch schade, dass die Körper besiegter Gegner binnen Sekunden wie von magischer Hand verschwinden. Am Sound lässt sich wenig aussetzen: Die 0815-Waffen machen ordentlich Rumms, die mythologischen Viecher kreischen und heulen sich gekonnt durch das Armageddon der Menschheit und die deutschen Synchronstimmen von Deckard und Co. passen. Die trashige und stimmige Hintergrundmusik inkl. Gitarren-Riffs untermalt die B-Movie-Handlung gekonnt und passt wie die Faust aufs Auge.

In den Vier-gegen-vier-Kämpfen des Multiplayer-Modusses kann man sich entweder für den Schwarzen Orden oder den Rat der 98 entscheiden. Um den Sieg davontragen zu können, könnt ihr die mythologischen Biester mittels Animus-Maschinen, die ihr aufladen könnt, kontrollieren und so das gegnerische Team in die Knie zwingen. Aufgrund mangelnder Mitspieler während des Spieletests floss der Multiyplayer-Part nicht in die Wertung mit ein.