Monsterplätten made in Germany - mit »Legends: Hand of God« ist ein weiterer Diablo-Klon erschienen, den wir das letzte Mal auf der Games Convention bewundern durften. Unser Eindruck war seinerzeit sehr positiv, denn das Programm erfreute mit stimmiger Grafik, professioneller Vertonung und der süßesten Lichtelfe der Spielegeschichte in Gestalt von Cosma Shiva Hagen. Ob die Verkaufsversion den Vorschusslorbeeren gerecht werden kann, verrät unser Testbericht.

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Torwächter
Wir erinnern uns: Im Lande Aris hängt der Haussegen mächtig schief. Verantwortlich dafür ist ein übereifriger Magier, der einst ein Portal in die Schattenwelt öffnete, so dass eine Armee der Finsternis Chaos und Verzweiflung über die Bewohner bringen konnte. Dank zweier heldenhafter Brüder wurden die Invasoren zwar in letzter Minute zurückgeschlagen, doch das Tor konnte nicht mehr versiegelt werden.

Daher entzündeten die Sieger am Eingang eine heilige Flamme, an der sich jeder Dämon die schleimigen Schuppen versengte, sobald er sich dem Portal näherte. Um die Flamme zu schützen, gründete Targon, einer der Brüder, ein Kloster am Tor und begab sich in die Schattenwelt, während der andere als Herrscher das Land wieder aufbaute.

Legend: Hand of God - Hier hilft selbst die Hand Gottes nicht: Legend ist nur guter Durchschnitt.

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Neulich im Privat-TV: Tim Mälzer stellt seinen neuen Feuertopf vor.
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Die Spielhandlung setzt einige Jahrzehnte später ein. Einiges ist schief gegangen, denn irgendwie ist es den Finsterlingen gelungen, die Flamme auszupusten und erneut ins Land einzufallen. Außerdem ist Targon noch immer im Reich der Finsternis verschollen. Zeit für einen wahren Helden, um den Bösen nach Strich und Faden die dreckigen Hintern zu versohlen und das eine Artefakt zu finden, das Erlösung verspricht: die »Hand Gottes«.

Legendenbildung
Es erübrigt sich zu sagen, dass natürlich der Spieler die Rolle des Recken übernimmt. Dazu wählt man anfangs aus fünf zur Verfügung stehenden Spezialisierungen zwei aus und generiert so seine Charakterklasse. Neben dem Krieger stehen Schurke, Magier, Priester sowie Jäger bereit. Alle Richtungen können untereinander kombiniert werden.

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Der mexikanische Bohneneintopf löste bestialische Blähungen aus.
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Neben den gängigen Paarungen, wie zum Beispiel Krieger und Priester, die zusammen einen Paladin ergeben, sind besonders die weniger gebräuchlichen empfehlenswert. Als Krieger und Jäger mausert sich der Held zu einem exzellenten Nahkämpfer, der auch sehr gut mit Pfeil und Bogen umgehen kann und zudem vergiftete Waffen einsetzt. Wer es lieber tückisch und schnell mag, der entscheidet sich für Krieger und Schurke und erhält so einen gepanzerten, kräftigen Burschen, der gut schleichen kann und mit zwei Stichwaffen schnellste Angriffe durchführt.

Je nach Kombination ergeben sich unterschiedliche Spezialangriffe. Die verursachen eine Menge Blut und Tränen, gehen aber teilweise zu Lasten der eigenen Haltbarkeit. So kann man als Krieger Sprungangriffe durchführen, bei denen man Gegner aus großer Entfernung direkt anspringt und verhaut. Leider verliert man pro Attacke auch zehn Prozent seiner Lebensenergie. Damit ist der Einsatz des Hüpf-Hauens ziemlich begrenzt, sofern man nicht über einen größeren Vorrat an Heiltränken verfügt. Hat man jedoch genügend, lassen sich auch größere Unhold-Ansammlungen bequem und schnell entsorgen.

Grundsätzlich können alle Fähigkeiten miteinander kombiniert werden, ohne dass sich daraus besondere Vor- oder Nachteile ergeben. Da sowohl die Anzahl der Gegner als auch die Items zufallsgeneriert auftauchen, wird man mit jeder Figur andere Gegenstände finden.

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Irgendwie haben wir das mit der christlichen Nächstenliebe anders verstanden...
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Natürlich können dabei nicht alle Fundstücke von jedem Charakter benutzt werden. Erfreulicherweise ist aber der Großteil der Items für die eigene Figur von Nutzen. Das System der selbst zusammengestellten Charakterklasse erinnert übrigens nicht von ungefähr an »Titan Quest«, von dem es in weiten Teilen inspiriert wurde. Der größte Unterschied besteht darin, dass »Legend« weniger Kombinationsmöglichkeiten bietet und man diese auch bereits zu Beginn festlegen muss.

Dreschflegel
Wer »Legend« zockt, hat nur zwei Aufgaben: Monster verdreschen und Items sammeln. Das gilt auch für die Missionen. Zwar muss man oft jemanden finden oder bestimmte Gegenstände bei einem Questgeber abliefern, doch letztlich zählen auch hier nur der Bodycount und das Abgreifen möglichst vieler Items, bis die Rucksäcke aus allen Nähten platzen. Leider liegt in diesem Prinzip auch ein großer Nachteil.

Denn auf seiner Tour durch das Königreich stößt man zwar auf riesige Gegnermassen, doch die Gesellen verhalten sich in etwa so intelligent wie Zeitungspapier und stürmen heran, sobald sie den Helden bemerken. Auch taktisches Vorgehen ist nur sehr begrenzt möglich. Immerhin gibt es schattige Plätzchen, so dass man sich gelegentlich anschleichen und für heitere Momente der Überraschung sorgen kann.

Meist drischt man jedoch einfach in Monsteransammlungen hinein und entsorgt die Biester nacheinander. Das macht zwar Spaß, dürfte aber bei mancher verwöhnten Zockerseele irgendwann Langeweile hervorrufen. Mehr Abwechslung und ein differenzierteres Gegnerverhalten hätten die Motivationskurve höher gehalten. Hinzu kommt, dass die Monstermassen erneut auftauchen, wenn man einen Ort zum zweiten Mal aufsucht.

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Wir fordern Überbrückungsgeld statt Brückenschlag zwischen Ost und West!
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Das ist besonders ärgerlich, da man aufgrund der Queststruktur öfter gezwungen ist, mehrfach zwischen Orten zu wechseln, die man bereits erkundet hatte. Insofern kann man den zeitraubenden Schlägereien mit niedrigleveligen Monstern nicht aus dem Weg gehen. Weil die Viecher im Gegensatz zur Spielfigur nicht aufleveln, kann man als fortgeschrittener Charakter überdies kaum noch Erfahrungspunkte sammeln. Das Geschehen reduziert sich dann auf ein immer gleiches Beseitigen der Gegnerhorden.

Mausefalle
Wie nicht anders zu erwarten, steuert man seinen Helden komplett per Maus durch die frei dreh- und zoombare Landschaft. Klickt man auf einen Gegner, greift er mit der jeweils ausgewählten Waffe oder einem Zauber an. Praktischerweise können alle drei Maustasten frei konfiguriert werden. So kann man beispielsweise festlegen, ob man per Linksklick beim Angriff lieber zaubert, blockt oder schlägert. Auch die Spezialangriffe werden auf die Maustasten gelegt und können bei Bedarf jederzeit gewechselt werden.

Auf Hotkeys wurde verzichtet. Das ist anfangs zu verschmerzen, weil man nur über wenige Spezialangriffe verfügt. Mit zunehmender Erfahrung werden aber auch die Extrafähigkeiten zahlreicher, so dass die Vergabe von Tastaturkürzeln wünschenswert wäre. Immerhin kommt in anderen Bereichen die Tastatur zum Einsatz. So sammelt der Held zum Beispiel auf Knopfdruck alle in der Nähe herumliegenden Gegenstände auf. Das ist vorteilhaft, da man diese in den teils sehr schummrigen Umgebungen nur schwer sieht.

Lichtgestalt
Eines der nettesten Features des Spiels ist die eingangs schon erwähnte Lichtelfe. Sie ist die ständige Begleiterin des Helden und steht ihm mit launigen Kommentaren zur Seite. Gleichzeitig übernimmt sie die Rolle des Mauszeigers und wird mit dem Nager in jede beliebige Ecke gesteuert. Das ist praktisch, da sie, wie ihr Name schon andeutet, eine mobile Fackel ist. Besonders in dunklen Höhlen sorgt die Süße für das notwendige Umgebungslicht, so dass umher schleichende Gegner und Verstecke besser erkannt werden.

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"Welches von Euch Scheißviechern hat mir auf die Hose gekackt?"
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Wird die Lage bedrohlich oder versagt man im Kampf, hagelt es Kritik von der kleinen Dame. Und wer Cosma Shiva Hagen kennt, der weiß, in welcher Tonlage derlei Unmutsäußerungen vonstatten gehen. Darüber hinaus versorgt die schöne Dame den Helden mit Informationen und gibt gelegentlich kleine Tipps. Das ist zwar eine gute Idee, kann aber das fehlende Tutorial im Spiel nicht ersetzen. Anfängern und Nicht-Diablo-Zockern bleibt deshalb das Studium der Anleitung nicht erspart. Genrekenner hingegen werden sich schnell in der Welt von Aris zurechtfinden.

Tonspur
Absolutes Highlight ist die durchweg gelungene Vertonung. Neben der schon mehrfach genannten Tochter von Nina Hagen als Lichtelfe ist besonders Otto Mellies hervorzuheben, der den Erzähler gibt. Auch der Held dürfte ein allgemeines Aha-Erlebnis auslösen, denn mit Phillip Moog spricht die deutsche Stimme von Ewan McGregor zu uns. Auch die weiteren Sprecher sind nicht gerade Unbekannte ihres Fachs und verleihen dem Spiel Filmflair.

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Kleine Leserumfrage: Wen würden Sie töten, um sich von dieser Frau trockenlegen zu lassen?
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Grafisch braucht sich »Legend« ebenfalls nicht zu verstecken, auch wenn für die höchsten Grafikgenüsse dicke Hardware vonnöten ist. Wer nicht gerade einen neuen PC sein eigen nennt, sollte die Bildschirmauflösung und -details herunterfahren, um flüssig Zocken zu können. Besitzer modernster Grafikmonster hingegen erfreuen sich an netten Licht- und Schatteneffekten sowie einer schön animierten Landschaft. Die können zwar über die genannten Schwächen des Programms nicht hinwegtäuschen, sorgen aber für eine insgesamt stimmige Atmosphäre.