Es dauerte nur Sekunden, bis uns der Virus infiziert und in sabbernde Zombies verwandelt hatte, die nicht mehr von Left 4 Dead 2 lassen konnten. Der extrem spaßige Mehrspieler-Shooter begeisterte vor nicht einmal einem Jahr mit seiner rasanten Koop-Action und blutigem Zombie-Grusel.

Als die „Half-Life“-Macher Valve auf der E3 kürzlich den Nachfolger ankündigten, war die Empörung in der Community allerdings groß: kein Addon, keine neuen Maps oder Waffen als Download-Content für den ersten Teil, stattdessen eine 2 hinter dem Spielenamen zum Vollpreis. Abzocke-Alarm? Um das heraus zu finden, sind wir nach London gereist und haben eine aktuelle Version von Left 4 Dead 2 angespielt.

Left 4 Dead 2 - GLaDOS und die Zombies: Portal-2-Easteregg12 weitere Videos

Eine Frage dominierte sämtliche Gespräche über Left 4 Dead unter den versammelten Journalisten während unseres Besuchs in der britischen Hauptstadt: Rechtfertigen die Neuerung von Teil 2 tatsächlich einen vollpreisigen Nachfolger? „Ja“, kommt, darauf angesprochen, die Antwort wie aus der Schrotflinte geschossen aus den Mündern der Entwickler. Fünf neue Kampagnen, drei neue Boss-Gegner, ein paar neue Waffen und viele kleine Verbesserungen seien weit mehr, als man von einem Addon oder gar Download-Erweiterungen erwarten könne.

Left 4 Dead 2 - Dreiste Abzocke oder Spaß-Apokalypse?

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Die Infizierten zeigen sich in L4D2 auch bei Tag.
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Um zwei Buchstaben zu einem „Naja“ ergänzt halten wir dagegen – insbesondere angesichts umfangreicher Zusatzpakete wie GTA 4: The Lost and Damned oder den Fallout-Addons aus jüngerer Zeit wirkt das Argument wenig stichhaltig. Dreiste Abzocke? Trotzdem ein Riesenspaß? „Oh ja“, die eindeutige Antwort – auf beide Fragen.

Left 4 Dead 2 setzt euch erneut zusammen mit drei Schicksalsgenossen in einer apokalyptischen, von geifernden Zombies heimgesuchten Welt aus, aus der euch nur ein beschwerlicher, von Untotenblut getränkter Weg bis zum rettenden Helikopter erlösen kann. Am Spielprinzip hat sich in Teil 2 Null und Nichts geändert: Im Team gegen die Infiziertenbrut kämpft ihr euch von Abschnitt zu Abschnitt, bibbert vor dem fernen Heulen der Witch, trieft unter der Schleimlast eines explodierten Boomers und vernehmt unter heranstürmenden Zombiehorden das verzweifelte „Reloading!“ eurer Kumpane. Die ersten Minuten mit L4D2 ballern die Deja Vus im Tempo eines Maschinengewehrs durchs Hirn.

Packshot zu Left 4 Dead 2Left 4 Dead 2Erschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Deja Voodoo

„Eine dreiste Frechheit“, ist unser erster Gedanke beim Blick auf Left 4 Dead 2. Dieselbe, mittlerweile nicht mehr taufrische, Engine, die gleiche Spielmechanik, stellenweise gar dieselben Texturen und Soundeffekte. Warum man ein Map-Pack mit einer 2 hinter dem Spielenamen verkaufen möchte, erscheint unerklärlich.

Abgezockt und Spaß dabei! L4D2 ist wie seine lebenden Toten ein Gegensatz in sich, der dennoch funktioniert.Ausblick lesen

Auch die von den Entwicklern gepriesenen „vielen kleinen Neuerungen“ sind allenfalls im Sucher der Sniper-Rifle als Punkte am Horizont auszumachen: Statt Zoey, Louis, Francis und Bill verhelft ihr dieses Mal den Überlebenden Rochelle, Ellis, Nick und Coach zur Rettung – spielerische Auswirkungen hat dies gleichwohl nicht. Auch die Waffen haben nun zwar andere Namen und ein anderes Aussehen als im Vorgänger, Unterschiede werden aber nur echten L4D-Profis auffallen. Und anstatt ausschließlich im Schutzmantel der finsteren Nacht vor den infizierten Ex-Mitmenschen zu flüchten, suchen euch die sabbernden Plagegeister nun auch bei hellichtem Tage heim. Hui!

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Echter Horror: Zwei Zombies sorgten auf dem Londoner Event für Grusel-Atmosphäre.
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Denn Schauplatz von Left 4 Dead 2 ist neuerdings der sonnige Süden der USA. Auf der ersten spielbaren Map kämpfen wir uns durch die Karnevals- und Voodoo-Hochburg New Orleans, bis am Ende einer riesigen Brücke die Rettung auf uns wartet. Hier scheint der Infizierten-Virus mitten in der Rush Hour zugeschlagen zu haben: Ein kilometerlanger Stau verlassener Autowracks zieht sich über den schmalen Pfad, der dadurch zahlreiche Deckungsmöglichkeiten und ob seiner Enge nur die Flucht nach vorne kennt – mitten hinein in die unablässig anstürmenden Lebendtoten.

Jene sind, trotz teilweise neuer Texturen, weitestgehend identisch mit dem Ensemble des Vorgängers: Zu Smoker, Boomer & Co. gesellen sich drei neue Boss-Zombies, von denen wir bisher lediglich den so genannten Charger zu Gesicht bekamen: Ähnlich dem Tank stürmt der Koloss wie von der Tollwut gebissen auf eure Gruppe, schleudert eure Kameraden wie aufgescheuchte Mücken durch die Luft, bis er euch am Schlafittchen hat und euren Kopf solange wie ein Basketballspieler gegen den Boden dribbelt, bis euer Lebenslicht entweder erloschen ist oder eure Kameraden erfolgreich zum finalen Rettungsschuss angesetzt haben.

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Lasst ihr die Infizierten auf solche Nähe heran, helfen die neuen Nahkampfwaffen.
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Oder zum Rettungsschlag. Denn geht euch die Munition aus, gibt euch Left 4 Dead 2 eine Reihe von Nahkampfwaffen im wahrsten Wortsinne „an die Hand“. Axt, Baseballschläger, ja, eine Bratpfanne gar helfen dabei, euch die Biester bis zum nächsten Munitionsdepot vom Leib zu halten. Sonderlich effektiv sind diese jedoch nicht – zumal sie nicht gleichzeitig mit einer Schusswaffe getragen werden können. „Notlösung“ trifft ihren Nutzen wohl am besten –abgesehen von der im Genre legendären Kettensäge, die im Trailer, leider jedoch nicht in der von uns gespielten Version, zu sehen war.

Teil 1 bald (un)tot?

Viele Neuerungen offenbaren sich dann erst beim zweiten Hingucken: So etwa der AI Director, der das Gegneraufkommen dynamisch eurem aktuellen Skill anpasst. Selbst alternative Routen im Leveldesign öffnet bzw. schließt er abhängig von eurem Können. Offensichtliche Anfänger bekommen beispielsweise das Tor zu einer Abkürzung aufgezeigt, während KI-geprüfte Zombieschlächter durch einen extra harten Parcours gelotst werden.

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Atmos 4 ahead 2: Kampfjets donnern über euren Köpfen hinweg.
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Den fehlenden Gruselkick, den die gleißende Südstaatensonne zusammen mit der unheilvollen Nacht weggesengt hat, versucht Valve durch Brachialität auszugleichen: Während wir uns am Boden mit den Zombies einen Kampf bis aufs Blut liefern, donnern Kampfjets im Tiefflug durch die Luft über uns und deuten so einen Konflikt apokalyptischen Ausmaßes auch über die Levelgrenzen hinaus an. Die klaustrophobische Enge des Vorgängers weicht so bisweilen einer eher epischen Weite. Die Inszenierungswucht eines Call of Duty erreicht das jedoch zu keiner Zeit.

Bleibt die Frage, die vor allem Fans von Left 4 Dead 1 bewegen dürfte: Wird der Support des ersten Teils mit Erscheinen des Nachfolgers fortgeführt? Wird es neue Maps oder anderweitige Inhalte geben? Laut Aussage von Valve: definitiv. Ob die Community jedoch zwei nahezu identische Spiele auf lange Sicht verkraftet, bleibt zumindest fragwürdig.