




Wir sind im Boot aus dem Sumpf geflohen, mit einem Sportwagen aus dem Einkaufszentrum, mit dem Helikopter von einer Tribüne. Wir haben der Apokalypse alleine, zu zweit, im Trio und als eingeschworene Viererbande getrotzt. Durch die Voice-Chat-Leitungen jagten viele arg schlimme Worte, „Hiiiiilfe“, „Fuuuck“ und „Scheiße“ noch solche der harmlosen Sorte. Ach ja, das beiläufig geflüsterte Dankeschön nicht zu vergessen, wenn uns ein Kollege den psychotisch kichernden Jockey von der Rübe ballerte. Wir sind voller Freude ins Ziel gerannt, zuweilen auch gehumpelt oder gekrochen. Haben unser letztes Medkit für Kollegen geopfert und den Schutzraum kurz vor knapp noch mal verlassen, wenn es einen vor den erlösenden Türen erwischt hat. Kurzum: Left 4 Dead 2 ist Koop-Spiel, wie es leibt und lebt. Eines, das Emotionen in uns wachruft und ein Team aus vier Freunden zusammenschweißt, die nur als zielgerichtet agierende Einheit überleben können.
Wenn Rochelle das Hirn eines Hunters an der Zimmerdecke verteilt, dann will man ihr auf die Schulter klopfen, ihr sagen: „Yeah, Baby. Genau SO wird das gemacht.“ Dann stellt man nicht mehr die Add-on-Frage, sondern steckt schon bis zu den Knöcheln in Zombie-Innereien, watet durch das Blut von Leichenbergen und genießt – auch ohne State-of-the-Art-Grafik, ohne Ranglisten, Abzeichen, Perks und restliches Drumherum. Zwar auch mit vielen Pop-ups sowie Rucklern auf der Xbox 360, herben KI-Aussetzern im Solo-Modus, hässlichen Clipping-Fehlern und manch unscharfer Textur. Aber in erster Linie mit vier Freunden und vier Modi – richtig unterhaltsamen obendrein. Mit fünf abendfüllenden und räumlich offener gehaltenen Kampagnen, die freundliche Facetten nach außen kehren, wenn man im Morgengrauen durch Parks pirscht. Oder den Launen der Natur, wenn mitten im Weizenfeld plötzlich eine Sintflut aufzieht und jeden Schritt nach vorne zum Fischen in trüben Gewässern macht.
Mit dem launigen Scavenge-Modus, einem Quickie für alle dem Reiz der Infizierten Verfallenen. Mit dem beinharten Realism-Modus, der all denen gefallen dürfte, die gern auf glühenden Kohlen schlafen. Und nicht zuletzt mit der Bratpfanne in der Hand, die so ein schön sattes „Klooong“-Geräusch erzeugt, sobald man sie voller Schmackes in faulige Zombiefratzen scheppern lässt. Der Nahkampf mit Gitarre, Paddel, Katana und Co. ist endlich reizvoll, es gibt mehr Munitionsvorräte, mehr Waffen, mehr Items wie Boomer-Kotze oder den Defibrillator zum Wiederbeleben gefallener Kameraden. Und ein großartig animiertes Untoten-Ensemble, das deppenhaft in den Tod torkelt, brennend von Hochhäusern stürzt oder im Dutzend von der Rohrbombe gefressen wird.
Glückwunsch an Valve: Mit der Beschränkung aufs Wesentliche schafft ihr es jedes Mal, atmosphärische wie adrenalinhaltige Spielerlebnisse zu inszenieren. Obwohl ich mir diesmal ein paar mehr filmische Elemente gewünscht hätte, obwohl sämtliche Kampagnen wieder recht stimmungslos eingeleitet und beendet werden, macht auch der zweite Teil der Untoteninvasion vor allem eins: Spaß!
Das trifft zwar auch auf die deutsche Fassung zu, aber seid euch bewusst, dass ihr herbe Schnitte hinnehmen müsst - und die beziehen sich nicht auf das fein säuberliche Abtrennen verrottender Gliedmaßen. Zwar ist das Blut ebenfalls rot, aber wesentlich sparsamer eingesetzt und in der Distanz kaum wahrnehmbar. Leichen lösen sich noch während des Falls in Luft auf und ihr müsst auf fliegende Gliedmaßen verzichten – sogar wenn ihr mit der Kettensäge hantiert... Wenn euch euer bester Kumpel beim nächsten Mal über Xbox Live mitteilt: „Boah, war das fett, wie du den Kopf eben weggefetzt hast, und das ganze Bluuuuut erst“, ihr davon aber nichts mitbekommen habt, ist es höchste Zeit, zum Importhändler zu gehen.
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Die Source-Engine malt stimmungsvolle Bilder – nicht mehr, nicht weniger. Das Auge stolpert immer wieder über ihre Ecken und Kanten, über Pop-ups, Clipping-Fehler und schwächelnde Texturen – vor allem auf Xbox 360. Aber auch die Zombies stolpern herrlich animiert durchs Bild. Die Kampagnen sind unterm Strich wesentlich abwechslungsreicher als im ersten Teil, da man bei strahlendem Sonnenschein, in der Dämmerung oder mitten in der Nacht unterwegs ist.
Dichte Soundkulisse mit markanten Stücken, die unter die Haut gehen, wenn ein Klasvier bedrohlich klimpert. Vor allem das bestens bekannte Witch-Theme ist wieder angenehm intensiv. Dazu gibt’s kräftige deutsche Sprecher, dumpfes Zombie-Grunzen und schöne Waffeneffekte.
Am Grundgerüst hat Valve nur behutsam geschraubt. Nach wie vor geht es um das kooperative Überstehen der Kampagnen; hinzu kommen der Versus-, der Scavenge-, der Survival-Modus, ein schöner Fundus an Nahkampfwaffen, neue Items und neue Boss-Zombies – immer noch ein riesiger Spaß!
Bis zu vier Freunde ziehen los, um sich durch die fünf Kampagnen zu schlagen; hinzu kommen Versus-Modus für bis zu acht Spieler, Scavenge-Modus und der Survival-Modus. Egal, welchen ihr bevorzugt - Spaß macht Left 4 Dead 2 am meisten mit menschlichen Spielern.
von Electronic Arts, Turtle Rock StudiosGenre: Action, Ego ShooterPC, PS3, XBox 360: 19.11.2009Offizielle WebseiteFreigegeben ab 18 Jahren
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