Wenn aus den Kopfhörern wildes Gestöhne ertönt und im Teamspeak Rufe nach „Gehiiiirnnnen!“ laut werden, habt ihr entweder einen ziemlich abartigen Porno auf der Festplatte oder (und das dürfte in Zukunft wahrscheinlich eher der Fall sein) spielt eine gemütliche Runde „Left 4 Dead“. Geht es nach Valve, den Schöpfern der Half-Life-Reihe, löst ihr neuer Multiplayer-Titel demnächst Platzhirsch Counterstrike ab.

Große Worte. Doch was steckt dahinter? Auf einem Event in München durften wir nun erstmals selber ran. Unter den strengen Adleraugen von Valve-Producer Doug Lombardi haben wir uns mehrere Stunden durch wilde Zombiehorden gekämpft und (ebenfalls eine Premiere) sogar die Fraktion der Untoten angezockt.

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Auf der Lauer

Leise pirschen wir durch dichtes Astwerk. Im fahlen Schein des Mondlichts erkennen wir nur schwerlich die Bäume um uns herum. Fast könnte man das kleine Waldstück als idyllisch bezeichnen – wäre da nicht dieses unablässige Stöhnen in der Ferne. Wenige Meter neben uns umklammert Joseph, ein Schwarzer mittleren Alters, seine Schrottflinte mit zitterndem Griff. Unsere Atmung kommt beinahe zum Erliegen, nur das Schlagen unseres Herzens tönt im Ohr.

Left 4 Dead - Vier gegen den Test der Welt: Wir durften Valves Multiplayer-Hoffnung endlich anspielen.

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Keine Ruhe: Die Zombiehorden lassen euch kaum Verschnaufpausen.
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Plötzlich zerreißt ein grausiges Fauchen die Stille. Panisch blicken wir uns um. Ein halb verwester Zombie hat sich tief in Josephs Kehle verbissen, reißt tiefe Wunden mit seinen Klauen. Mit unserem Schnellfeuergewehr versuchen wir die blutüberströmte Monstrosität zu erledigen, doch für Joseph kommt jede Hilfe zu spät. Mit Schrecken müssen wir den Tod unseres Freundes mit ansehen - und in der Ferne nahen schon weitere Ungetüme.

Wer an dieser Stelle bereits vorschnell „Kenn ich, ist aus ‚Dawn of the Dead’“ rufen möchte, sollte seine Freude lieber drosseln. Denn obwohl derlei kinoreif und dramatisch inszenierte Spannungsmomente meist auf der Leinwand hart gesottene Nerven auf eine schwere Zerreißprobe stellen würden, handelt es sich hier nicht um einen Film, sondern um das neueste Projekt der Spieleschmiede Valve - „Left 4 Dead“.

Packshot zu Left 4 DeadLeft 4 DeadErschienen für PC und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Vier gegen den Rest der Welt

In Punkto Szenario betritt Left 4 Dead nämlich spielerisches Neuland: Statt die typische „Soldaten schießen auf andere Soldaten“-Nummer herunterzuspulen, entwickelt Valve den ersten Multiplayer-Shooter, der Zombies und Überlebende gegeneinander antreten lässt. Interessant dabei ist vor allem, dass hier nicht einfach zwei Fraktionen aufeinander losgelassen werden, sondern je nach Seite auch das Gameplay grundlegend anders funktioniert.

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Wer nicht im Team agiert, kommt nicht weit.
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Entscheidet ihr euch für die Menschen, erinnert das Spielgefühl an die typischen Online-Shooter wie „Counterstrike“: Ihr schlüpft in die Rolle eines von vier Protagonisten wie etwa in die der pre-pubertären Göre im Teenie-Schlabberlook, des betagten Vietnam-Veterans, eines abgehalfterten Rockers oder des afroamerikanischen Mittelständlers. Sie alle wollen nur eines: Überleben – zur Not mit Waffengewalt.

Ganz anders die Zombies: Schießprügel sind für diese maroden Gesellen kein Thema, geht es um frisches Fleisch oder zartes Gehirn, kennen die flinken Fresssäcke allerdings kein Halten mehr. Der Clou: Waffen, Munition oder Medikits benötigt man als Zombie nicht. Stattdessen pirscht ihr euch in Sam Fischer-Manier an eure künftigen Opfer heran und nutzt fiese Spezialattacken – dazu später mehr.

Friss oder stirb

Szenenwechsel: Wir verlassen das lauschige Waldstück und begeben uns in eine kleine amerikanische Vorstadt. Die Straßen sind menschenleer, brennende Autowracks versperren den Weg, Blut an den Wänden zeugt von einem grausigen Massaker. Zusammen mit unseren drei Gefährten tasten wir uns durch die engen Häuserschluchten und verwaiste Büroanlagen. Schon nach wenigen Metern zeigt sich: Verlassen ist diese Stadt nicht.

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Kein Entkommen: In engen Gängen sind wir den anstürmenden Massen hilflos ausgeliefert.
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Hunderte faulender Untoter rasen geifernd und beißend auf uns zu. Besonders auffällig sind die genialen Monster-Animationen: Wenn die Zombiehorden rasend vor Hunger gegen Zäune preschen oder durch Holztüren kratzen, wirkt das wie eine Szene aus 28 Days Later – also täuschend echt. Nur mit Mühe halten wir unsere Position, denn blindes drauflos ballern funktioniert nicht – die Munition unserer Waffen ist stark begrenzt, zumal wir nur jeweils zwei Schießprügel mit uns führen dürfen.

Multiplayer-Ballerei mit (oder ohne) Hirn: Left 4 Dead wird ein herrlich frisches Katz und Maus-Spiel mit Suchtpotential.Ausblick lesen

Schnell zeigt sich: Nur wenn wir im Team arbeiten und dicht beieinander bleiben, haben wir eine Chance gegen die Übermacht. Immer wieder greifen Zombies in engen Gassen aus verschiedenen Richtungen an, springen von Häuserdächern, kriechen aus Lüftungsschächten. Wenn wir da nicht den Rücken unserer Kameraden decken oder unachtsam drauflos stürmen, ist die Menschheit flugs um vier Hoffnungsträger ärmer.

Die tote Seite der Macht

Auf Zombieseite übernimmt man die Steuerung dieser „normalen“ Infizierten übrigens nicht: Die Left 4 Dead-KI entscheidet je nach Position und Befindlichkeit der Überlebendengruppe, wann, wo und wie viele Untote auf der Levelbildfläche erscheinen. Als Spieler erhält man stattdessen die Kontrolle über vier ganz besonders starke Bossmonster – den mächtigen Tank, den fetten Boomer, den hinterhältigen Hunter oder den Smoker.

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Im Spiel geht es recht blutig zu, eine ungeschnittene deutsche Version ist daher fraglich.
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Doch der Reihe nach: Während die menschlichen Protagonisten sich in den Levels langsam voranarbeiten, heißt es für Zombiespieler erstmal – warten. Übertreten die Überbelebenden dann eine (für sie unsichtbare) grüne Linie, spawnt „Left 4 Dead“ eines der Bossmonster – und hier kommt ihr ins Spiel. Wirklich ausgereift ist dieses System jedoch noch nicht: Oftmals drehen die Überlebenden kurz vor den Spawn-Lines um oder lassen sich zu viel Zeit – für den Zombiespieler bedeutet dies mehrminütige Wartezeiten.

Ist diese abgelaufen, kann man es dafür aber nach belieben Krachen lassen: Der Tank heißt z.B. nicht ohne Grund wie ein Militärpanzer – wo dieses Ungetüm hinhaut, bleibt kein DNA-Baustein auf dem anderen. Smoker und Hunter gehören beide zur Kategorie „Hinterhältig und böse“: Während ersterer seine Gegner mit einer monströsen Zunge zu sich zieht, greift letzterer die Überlebenden bevorzugt aus dem Hinterhalt per Sprungattacke an.

Der letzte im Bunde der spielbaren Bosse ist der Boomer. Dieser eklige Fettwanst bespukt die Menschen mit Blut – ein prima Lockstoff um zahlreiche Zombies anzuziehen. Allerdings ist der Gute bis zum Rand gefüllt mit Metangas – eine einzige Kugel reißt den Boomer in tausend Stücke. Völlig unbekannt ist bisher der fünfte Boss. Valve hält sich mit Informationen zur „Witch“ bedeckt, diese soll laut ersten Berichten jedoch komplett von der KI gesteuert werden.

Das Ende vom Lied

Zurück zu unserer Menschentruppe: Mit letzter Kraft schleppen wir uns in einen Safespot. Diese zombiesichere Zone dient für beide Seiten als kurze Verschnaufpause. Die Überlebenden können nur hier aufmunitionieren, Waffen tauschen oder eines der seltenen und damit extrem begehrten Medikits einsacken. Die Zombiespieler können diese Zeit hingegen nutzen, um sich neue, fiese Taktiken zu überlegen oder einen Großangriff planen.

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Dank Source-Engine sehen die Charaktere beinahe lebensecht aus.
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So macht sich übrigens auch schnell bemerkbar: Left 4 Dead verzichtet auf das übliche Karten-Konzept wie man es aus Battlefield, Team Fortress und Co. kennt. Stattdessen funktionieren die Levels ähnlich einer Kampagne mit wenigen kurzen Ladepausen in den Safespots. Bis zum finalen Showdown kann dann schon mal eine gute dreiviertel Stunde vergehen.

Umso spektakulärer fällt dann auch das jeweilige Levelende aus: Schafft ihr es bis zum letzten Safespot startet ein Event, der sich am ehesten mit einer Schlüsselszene aus „Starship Troopers“ vergleichen lässt. Mehrere Minuten lang müsst ihr dann die schier endlos scheinenden Zombiemassen davon abhalten, eure Stellung zu überrennen und auf die Ankunft des Rettungs-Helikopters warten – Nervenkitzel pur.