Können Spiele wirklich als Ausbildungslager fürs Leben herhalten? Manchmal wünscht man sich das vielleicht sogar. Habt ihr nicht auch schon mal darüber nachgedacht, wie es wäre, morgens aufzuwachen und eine Welt vorzufinden, die von Zombies beherrscht wird? Wie würde man sich verhalten? Vor Angst irre werden und in irgendeiner Ecke kauern, bis die Scheusale euch finden? Oder setzt man dann all die Übungsstunden in angeblich sinnlosen Shootern in die Tat um und legt kaltblütig (oder voller Panik?) auf die Meute anstürmender Untoter an?

Left 4 Dead nimmt euch zumindest eine dieser Antworten ab, denn hier findet ihr euch tatsächlich in einer Umgebung wieder, in der es vor blutgierigen Zombies nur so wimmelt. gamona hat sich für euch unter die Wiedergänger begeben und den Kampf ums Überleben aufgenommen.

Nicht verpassen: Nach dem Artikel das gamona Video-Review zu Left 4 Dead anschauen!

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Zombies im 21. Jahrhundert

"Ich muss nachladen!", "Vorsicht, ein Boomer!" oder auch "Hier ist Munition!" - Sprüche wie diese werdet ihr in Valves neuestem Werk regelmäßig zu hören bekommen. Diese stammen dann von einer der vier Hauptfiguren, die gemeinsam durch ein fürchterliches Endzeit-Szenario marschiert und die Rettung vor den Horden der Zombies sucht. Das sind Louis, Francis, Bill und Zoey, Überlebende einer Apokalypse, bei der eine Infektion die meisten Menschen in willenlose Zombies verwandelt hat und der Rest darum kämpft, nicht gefressen zu werden.

Left 4 Dead - Nacht der rennenden Toten

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"Look out!" Left 4 Dead ist ein spielgewordener Zombiefilm.
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Diese grässlichen Monstren sind jedoch nicht mit den frühen, umherschwankenden Gestalten zu vergleichen, wie man sie beispielsweise in George A. Romeros Klassiker "Dawn of the Dead" (1978) zu sehen bekommt. Sie gleichen vielmehr den ekligen Ungetümen aus "28 Days Later" (2002, Danny Boyle): Sie sind schnell, können klettern und jagen euch unerbittlich.

Wie es zu dieser Katastrophe kam und wie die kleine Schar Überlebender zusammengefunden hat, bleibt indes leider über die gesamte Spieldauer von sieben bis acht Stunden weitestgehend unerzählt und zollt damit dem auf actionlastige Multiplayer-Sessions ausgelegten Spielprinzip Tribut. Es geht schlicht und einfach um eines: Überleben, egal wie.

Packshot zu Left 4 DeadLeft 4 DeadErschienen für PC und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Einzelspieler-Modus nur Dreingabe

Die obige Zeitangabe bezieht sich allerdings rein auf die eher untergeordnete Singleplayer-Kampagne. Left 4 Dead ist nämlich vollkommen auf die Koop-Missionen ausgerichtet. Alles andere dient eher dem Warmspielen, dem Zurechtfinden auf den Maps und dem Erlernen der Gameplay-Mechaniken. Gleich zu Spielbeginn stehen euch alle vier Kampagnen mit den jeweils fünf Kapiteln zur Auswahl und können in beliebiger Reihenfolge absolviert werden.

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Kernstück des Spiels ist der Koop-Modus.
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Falls ihr alleine zocken wollt, werden die drei übrigen Figuren von der KI übernommen. Die Bots agieren recht clever und machen ihre Sache bei der Bekämpfung der bösen Brut prinzipiell solide, wenn auch nicht übermäßig eigenständig und sind auch beim Einsatz von Rohrbomben oder Molotow-Cocktails mehr als zurückhaltend. Dafür sind die treuen Begleiter die perfekten Helfer in der Not, denn das Spiel ermöglicht es, sich gegenseitig zu heilen und gegen die besonders fiesen Zombies Beistand zu leisten.

Dabei handelt es sich um Untote mit speziellen Fähigkeiten: Der Boomer kotzt Gallenflüssigkeit, die nicht nur eure Sicht einschränkt, sondern auch neue Zombiehorden anlockt, der Hunter ist ein beweglicher Angreifer, der mit großen Sprüngen über seine Opfer herfällt, und der Smoker hat eine ellenlange Lassozunge, mit der er die Überlebenden aus Hinterhalten anfällt und sie erwürgt.

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Die Zombies sind so schnell wie in 28 Days Later.
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Als wären diese Drei nicht schon genug des Übels, gibt es noch zwei besonders gefährliche Exemplare: den Tank, der euch mit harten Hieben zu Leibe rückt und jede Menge aushält, sowie die Witch. Dieses vor sich hinwimmernde aber eminent gefährliche Exemplar kann man zwar meist auch umgehen, sollte ein Spieler jeoch ihre Aufmerksamkeit erregen, kommt es vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden fast schon einem Todesurteil gleich. Im Versus-Modus (siehe unten) sind übrigens bis auf die Witch alle besonderen Zombie-Typen spielbar.

Schematischer Ablauf, oder?

Im Prinzip ist das Geschehen in Left 4 Dead sehr schematisch aufgebaut: Ihr rennt durch die verwüstete Kulisse von Großstädten, durchkämmt zerstörte Krankenhäuser, dunkle U-Bahn-Schächte, Bauernhöfe oder streift durch Wälder - immer auf der Suche nach dem nächsten Schutzraum, der auch gleichzeitig als Checkpoint dient. Dort rüstet ihr euch mit neuer Munition aus, sammelt Bomben und natürlich Waffen.

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In die Ecke gedrängt: Teamplay ist das A und O.
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All das ist im Spiel selbst recht rar gesät, wer die häufig etwas versteckt liegenden Munitionsdepots nicht findet, wird schnell nur noch mit einer oder zwei Pistolen, die über unendlich Munition verfügen, auf die Untoten ballern, anstatt mit Sturmgewehr, Schrotflinte oder Snipergewehr auf die Jagd zu gehen. Ihr dürft allerdings leider immer nur eine der besseren Wummen sowie ein Explosivmittel mit euch führen, die Auswahl an unterschiedlichen Schießprügeln ist mit einem halben Dutzend ohnehin insgesamt doch ziemlich mickrig ausgefallen und spiegelt damit auch das spartanische Gamedesign wider, bei dem man sich auf das Wesentliche konzentriert: Ballern und Überleben.

Sie kommen! Multiplayer-Fans dürfen sich das Zombie-Gemetzel nicht entgehen lassen!Fazit lesen

Doch das hört sich negativer an als gedacht. Valve erschafft nämlich mit einfachen Mitteln eine Grusel-Atmosphäre, die häufig durch Mark und Bein geht. Wie man weiß, erzeugen gute Horror-Filme ihre Wirkung vor allem mit einer beängstigenden Geräuschkulisse, und das ist auch bei Left 4 Dead nicht anders. Ständig fühlt ihr euch umzingelt von Monstern - hier ein Kratzen, dort ein Röcheln, die Witch gibt ein markerschütterndes Heulen von sich, der Boomer blubbert und furzt, Hunter kreischen. Das Sounddesign ist dem Horror-Ambiente perfekt angepasst.

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Wahnsinn! Die Grusel-Atmosphäre von Left 4 Dead ist grandios.
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Dazu gesellen sich Dunkelheit, blinkende (Irr-)Lichter und natürlich der fade Schein eurer Taschenlampen und manifestieren so eine apokalyptische Welt vor unseren Augen und vor allem im aufgeschreckten Hirn. Diese ist zwar optisch aufgrund der schon betagten Source-Engine nicht mehr vollkommen auf der Höhe der Zeit. Doch was hier als Gesamtwerk daraus gemacht wird, mit glaubhaften Charakteren, flüssigen Animationen und einem sehr guten Art-Design, erschafft häufig unglaublich packende, spannungsgeladene Situationen.

Sie kommen!

So müsst ihr gelegentlich gewisse Aktionen auslösen, um voranzukommen. Beispielsweise Kräne aktivieren oder Fahrstühle herbei rufen. In der Zwischenzeit schaut ihr in die Dunkelheit, hört ein sich näherndes Kreischen und Trampeln, blickt mit einem Auge nochmals prüfend auf die Munitionsanzeige, ladet gegebenenfalls durch und seht die Anzeige.

"Sie kommen!" - bevor die Zombies dann den Platz vor euch stürmen oder in einer irren Geschwindigkeit einen engen Gang entlang hetzen und möglicherweise auch direkt durch die Wand brechen, hinter der ihr euch gerade noch verschanzt habt... Am Ende einer jeden Kampagne müsst ihr zudem eine Stellung solange gegen die gefräßige Meute verteidigen, bis ihr endlich evakuiert werdet. Stress lass nach!

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Geschundene Seelen - die ständige Flucht hat ihre Spuren auf den Gesichtern eurer Kameraden hinterlassen.
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Damit der Verlauf der Kampagnen trotz des schematischen Gameplays auch nach dem x-ten Durchspielen nicht vorhersehbar oder gar langweilig wird, haben sich die Valve-Leute einige Kniffe einfallen lassen. Zum einen ist das Auftauchen der Zombies nicht berechenbar, weil das Spiel nicht nur die normalen Untoten zufällig im Spiel verteilt, sondern auch die speziellen Zombies und "Bossgegner" wie Witch und Tank meist an verschiedenen Orten platziert. Zudem werden die vielen geskripteten Attacken dem Verhalten der Spieler angepasst und sind daher ebenfalls nicht im Voraus zu erahnen.

Wenn dann das Getrampel des Tanks die Erde erzittern lässt oder das Kreischen von mehreren Horden wild gewordener Zombies ertönt, wird es brenzlig und hektisch, wo sonst eher der Pirschgang angesagt ist. Ein verlässliches Team menschlicher Mitspieler ist in diesem Schreckensszenario daher Gold wert, denn wildes Geballer oder Vorpreschen in Einzelgängermanier bringt kaum einen Nutzen. Zum einen ist das etwas schwammige Aiming nicht unbedingt für zielgerichtete Attacken inmitten von anstürmenden Zombiehorden geeignet, zum anderen macht es sich bezahlter, die Infizierten mit einer taktischen Marschroute zu bekämpfen.

Neben der Möglichkeit, die vier Kampagnen (jeweils ca. 1,5 - 2 Stunden Spielzeit) mit drei weiteren Spielern zu zocken, machen sich auf Wunsch acht Spieler im Versus-Mode das Leben schwer. Dieser spezielle 4vs4-Modus läuft für die Spieler in der Rolle der Überlebenden zunächst identisch wie gewöhnliche Kampagnenrunden ab. Den Platz der besonderen Zombies Smoker, Hunter und Boomer nehmen jedoch die anderen vier Gamer ein, die ihre Spawnpunkte fast vollkommen frei wählen können, um ihren Widersachern mit Überraschungsangriffen zu Leibe zu rücken.

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Im Multiplayer-Modus könnt ihr auch die Zombies spielen.
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So wählen sie nicht nur den Ort, auch die Zeit ihrer Attacken und haben dazu unbegrenzte Leben zur Verfügung. Letztendlich geht es schlicht darum, die menschlichen Spieler auszulöschen, bevor diese einen Schutzraum erreichen. Das hört sich natürlich einfacher an, als es in Wirklichkeit ist. Schließlich verfügen die Überlebenden über schlagkräftige Argumente in Form von Schießprügeln, dagegen darf aufseiten der Infizierten der mächtige Tank nur selten (Zufallsgenerator) eingesetzt werden.