Die wirkliche Stärke des Spiels liegt in dem, was Gamer unter dem Begriff “Pacing” kennen, der Spielfluss und die Komposition des Titels. Dass alle Elemente des Spiels toll funktionieren wäre nur halb so viel wert, wenn es nicht geradezu meisterhaft verstünde, sie in einem für den Spieler angenehmen Rhythmus miteinander zu verbinden. Immer, wenn man sich denkt “Jetzt könnte ich mal wieder ein bisschen kämpfen...” oder “Jetzt wäre mal wieder ein optionales Rätsel schön” - Schwupps! - schon liefert LCATGOL und hält so unwahrscheinlich bei Laune. Verbunden mit der Motivation durch das Itemgesammle kommt hier ein Spielfluss auf, der den Spieler nicht loslässt und dazu treibt, den Titel in einem Rutsch durchspielen zu wollen.
Für 15 Euro ein klarer Kauftipp!Ein solcher “Rutsch” dauert in etwa fünf Stunden, je nach Gründlichkeit. Unser übliches Meckerargument “Das ist zu wenig Spielzeit!” müssen wir diesmal allerdings vor der Tür lassen: Nicht nur, weil die Unlockables ein mehrfaches Durchspielen attraktiv machen, sondern auch, weil der Coop-Modus eine so andersartige Erfahrung liefert. Wir zumindest haben uns direkt nach den Credits an unseren zweiten Spieldurchgang gesetzt, ein gutes Zeichen. Es mag auch daran liegen, dass das Spiel tatsächlich “Momente” generiert, denkwürdige Augenblicke, durchaus keine Selbstverständlichkeit bei solch kleinen Titeln.
Auch in anderen Bereichen können sich viele Downloadspiele ein Scheibchen von LCATGOL abschneiden: Wenngleich aus der isometrischen Perspektive dargestellt, sehen die erstaunlich abwechslungsreichen Dschungel und Tempel fantastisch aus, von Lara und Totec mal ganz zu schweigen. Dumpfe Dschungelrhythmen werden in den Actionszenen zu aufgeregtem Orchesterpomp hochgepeitscht und untermalen die Kämpfe gut.
Leider machen unsere Protagonisten viel zu selten den Mund auf, ein Jammer, denn die Synchro kann sich sehen lassen und wenn Lara im Angesicht einer Todesfalle ein genervt-britisches “That's just not fair” zum Besten gibt, muss man unweigerlich Schmunzeln – als hätte Nathan Drake plötzlich Klasse und Etiquette.
Die Schwächen des Spiels trüben besagten Spielspaß kaum: Die Alibistory haben wir bereits erwähnt. Kleinere Probleme mit der starren isometrischen Perspektive und Momente, in denen die Steuerung nicht allzu präzise wirkt, sind zwar vorhanden, aber selten und ohne wirkliches Gewicht. Ein etwas höherer Schwierigkeitsgrad hätte dem Spiel noch ganz gut getan, teils sind die Rätsel zu leicht und Kämpfe werden spätestens mit den eingebauten Relikten/Power-Ups eher zu einer kurzfristigen Unterbrechung als zu einer echten Gefahr.
Überhaupt hätte das Kampfsystem, so witzig es bereits ist, vielleicht noch etwas Feinschliff vertragen – viele Waffen und Gegner sind cool, aber wenn man einen der sporadischen (aber gut in Szene gesetzten) Bosse in sage und schreibe fünf Sekunden erledigen kann, hinterlässt das einen bitteren Nachgeschmack.
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