Umgraben, säen, warten, ernten, Verkauf – und? Von vorn beginnen! Wer diesen Zyklus von langen Zockernächten kennt und sich der entspannten, repetitiven Arbeit auf dem virtuellen Feld verschrieben hat, der kennt den berühmtesten Simulator auf dem Markt. Ob die neue Version für Handhelds & Mobilgeräte auf dem 3DS eine würdige Fortsetzung des Spiels ist, erfahrt ihr in unserem Test zum Landwirtschafts-Simulator 18.

Landwirtschafts-Simulator 18 - Landwirtschafts-Simulator 18: Launch TrailerEin weiteres Video

Felder bestellen schwergemacht

Lade, lade, lade – ah! Der Bildschirm füllt sich, ein Menü auf hellblauem Hintergrund. Neues Spiel, Anfänger-Modus und auf geht’s. Gespannt wandert mein Blick über die zwei Bildschirme meines 3DS; im unteren Teil eine Karte mit lauter bunten Punkten, Symbolen und einem älteren Herrn mit Sprechblase: „Willkommen auf deinem neuen Bauernhof. Bewirtschafte die Äcker und investiere das Geld in neue Geräte.“ – Ja, sehr gerne!

Landwirtschafts-Simulator 18 - Buddeln mit Zen

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Der Landwirtschafts-Simulator 18 im Test: Erntemaschine möchte ernten - aber wie?
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Motiviert wende mich an den oberen Screen, der mir eine wunderschöne, knallrote Erntemaschine und ein Feld präsentiert. Die sanfte, fröhliche Musik im Hintergrund erinnert mich an Sims, während ich ins Spiel starte und meine erste Ladung Getreide einfahren will. Denn ja, ich gebe es zu: Sehr viel hatte ich mit dem Landwirtschafts-Simulator noch nicht am Hut, einzig die 15er-Version habe ich vor Jahren auf dem PC angespielt. Dort wurde mir noch vieles (nicht alles) zuvorkommend erklärt, weswegen ich mir bei der 3DS-Version im Vorfeld keine Sorgen gemacht habe.

Doch Felder bestellen – das kann auch schwer sein. Der Schwierigkeitsgrad ‚Anfänger‘ hat es nämlich ganz schön in sich. Anders ausgedrückt: Der Landwirtschafts-Simulator 18 (kurz: LS18) bietet für Neulinge eine Art Dark-Souls-Erfahrung; grausige Gegner wie unverständliche Buttons, Aufgaben und Symbole stürmen auf mich ein, während ich verzweifelt nach meinem Mentor, dem alten Mann mit Sprechblase, suche. Wäre es nicht seine Aufgabe gewesen, ein Tutorial für mich bereitzustellen?

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Nix da. Durch Ausprobieren finde ich nach und nach heraus, welche Knöpfe mich beim 3DS vorwärts und rückwärts fahren lassen; was ich drücken muss, um etwa den Mäher einzustellen und wie ich die Kamera justiere. Doch dort, wo sich Antworten in meinem Kopf formen, poppen neue Fragen auf: Wie kann ich meine Felder von Arbeitern bewirtschaften lassen? Welche Fahrzeuge brauche ich, um Zuckerrüben anzubauen? Und was genau muss ich tun, um die erste Viehherde mein Eigen nennen zu dürfen?

Der Landwirtschafts-Simulator ist noch nie besonders einsteigerfreundlich gewesen, aber die 18er-Version setzt dem Ganzen die Krone auf: Wer nicht schon durch die Vorgänger weiß, wie alles funktioniert, der wird nach einer Weile allein des Frustes wegen das Spiel beiseitelegen.

Mit 40 km/h und Zen auf dem Highway

Aller Anfang ist schwer, doch abgesehen vom fehlenden Tutorial bleibt sich der Landwirtschafts-Simulator auch in der 18er-Version treu: Felder beackern, Getreide einfahren und mit ganzen 40 km/h dem Händler entgegen brettern; alles Aufgaben, die mich nach und nach in einen angenehmen Zustand der Meditation geleiten: „Suche die Stille auf und nimm dir die Zeit und den Raum, um in deine eigenen Träume und Ziele hineinzuwachsen“.

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Wie in jeder Version: Neue Fahrzeugtypen, die das Farmerherz höherschlagen lassen
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Ich suche die Stille und übe mich in Geduld, wie es die Zen-Weisheit besagt – und siehe da: Mein Traum vom gigantischen Bauernhof geht tatsächlich nach und nach in Erfüllung. Der Betrag auf meinem Konto wächst, während ich mir weitere Felder einverleibe, von Getreide zu Zuckerrüben wechsle und schließlich auch zum Sammler von Landwirtschaftsfahrzeugen werde. Übrigens: Der LS18 kommt mit einer ganzen Palette an neuen Fahrzeugen und zwar von der Marke AGCO-Gruppe; ihr dürft euch also auf Traktoren und Co. von den Herstellern Challenger, Fendt, Ferguson und Valtra freuen.

Alles in allem pflügt der Landwirtschafts-Simulator 18 keine neuen Ackerländer, abgesehen von ein paar Besonderheiten: Zum ersten Mal auf dem 3DS darf ich Sonnenblumen anbauen, Schweine züchten und mich nebenbei der Forstwirtschaft widmen. PC-Spieler dürften das jedoch schon vom LS15 kennen.

Altes, wieder aufgewärmt – für Fans der Serie ein solider Teil, gegenüber Neueinsteigern jedoch sehr unfreundlich.Fazit lesen

Bauernschmaus statt Augenschmaus

Grafisch sowie spielerisch ist das Game eine sehr abgespeckte Variante der PC-Version. Kein Tutorial, kein Regler für die Spielgeschwindigkeit und noch nicht einmal ein kleines Männlein, mit dem ich von Fahrzeug zu Fahrzeug laufen kann. Stattdessen switche ich per Knopfdruck zwischen Erntemaschine und Traktor hin und her, als wäre ich mit dem Fahrersitz verschmolzen.

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USA-Feeling mit flackernden Skins
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Die Umgebung wartet mit rot-bräunlichen Felsformationen á la Grand Canyon auf, deren Skins am Horizont jedoch immer wieder laden, flackern und wechseln. Ein Grafikschmaus sieht anders aus und der 3D-Modus lässt ähnlich zu wünschen übrig – tatsächlich ist das Spiel um Weiten hübscher ohne 3D.

Insgesamt wirkt der Landwirtschafts-Simulator 18 nicht wie ein Produkt aus dem Jahre 2017, zumindest nicht auf dem 3DS. Zudem erinnern seine Spielmechaniken stark an die des Handheld-Vorgängers: Neben den typischen Feldarbeiten erwarten mich erneut kleine Mini-Aufgaben von dem alten Mann mit Hut, die uninspiriert zwischen „Hol‘ eine Ladung Getreide ab“ und „Hey, ich brauche Zuckerrüben und geben dir einen guten Preis dafür!“ wechseln. Neben den genannten ‚Neuerungen‘, wie die Forstwirtschaft, ist der LS18 demnach nur eine aufgewärmte Version des Vorgängers.