Rockstar hat im Fundus gekramt und seinen großen Hit aus den 40er-Jahren auf PlayStation 4, Xbox One und Switch gebracht. Wir ermitteln, wie gut sich Detective Cole Phelps 70 Jahre später noch schlägt.

L.A. Noire in 4K, auf der Switch und für die VR. Das sind die Remaster-Versionen, auf die ihr euch freuen könnt:

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Team Bondi mag so tot sein wie die Opfer im einzigen Spiel des geschlossenen Entwicklerstudios. Und doch hat L.A. Noire sechs Jahre nach Erstveröffentlichung eine Neuauflage für die aktuellen Konsolen bekommen. Die Hauptrolle spielt damals wie heute natürlich der durch den zweiten Weltkrieg reichlich beschädigte Gesetzeshüter Cole Phelps. Reales Vorbild des digitales Detectives war der Schauspieler Aaron Staton und auch viele andere Hollywoodgesichter standen für Charaktere des Spiels Modell. Ihre aufwendig nachgebauten und animierten Gesichter waren 2011 sensationell und sehen auch heute noch gut aus.

Im Verlauf des Spiels durchläuft Phelps mehrere Stationen innerhalb der Polizei – vom Streifenpolizisten bis hin zur Mordkommission und dem Branddezernat. Nach Abschluss eines Falls wird eure Arbeit bewertet. Sehr interessant ist dabei, dass ihr Fälle auch „falsch“ lösen könnt, indem ihr zum Beispiel einen Unschuldigen verhaftet. Stellt euch dann aber besser schon mal auf eine Rüge eurer Vorgesetzten ein. Das große Finale des Spiels beeinflussen die Ausgänge der individuellen Fälle aber nicht. Das ist aber nicht schlimm, denn die spannende und düstere Rahmenhandlung ist auch ohne Abzweigungen ein Highlight.

Open World ohne Mehrwert

Eine Schwäche des Spiels ist hingegen nach wie vor sein Open-World-Part: Los Angeles ist relativ leer und leblos, im Grunde hätte man zum Beispiel die Fahrsequenzen streichen können, sie bereichern das Spiel kaum. Es ist die klassische Detektivarbeit, aus der L.A. Noire seinen Reiz bezieht. Es wäre als reines Adventure wahrscheinlich ein stärkeres Spiel geworden und hätte sich nicht in so vielen Bereichen versuchen sollen. Seine positiven Seiten sind dafür aber richtig gut. Ihr solltet nur kein Spiel im Stil von GTA erwarten, das ist L.A. Noire absolut nicht.

L.A. Noire ist nicht mehr ganz so umwerfend wie vor sechs Jahren, aber immer noch ein ungewöhnlicher und atmosphärisch sehr dichter Mitspiel-Thriller.Fazit lesen

Seine Stärken spielt es vielmehr dann aus, wenn es sich aufs Wesentliche beschränkt. Wenn ihr Tatorte untersucht und in Gesprächen Hinweise sammelt, Lügen durchschaut und Widersprüche aufdeckt. Ein großer Clou war seinerzeit die sehr ausgefeilte Mimik der Gesprächspartner, aus der ihr – die hoffentlich richtigen – Schlüsse ziehen solltet. Tatsächlich spiegeln sich in den Gesichtern sowie in Gestern oft viele Emotionen wider, auch wenn hier kein 2017 herausragender Standard mehr erreicht wird. In Kombination mit seinen sehr gut geschriebenen und synchronisierten Dialogen kann L.A. Noire in dieser Disziplin aber immer noch glänzen.

Um Kopf und Kragen reden

Ihr könnt während der Konversationen entscheiden, wie ihr euch verhalten wollt: Ihr könnt den guten oder den bösen Cop geben oder euer Gegenüber direkt damit konfrontieren, dass ihr ihm nicht glaubt. Interessanterweise gab es im Originalspiel anders bezeichnete Optionen, am konkreten Verlauf ändert sich aber nichts. Vielmehr sind die neuen Bezeichnungen häufig treffender. Nach wie vor ist es eine tolle Belohnung, wenn ihr auf Basis eurer vorherigen Ermittlungen und gesammelten Beweise einen Verbrecher argumentativ zerlegt und überführt.

Die Neuauflagen unterscheiden sich in plattformspezifischen Details: Auf Xbox One X und PS4 Pro läuft das Ganze an einem entsprechenden Fernseher in 4K. Die Switch schafft im Dock immerhin 1080p und sieht im direkten Vergleich nicht signifikant schlechter aus. Da hilft es eben, dass das Original schon ein paar Jahre alt ist. Die Version für Nintendos Hybrid-Konsole macht zudem Gebrauch von deren Features wie Touchscreen und HD-Rumble. Beachtet aber, dass auch die Modul-Version den Download mehrerer Gigabyte an Daten voraussetzt. Entscheidet ihr euch für die Switch-Download-Version, benötigt ihr zwangsläufig eine microSD-Karte, da die knapp 30 Gigabyte nicht in den internen Speicher der Konsole passen. Die angepasste Fassung für HTC Vive haben wir im Rahmen dieses Tests nicht berücksichtigt.