Bislang gilt World of Warcraft vor allem als eines der meistgespielten MMOs, doch Theo Zijderveld sieht in dem Phänomen mehr als das. Für ihn begründet Blizzards Onlinewelt gar eine neue Religion. In seiner Master-Arbeit erläutert er die Details zu seiner Theorie:


"Das Arbeiten im Cyberspace durch den Programmcode, das Surfen im Internet und das Wandeln durch virtuelle Welten wie World of Warcraft oder Second Life können so vereinnahmend sein, dass das Physische unwichtig wird. Computertechnologie kann die Pforte sein, durch die man tiefer hineintaucht oder fließt, bis dass der User sich von sich selbst und seinen physischen Grenzen befreien und eine neue Identität im Cyberspace verwirklichen kann."

Klingt in etwa so wie bei Alice im Wunderland, das ja bereits als Vorlage für die Brüder Wachowski mit ihrem 'Matrix' herhalten musste. Insgesamt umfasse Religion vier Dimensionen - eine gemeinschaftliche, eine ethische, eine kulturelle und eine emotionale. Und genau die findet Theo Zijderveld in WOW wieder:

"Die Dimension der Gemeinschaft ist in World of Warcraft ebenso präsent wie in Second Life. Menschen nutzen ihren Avatar, um online die Avatare anderer realer Menschen zu treffen. Es ist ganz klar eine Gemeinschaft von Menschen mit den gleichen Interessen in einer Fantasywelt. Die sozialen Wegweiser sind deutlich zu erkennen. Die Regeln, wie man sich zu kleiden und zu verhalten hat, sind detailliert. Avatare die nicht in das Bild passen, werden (manchmal aktiv) von der Gemeinschaft selbst oder den Moderatoren ausgeschlossen."

Insgesamt eine interessante Theorie, die man sicher noch weiterspinnen könnte. Denn vollführen wir nicht online immer wieder die gleichen Rituale mit einer bemerkenswerten Hingabe und leisten wir nicht sogar einen regelmäßigen finanziellen Beitrag, der zur Erhaltung und Ausbreitung dieser 'Religion' beiträgt?

Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die ersten Sektenbeauftragten der Landeskirchen für den Lichkönig zu interessieren beginnen...