Seit ich mich entsinnen kann, diskutieren Menschen, ob nun PC oder Konsole das bessere Spielzeug sei. Der Streit hat nicht mal mehr einen Bart, sondern schon Gesichtshaarausfall. Trotzdem ist er aufgrund seines widergängerartigen Wesens nicht totzukriegen.

Vor allem Konsolen- wie Betriebssystempremieren motivieren landauf, landab tapfere Glaubenskrieger, den Äther mit entsprechenden Debatten zuzuorgeln. Deswegen gibt es diese Woche eine praktische Hilfestellung, für all die Leidtragenden dort draußen.

Die ultimative Sammlung von Argumenten. Mit Antwort, Gegenreden, Erwiderung, Riposte, Widerspruch und nicht zuletzt Entgegnung.

Gerade sitzt man noch gemütlich beim Bier in der Kneipe und unterhält sich friedlich, dann -zack- ist es passiert. Der obligatorische Konsolenfan in jedem Freundeskreis fragt mit scheinheiligem Blick in die Speisekarte "Apropos teuer … bist du eigentlich mit deiner neuen Grafikkarte zufrieden?" Der rhetorische Fehdehandschuh zielt natürlich weder auf eine Unterhaltung über Schnitzelpreise noch die neuste Shadergeneration ab. Man kennt seine Pappenheimer. Klar, man könnten die bevorstehende "Meins-ist-besser-als-deins"-Diskussion erheblich mit einem "Und du … du stinkst!" verkürzen. Aber ein paar Freunde möchte man in aller Regel doch behalten. Außerdem geht es ums Prinzip.

Krieg der Welten - PC vs. Konsole - PC vs. Konsole: Der älteste Streit der Zockergemeinde

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Für den einen ist es die PS3, für den anderen der slickste PC der Welt.
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Also stellen wir wechselseitig Rechnungen auf, nach denen sich unser subjektiv bevorzugtes Spielzeug als objektiv klar vorzugswürdig erweist. Eine ungeschriebene Regel dieses Rituals lautet, dass es mit der "Preisfrage" einzuleiten ist. Will sagen: Zunächst hat die Gegenüberstellung der Konsolenkosten mit denen der PC-Grafikkarte stattzufinden (und nur mit der). Der Konsolenvertreter muss dabei 500,-- Euro im Vergleich zu einer Wii sehr teuer finden, der PC-Getreue 128,-- Euro im Gegensatz zu einer Playstation 3 sehr günstig.

Nach diesem ersten Schlagabtausch verarbeiten beide Seiten den traditionellen Äpfel-und-Birnen-Ansatz zu komplettem Obstsalat. Denn es folgt die Korrektur der jeweils anderen Aufstellung im Sinne von "Und der PC selbst?", "Was ist mit dem Monitor?" und "Na, toll, dein HD-Ready-Fernseher war aber noch teurer!". Bei Bedarf zu erweitern um Controller von Remote-Control bis USB-Kaffewärmer. Entscheidend: die vom anderen genannte Peripherie ist immer "Unnötiges Zubehör!", die eigene "Hat man doch sowieso da!"

Der fortgeschrittene Konsolenfan entdeckt an dieser Stelle sein ökologisches Gewissen und weist auf den hohen Stromverbrauch aktueller PCs hin. Ohne langes Zögern hält ihm sein PC-Gegenüber die Energiegefräßigkeit eines durchschnittlichen 42-Zoll Plasma-Screens entgegen. Dafür müssen die Tschechen drei Dutzend neue Atomkraftwerke bauen! Schön, wenn Menschen, die zu Unterhaltungszwecken elektronischen Sondermüll produzieren, sich um die Umwelt sorgen.

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PC leiser als Xbox? Immer doch.
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Wobei sich das nächste Schlachtfeld abzeichnet: Upgradezyklen. Hier hat ganz klar der PC die Nase vorn. Entschuldigung, die Konsole! Denn in diesem Moment sind dem einen Diskutierenden plötzlich ausschließlich "Bekannte" präsent, welche nahezu täglich Prozessoren austauschen und RAM erweitern, während er selbst noch heute PSone spielt!

Sein Gegenüber kontert, seit 10 Jahren nicht mehr aufgerüstet zu haben ("Und S.T.A.L.K.E.R. läuft totaaal flüssig! Echt!"), während er jemanden kennt, der ausnahmslos alle Konsolentypen kauft, in jeder Farbe und zwar nur, um sie nach einmaligem Gebrauch in die Ecke zu stellen. Der altbekannte Zeuge "Ich kenne wen, den du nicht kennst". Dass es dem mit vergleichbarem Einkommen ausgestatteten, jeweiligen Opponenten bisher gelungen ist, eine Privatinsolvenz zu vermeiden, kaum zu fassen!

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Shooter spielt man nur mit Maus!
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Aber das Geld außen vor: "Der PC ist sowieso vielseitiger" und "Die Konsole ist einfacher zu bedienen!" Um diesen Strang des Meinungsaustauschs unbeschadet zu überstehen, bedarf es einiger geistiger Disziplin. Denn es kommt entscheidend darauf an, nicht die Realität, sondern archaische "Ideal"-Vorstellungen von PC und Konsole vor dem inneren Auge zu behalten. Nämlich die "Cartridge rein und los geht's"-SNES-Variante dem "erstmal autoexec.bat und config.ini per Hand anpassen müssen"-Konzept gegenüber zu stellen.

Dass Windows XP wie Vista mittlerweile Spiele automatisch installieren und Konsolen dank MP3/DVD/Netzwerk-Features an Unübersichtlichkeit wie Vielfältigkeit gleichermaßen hinzugewonnen haben, sollte man besser außer Acht lassen. Sonst käme man hinterher noch auf die Idee, dass sich beide Geräte derart angeglichen haben, dass man das eine durch das andere ersetzen könnte: Etwa eine PS3 mit "Yellow Dog" als preiswerten Linux-Rechner am Schreibtisch oder einen günstigen Barebone PC als schnurrende "World of Warcraft"-Konsole fürs Sofa. Fetentaugliche Karaoke-Anlagen würden wohl beide abgeben. Der eine mit "Singstar", der andere mit "Ultrastar". Aber hey, wenn wir die Unterschiede nicht betonen würden, hätten wir nichts zu diskutieren.

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Shooter spielt man nur mit Joypad!
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Also schnell noch Munition gesammelt: Verdammter PC, zuviel Frickelei! - Schnickschnack, zu wenig Frickelei auf der Konsole! - Aber auf der spielt es sich einfacher online. - Na und? Dafür muss man bei der Xbox für ALLES zahlen. Die Rede ist nicht von MMO-Gebühren. MMO gibt es ja nicht mal in nennenswertem Umfang! Außerdem sind Konsolen untereinander in Punkto Multiplayer inkompatibel. Dank Live anywhere kann dagegen ein Windows Vista PC sogar mit einer "miesen" Xbox360 zusammen zocken.

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Konsole = Partyspielzeug? Und was ist mit Ultrastar…?
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Und es geht weiter und weiter …: fehlende Modder-Communities hier, originellere Spielideen dort, coolere Controller, geringere Betriebsgeräusche, Abwärtskompatibilität, weniger Bugs, mehr RTS, weniger Prügelspiele, unproblematisches Raubkopieren oder schlicht "einfacher zu klauen". Ab einem gewissen Punkt weiß der unbeteiligte Zuhörer nicht mehr, wer welche Vorteile für sich geltend macht und welche Nachteile er der Gegenseite vorwirft.

Muss man einen 3D-Shooter unbedingt mit Maus spielen? Oder doch besser mit Joypad? Liegt allen "echten" Rollenspielen das AD&D-Regelwerk zu Grunde? Ist nicht vielmehr die "Final Fantasy"-Serie das einzig wahre RPG-Erlebnis? Wer hat die besseren Spiele? Die Konsolen? Nur weil Gamestat.com wie Gamerankings.com in ihren Top-Ten jeweils ein einziges PC Game führen? Weil dreimal soviel Konsolentitel über die Ladentheke gehen? Ist nach der gleichen Argumentation "Titanic" der beste Film aller Zeiten, da er mehr Geld eingespielt hat als die gesamte Konkurrenz? Obwohl er in der durchschnittlichen imdb-Zuschauerwertung nicht mal unter die TOP 250 kommt?

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Zum Filmgucken reichen sie alle.
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In der Kneipe einigt man sich derweil darauf, dass die ganze Frage doch wohl Geschmacksache sei. Je nach gespieltem Spiel und Lieblingsgenre und so. Dann wird die nächste Runde bestellt. Nachher noch ein wenig zocken? "Gears of war", "Singstar", "Wii-Sports" oder "World of warcraft"? Keine Ahnung. Schon zu voll. Lieber noch nen Bier und in Ruhe einen Film gucken.

Das geht glücklicherweise auf beiden.