Knight Shift Vorschau
(von Patrick Streppel)

Die Macher von »Earth 2150« wagen sich in neue Gefilde. Anstatt das 3D-Echtzeit-Strategie-Konzept weiter auf andere Settings zu übertragen, entsteht mit »Knight Shift« eine interessante Mischung aus Rollenspiel und Strategie.

Warum der Titel das Potenzial zum Tophit hat, lesen Sie in unserem ausführlichen Preview.

In Zeiten steigender Produktionskosten, zunehmender Raubkopien und sinkender Absätze haben es Entwickler nicht leicht ihr täglich Brot zu verdienen.

Neue Engines verschlingen horrende Summen, an aufwändigen Levels sitzen so manche Experten monatelang. Kein Wunder also, dass Technik-Recycling in der Spielebranche immer beliebter wird.

Massenware
Keine Ausnahme bildet da der deutsche Spieleproduzent Zuxxez aus Worms. Das aus der insolventen Topware AG hervorgegangene Unternehmen musste vor allem in der Anfangsphase auf den Geldbeutel achten. Deshalb verschrieb man sich ganz der hauseigenen »Earth«-Serie, die man zusammen mit dem polnischen Entwickler Reality Pump aus der Insolvenzmasse erworben hatte. So bekam das bei seiner Erstveröffentlichung bravouröse Echtzeit-Strategiespiel mit »The Moon Project« und »Lost Souls« gleich zwei eigenständige Add-Ons spendiert.

Technik und Spielprinzip wurden dann auch noch in andere Zeitepochen versetzt: »World War 3« und »Frontline Attack: War over Europe« waren das Ergebnis.

Bei »Knight Shift« sollte die »Earth«-Formel ursprünglich für das dritte Szenario herhalten - noch im letzten Herbst wies das Spiel frappierende Ähnlichkeiten auf.

Vielversprechender Genre-Mix
Umso überraschender präsentiert sich die aktuelle Version: Zuxxez hatte offensichtlich ein Einsehen und spendierte »Knight Shift« eine spielerische wie technische Frischzellenkur. Die alte Earth-Engine wurde überarbeitet und präsentiert nun wunderschöne Wasseroberflächen und schicke Lichteffekte. Zudem ist »Knight Shift« nicht länger ein Echtzeit-Strategiespiel mit angedeuteten Rollenspiel-Elementen - wie »Warcraft 3« - sondern durchaus ein Genre-Mix mit gleichwertiger Gewichtung. Die Formel für einen echten Hit? Als Spieler haben Sie die Wahl zwischen drei Modi: Story-Kampagne, Rollenspiel oder Strategie. Als Rollenspieler kämpfen Sie sich mit Ihrem eigens geschaffenen Helden durch verschiedene Landstriche,
lösen kleine Aufgaben und werten Ihren Charakter auf. Besonders schön gemacht: Der Rollenspielpart ist komplett im Mehrspieler-Modus verfügbar - wie bei »Diablo 2« dürfen Sie mit Freunden in einer Party kämpfen. Natürlich gilt das auch für die Strategie-Variante, in der Sie ganz klassisch Ihre Basis errichten und Truppen aufstellen. Computergegner ersetzen im Skirmish-Modus menschliche Mitspieler oder sorgen online für die richtige Würze. Das Gameplay erinnert hier dann doch ein wenig an »Warcraft 3« - was durchaus positiv zu verstehen ist.

Die Kampagne
Das Hauptelement von »Knight Shift« ist aber ohne Zweifel die Kampagne, welche die Elemente Rollenspiel und Strategie geschickt mit einer Story verwebt: Sie spielen Prinz John, der im Intro von einem Zauberer entführt wird. Obwohl er entkommen kann, wird sein Reich von den dunklen Mächten übernommen.In der Ferne, geschwächt und ohne Ausrüstung, macht sich John auf, um seine Untergebenen von ihrem Schicksal zu befreien. Die umfangreichen Missionen spielen sich anfangs ganz RPG-like: Sie kontrollieren nur John, der sein Schwert gegen Wölfe und Bären erhebt, Heiltränke aufnimmt und Erfahrung sammelt. Hier und da stehen NPCs, die John Aufgaben erteilen, für die er eine Belohnung wie Teile einer Rüstung erhält. Vor allem der erste Level ist ein ideales Tutorial.

Hat John seine treuen Gefolgsleute ausfindig gemacht, unterstehen Ihnen gleich mehrere Figuren. Bogenschützen bekämpfen Feinde aus der Ferne, besetzen Türme oder holen Hexen vom Himmel - im Nahkampf sind sie jedoch nutzlos und verwundbar. Sie merken, jeder Truppentyp hat seine individuellen Stärken und Schwächen, so dass Sie auf die Aufstellung besonderen Wert legen sollten - der typische Tank-Rush führt nicht weiter.Wie heißt die Kuh?
Im Verlauf der Kampagne werden Sie auch mit dem Basenbau vertraut gemacht. Neben den typischen Gebäuden zur Truppenausbildung und Verteidigung sind hier vor allem die Kuhställe zu vermerken, denn Milch ist die einzige Ressource im Spiel. Dass die Entwickler nicht nur den Soldaten, sondern auch den Vierbeinern Namen geben, ist da ein witziger Gag.

Ohnehin überrascht »Knight Shift« mit ungeheurer Detailfreude: Enten schwimmen auf dem See, Bäume bewegen sich im Wind und jede Quest passt wie maßgeschneidert ins Spielgeschehen. Dass die dichte Story, die irgendwo zwischen Mittelalter und Fantasy angesiedelt ist, in altenglischer Textform erzählt wird, macht zumindest in der englischen Version viel von der Atmosphäre aus. Die Sprachausgabe bringt Ironie, Witz und auch so manch niedliche Stelle gekonnt herüber, beispielsweise wenn ein Hirte um Hilfe für seine alten Kühe bittet.