Was mag Publisher Rondomedia wohl bewogen haben, einen Titel wie "Knetmännchen Kamasutra" auf den Markt zu werfen? Hasst man uns Spieletester dort? Oder hofft man auf neue Käuferschichten unter wild pubertierenden Mentalvierzehnjährigen, die anhand der dargebotenen "Videos" womöglich nachvollziehen sollen, was Vati und Mutti immer sonntags nach dem Tatort machen?

Antworten auf diese und weitere Fragen bleiben uns die Entwickler von Sky Horse Games schuldig. Dafür sollen vollmundige Versprechungen auf der Rückseite des Covers für feuchte Hände sorgen: "Das Kamasutra - das legendäre indische Lehrbuch der Liebe - verspricht sinnliche Gefühle und erfüllende Erotik." Das stimmt soweit. Aber weiter im Text: "Lernen Sie alles über die ausgefallensten Kamasutra-Stellungen, tauchen Sie ein in die Verse des Verlangens und bekommen Sie Lust auf mehr."


Hmmm... Bei soviel professionell formulierter Zuversicht dürfte ein Hauch von Zweifel wohl angebracht sein. Im nächsten Absatz fabuliert der Klappentext dann von Knetgummifiguren, die sich an diversen Schauplätzen vergnügen. Nee, is klar! Knetmännchen und -weibchen, die v*****n, bis die Schwarte kracht - da knistert die Erotik, und der zackige Griff zum Hosenschlitz ist vorprogrammiert. Oder etwa nicht?

Spielen als Strafe

Was sich dem sexuell ausgehungerten Zocker nach der Installation des Programms bietet, spottet auch bei wohlmeinender Betrachtung jeder Beschreibung. Nach dem Start findet man sich im Hauptmenü wieder, das übersichtlich die zur Verfügung stehenden Optionen feilbietet.

Knetmännchen Kamasutra - Setzen, Sex! Mehr Koma als Sutra

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Je nach individueller Schmerzgrenze blättert man sich durch lustlos präsentierte Bildchen verschiedener Kamasutra-Stellungen, schaut sich Fotos f*****r Knetfigürchen in dekorativer Umgebung an oder beobachtet mies animierte Knetekit-Kameraden beim abwechslungslosen Dauerp*****ern.

Wer dann noch nicht die Nase gestrichen voll hat, foltert sein Gehör mit R'nB'-ähnlichem Verbalgebläse oder spielt eine Runde Pong. Pong? Ja, ganz Recht, jenes sensationelle Bildschirmtennis mit zwei Strichen als Schläger und einem weißen Punkt als Ball, das einst den Computerspielen zu ihrem Siegeszug verhalf. Vor immerhin fast vierzig Jahren. Da bleibt dem traumatisierten Spieletester doch glatt die Spucke weg, und in der Hose regt sich ohne Beatmungsgerät gar nichts mehr.

"Es saugt und bläst der Heinzelmann..."

Sexuelle Schlüsselreize wirken Wunder. Etwas in dieser Art haben die russischen Entwickler vermutlich gedacht, als sie - quasi als Dreingabe - dem Programm noch ein paar Klingeltöne als Leckerli verpasst haben. Die Liebessounds sollen wohl die höchsten Stufen weiblicher Erregung widerspiegeln, klingen aber in ihrer Eintönig- und Einfältigkeit eher wie eine Mischung aus Opa Willis Fingerübungen auf der Heimorgel und dem Gequieke von Oma Ernas Wellensittich in der Mikrowelle.

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Auch die zusätzlich vorhandenen Wallpapers entlocken selbst einer männlichen sechzehnjährigen Hormonbombe auf Sexentzug nur ein hysterisches Kichern, können doch die Knetfiguren bestenfalls für eine Lachnummer gut sein.

Damit nicht genug, haben die Entwickler als Bonus das schon bei seinem Erscheinen hinlänglich gewürdigte "Rotlicht Tycoon 2" auf die Silberscheibe gepresst. Das Spiel, in dem man es vom einsamen Peepshowbesucher mit Handbetrieb zum Kiezkönig mit den besten Edelnutten bringen muss, ist zwar im Vergleich zum Hauptact der DVD eine echte Steigerung. Doch angesichts der Software-Katastrophe, die den angestrengten Zocker in Form des Knet-Kamasutras ereilt, ist auch dies wahrlich kein Gütesiegel.

Geschenkt ist noch zu teuer

Wohlmeinende Naturen und Berufsliberale mögen uns mangelnde Toleranz und Humorlosigkeit vorhalten, dass wir uns über ein Machwerk wie "Knetmännchen Kamasutra" derart ereifern können. Schließlich richtet das Programm keinen ernst zu nehmenden Schaden an, verführt Minderjährige nicht zu Amokläufen und ist mit knapp unter zehn Euro auch nicht gerade teuer zu nennen. Wäre es nicht weitaus einfacher, den Mantel des Schweigens über die Knetgummi-Katastrophe zu decken?

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Wir denken, dass man dies nicht tun sollte, denn wer ein Computerprogramm auf den Markt bringt, muss damit rechnen, dass ihm jemand die Frage nach dem Warum stellt. Und genau dieser Punkt ist es, an dem der Ochse das Wasser lässt, um mal im zotigen Sprachduktus zu bleiben. Denn auch zehn Euro sind Geld, und selbst für einen Mitnahmeartikel vom Grabbeltisch bietet das Programm nicht genug Substanz. Hier werden Käufer unseres Erachtens bewusst für blöd verkauft.

Spielen als effektive Verhütungsmethode: Dank Knetmännchen Kamasutra droht der totale Lustverlust. OMG, wir werden aussterben!Fazit lesen

Die Macher waren wohl der Meinung, dass Knetekit-Genitalien und eine comichafte Inszenierung, die entfernt an die genialen Animationen der Aardman-Studios erinnern soll, ausreichen, um einem Publikum breitenwirksame Unterhaltung zu präsentieren. Doch das ist leider nicht so. Denn wo originelle Ideen und ein Hauch Selbstironie vielleicht wahre Wunder bewirkt hätten, herrschen pure Rammelphantasien und liebloses Rein-Raus-Gedöns. Und dafür ist jeder Euro rausgeschmissenes Geld.

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Wer sich wirklich über das Kamasutra informieren möchte, der bemühe lieber das Internet oder wälze Fachbücher. Für die Anschaffungskosten des Programms bekommt man in den einschlägigen Läden mit den verdunkelten Fenstern und den dezenten Einlasskontrollen jedenfalls schon das eine oder andere brauchbare Stück Literatur. Und das ist in jedem Fall die bessere Wahl.