Niemand hat darauf gewartet, jetzt ist sie da – die Fortsetzung zum so glanzlos gescheiterten PS4-Launchtitel Knack. Der erste Teil des Prügelspiels hat so einige Zockerseelen enttäuscht, inklusive uns. In unserem Test zu Knack 2 erfahrt ihr, wie Sony es dieses Mal knacken lässt und ob dabei vielleicht sogar ein wenig Spaß aufkommt.

Seht im Trailer, wie sich das Spiel in zweiten Teil weiterentwickelt hat:

Knack 2 - E3 2017 - Gameplay-Trailer

Auf der PS4 gab es zum Start 2013 eine Menge guter Spiele: Da waren Ports bekannter Hits wie Assassin's Creed 4: Black Flag, Call of Duty: Ghosts oder FIFA 14 ebenso dabei wie Neuentwicklungen à la Killzone: Shadow Fall und Resogun. Und es gab Knack, einen mäßigen Prügel-Plattformer, von dem man sich zuvor einiges erwartet hatte. Als Game Director fungierte schließlich Mark Cerny, dessen Genre-Erfahrungen mit Sony-Stars wie Crash Bandicoot, Jak and Daxter sowie Ratchet & Clank gewaltig waren. Knack ließ dann aber eigene Ideen vermissen und kombinierte denkbar unklug wenige Aktionsmöglichkeiten mit ähnlich wenig Abwechslung.

Knack 2 - Was ist das Gegenteil von Vorschusslorbeeren?

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Viel Charme bieten die Gegner auch im zweiten Teil von Knack nicht
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Statt Knack direkt wieder aufzugeben, bekamen Cerny und sein Team noch eine Chance – und um euch nicht unnötig auf die Folter zu spannen: Knack 2 ist trotz vieler Ähnlichkeiten ein besseres Spiel. An gesteigertem Charme liegt das allerdings nicht: Knack 2 wirkt erneut wie einer dieser Animationsfilme, die gerne mit Pixar konkurrieren möchten, aber kein Verständnis für ansprechende Welten und Figuren mitbringen. Abermals gibt’s eine krude Mischung aus verschiedensten Settings und generischen Widersachern wie Kobolden, Mönchen und Robotern, was Vielfalt erzeugen soll, aber eher für ein disparates Durcheinander sorgt. Knack selbst ist im Wesentlichen hilfsbereiter Weltenretter, mehr Persönlichkeit steht man dem Klötzchenkrieger kaum zu. So sind es sein Freund Lucas und die übrigen menschlichen Charaktere, die den Plot vorantreiben. Knack ist dann ausführendes Werkzeug.

Knack kann mehr

Was Knack an Charaktertiefe fehlt, macht er durch sein erweitertes Move-Repertoire wett. Während der erste Teil vor allem auch für seine wenigen Angriffsvariationen kritisiert wurde, lernt Knack nun häufig Neues hinzu – vom Saltotritt über einen lähmenden Relikt-Bumerang bis hin zur schildbrechenden Schlagkombination inklusive abschließendem Hadoken-Feuerball. Einiges davon erlernt ihr automatisch an Schlüsselstellen des Spiels, anderes schaltet ihr mit den eingesammelten Erfahrungspunkten in einem großen Talentbaum frei. Dieser ist in vier sogenannte Wege (Geschwindigkeit, Stärke, Fähigkeit, Meister) eingeteilt, die aber strikt nacheinander verfügbar werden. Im Grunde handelt es sich also nur um eine relativ lineare Abfolge an Erweiterungen, Knack wirklich individuell weiterentwickeln könnt ihr nicht.

Knack 2 - Was ist das Gegenteil von Vorschusslorbeeren?

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Probiert die etlichen Angriffe aus: Hier hat Knack dazugelernt
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Lobenswert ist aber, wie gut sich nahezu jeder neue Move in die vielen Kämpfe einbauen lässt: Verschiedene Gegner erfordern tatsächlich verschiedene Vorgehensweisen und es macht Spaß, mit den euch zur Verfügung stehenden Angriffen zu experimentieren, um die effektivsten Wege zu entdecken. Nehmt ihr Schaden, fliegen die Relikte, aus denen Knacks Körper besteht, davon. Nach einigen Sekunden heilt er sich automatisch, indem die verlorenen Relikte wieder an ihren Platz zurückkehren. Werdet ihr aber als geschwächter Knirps-Knack erneut getroffen, war es das. Das Spiel setzt euch dann mehr oder weniger direkt vor den Ort eures Ablebens zurück, ihr müsst euch also nie über unfaire Checkpoints ärgern.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Der Wechsel zwischen kleinem und großen Knack ist auch jederzeit per Knopfdruck möglich: Nur Mini-Knack kann schmale Plattformen oder Wandschächte betreten, die ihn in neue Abschnitte oder zu versteckten Schatztruhen führen. Ein Kämpfer ist er nicht, das übernimmt bis auf wenige Ausnahmen seine große Form. Dabei macht es durchaus einen Unterschied, ob ihr zwei oder zehn Meter groß seid: Zwischen dem reinen Nahkämpfer und dem haushohen Ungetüm, das Autos wirft oder kleinere Feinde einfach zertrampelt, liegen mehrere Wucht-Welten. Durch die sehr linearen Levels, die stets nur einen Lösungsweg kennen, diktiert euch das Spiel allerdings weitgehend, wann Knack klein oder groß zu sein hat. Auch wenn ihr im Rahmen einer großen Schlacht mal die maximalen zehn Meter erreicht habt, schrumpft euch das Spiel für das nächste Kapitel dann einfach wieder zurück.

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Kaum Rätsel; dafür ständig Kämpfe
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Während die Kämpfe gut funktionieren, bleiben Rätsel und vor allem Sprung- und Geschicklichkeits-Passagen dürftig. Schwebende Plattformen, hier und da mal ein Elektro- oder Feuer-Hindernis, selbst lahme Quick-Time-Events verkneift sich das Spiel nicht. Hier werden so brav uralte Standards aneinandergereiht, dass man sich ein Gähnen manchmal kaum verkneifen kann. Klar, es bricht die Masse an Kämpfen auf, Knack hätte sich aber noch viel mehr trauen müssen. Ähnlich konventionell sind die sporadischen Einsätze in Panzern oder riesigen Blech-Titanen.

Was Knack 2 aufwertet, ist der komplett überarbeitete Koop-Modus: Ihr könnt das gesamte Spiel mit zwei gleichberechtigen Figuren angehen, in Teil eins war der Mitspieler noch auf eine Art Helfer-Funktion beschränkt. Nun steuert ihr parallel zwei Exemplare von Knack und durch spezielle Koop-Manöver erhöht sich sogar das Move-Repertoire noch weiter. Habt ihr die Möglichkeit, das Spiel tatsächlich über weite Strecken zu zweit zu spielen, könnt ihr im Geiste noch einen Punkt zur Gesamtwertung ergänzen, Knack 2 wird so deutlich kurzweiliger.

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Im Story-Modus von Knack 2 könnt ihr bis zu 15 Stunden verbringen - falls ihr das wollt
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Why so serious?

Wenn ihr die Welten ein wenig nach Geheimnissen absucht, verbringt ihr auf dem normalen Schwierigkeitsgrad etwa 12-15 Stunden mit dem Story-Modus. Allerdings verteilt Knack diese Story sehr ungeschickt über die Kapitel des Spiels. Schon nach wenigen Stunden hatten wir erstmals das Gefühl, vor dem Ende zu stehen, aber Knack 2 setzt immer und immer und immer wieder noch einen drauf. Da gibt’s stets nochmal eine Wendung, ein neues Problem oder einen noch größeren Gegner. Untermalt wird das Ganze in der zweiten Spielhälfte meist durch aufpeitschende Spannungsmusik und tatsächlich ging uns die Dauerdramatik irgendwann etwas auf die Nerven. Am sympathischsten sind Spiel und Figuren in den unbeschwerteren Momenten, in denen der ohnehin nicht ernst zu nehmende Kladderadatsch um die verschiedenen Fraktionen und Megawaffen in den Hintergrund rückt. Die häufigen Zwischensequenzen haben wir schließlich nur noch beiläufig verfolgt.

Knack 2 ist in quasi jeder Beziehung ein nettes Spiel – und das ist gar nicht so schlimm, wie es im ersten Moment klingt.Fazit lesen

Knack 2 unterstützt die PS4 Pro und bietet entweder eine höhere Auflösung oder eine höhere Bildrate. Nutzt ihr die höhere Auflösung, könnt ihr immer noch zwischen festen 30 Frames pro Sekunde und einer nicht begrenzten, dann aber munter schwankenden Bildrate wählen. Wir haben uns für die letzte Option entschieden, auch wenn das Scrolling dadurch hin und wieder unsauber wird. Wenn ihr eher auf konstante 60 Frames aus seid, müsst ihr generell mit in 1080p gerenderter Grafik Vorlieb nehmen.