Ich erinnere mich noch sehr gut an das, was ich vor etwa einem Jahr über Kirby: Triple Deluxe geschrieben habe: ein gutes, klassisches Kirby, aber mehr eben auch nicht. Das hatte mich damals ein wenig enttäuscht, weil ich von Kirby in den Jahren zuvor einfach mehr gewohnt war. Verwöhnt von Das Magische Garn für die Wii und meinem Serien-Liebling Power Paintbrush für den NDS war mir dieses Klassische, dieses geradezu Belanglose schlicht nicht mehr genug. Es fühlte sich sogar ein bisschen wie ein Rückschritt an. Und jetzt kommt Nintendo mit Kirby und der Regenbogen-Pinsel um die Ecke. Na, seht ihr? Es geht doch!

Neu ist die Idee, mit dem Touchpen bunte Regenbögen auf den Bildschirm zu kritzeln, auf denen Kirby dann entlangkugelt, zwar nicht – erfunden hat das Ganze damals im Jahre 2005 bereits erwähntes Power Paintbrush. Damit ist der Regenbogen-Pinsel streng genommen auch nicht unbedingt die Innovationsbombe schlechthin. Aber, und das ist das Entscheidende: Kirby fühlt sich endlich wieder „frisch“ an. Die Spritzigkeit, die ich in Triple Deluxe noch vermisst habe, ist wieder da.

Zunächst mag das Spielprinzip, Linien zu zeichnen, seltsam klingen, nach einer künstlichen Restriktion vielleicht oder nach einem zwanghaften Implementieren des GamePads. Doch der Eindruck täuscht, denn was sich hinter diesem Spiel verbirgt, ist auch zehn Jahre seit seiner Premiere noch ein ganz großartiges Konzept – und für die Wii U absolut prädestiniert. Es fühlt sich richtig gut an, wenn Kirby auf den selbst gepinselten Routen an Hindernissen und Gegnern vorbeirollt, wenn er funkelnde Edelsteine in einem Looping-Manöver einsammelt oder Whispy Woods mit einer Schubrolle einen Treffer verpasst. Ich mochte das Konzept schon damals auf dem NDS. Hier gefällt es mir noch besser.

Kirby und der Regenbogen-Pinsel - Bunt ist gar kein Ausdruck

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Zugegeben, das sieht erst mal nach einer Kopie von Power Paintbrush ist, doch der Schein trügt.
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Zumal durch den großen Bildschirm in den Händen auch die eigene Präzision beim Zeichnen steigt: Hier ist es viel bequemer, viel einfacher, punktgenaue Linien zu skizzieren, als das noch am NDS der Fall war. Und es ist ein Prinzip, das jeder auf Anhieb versteht und beherrscht – da drückt man selbst der kleinen Schwester mal Controller und Touchpen in die Hand und schon bugsiert sie Kirby vorsichtig um die Hindernisse und Gegner herum. Dass die Steuerung selten ein klein wenig ungenau ist, ist verschmerzbar. Meistens klappt ja alles, wie es soll.

Das ist vor allem in den späteren der insgesamt sieben nach Farben sortierten Welten ungemein wichtig, denn anders als so viele Kirby-Spiele der jüngeren Vergangenheit ist dieses alles andere als anspruchslos. Um im Indigo-Meer den Geistern des Spukschiffes auszuweichen oder im richtigen Moment zwischen den Lavafontänen des roten Vulkans hindurch zu preschen, bedarf es Konzentration, einer ruhigen Hand und darüber hinaus auch noch einem guten Tintenmanagement. Geht dem Regenbogen-Pinsel die Farbe aus, können keine weiteren Linien gezeichnet werden und der arme Kirby rollt direkt in seinen Tod. Einfach ist dieses Kirby also nicht – und das ist gut so.

Packshot zu Kirby und der Regenbogen-PinselKirby und der Regenbogen-PinselErschienen für Wii U kaufen: Jetzt kaufen:

Sehr schön ist auch, dass das Spielprinzip nicht einfach eins zu eins aus Power Paintbrush übernommen, sondern an den richtigen Stellen sinnvoll erweitert wurde. So transformiert sich Kirby in bestimmten Situationen in einen brachialen Panzer, in eine pfeilschnelle Rakete oder gar in ein U-Boot. Das sieht alles zum Knuddeln süß aus und spielt sich dankbarerweise auch jeweils ganz unterschiedlich: Sitzt man etwa im Panzer, muss man parallel zur Steuerung des Gefährts auch noch auf Ziele tippen, um diese mit Raketen zu torpedieren; hockt man hingegen im U-Boot, wird automatisch gefeuert und die Herausforderung besteht darin, die einzelnen Projektile mit Pinselstrichen zu ihren jeweiligen Einschlagspunkten zu manövrieren.

Kirby und der Regenbogen-Pinsel - Screenshots mit Nintendos pinker Knutschkugel

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Dabei spielen Tasten im gesamten Spiel einschließlich der Menüs überhaupt keine Rolle, alles wird ausschließlich mit dem Touchpen erledigt. Ziemlich cool – und durchweg erstaunlich intuitiv. Die einzige Ausnahme von dieser ansonsten streng eingehaltenen Regel ist der lokale Mehrspielermodus, in dem drei weitere Freunde als Waddle Dees in das Abenteuer mit einsteigen können, die dann natürlich mit Wiimote oder Pro Controller gesteuert werden. Ich habe das Spiel die meiste Zeit trotzdem lieber alleine gespielt, da im Trio oder Quartett doch zu viel Chaos herrscht.

Meist ruht das Auge also permanent auf dem GamePad, der Blick ist stets auf den Touchscreen fixiert. Per se nicht schlimm und angesichts des Touch-Gameplays auch absolut nachvollziehbar. Nur schade, dass man dadurch aber nur selten in den Genuss des extrem schönen, zauberhaften Knet-Grafikstils kommt. Nintendo und HAL Laboratory haben hier eines der stilistisch schönsten Spiele des Jahres geschaffen – doch wer das Spiel aktiv spielt, muss sich auf dem GamePad zwangsweise mit einer niedrigeren Auflösung und einem kontrastärmeren Bild abgeben. Nicht, dass das Spiel dort schlecht aussehen würde, ganz und gar nicht. Verglichen mit der gestochen scharfen HD-Optik auf dem Fernseher geht jedoch etwas vom Charme verloren.

Kirby und der Regenbogen-Pinsel - Accolades Trailer2 weitere Videos

Trotzdem kann ich dem Spiel dafür gar nicht böse sein, bietet es doch endlich wieder das, was ich mir gewünscht habe: ein innovatives, kreatives, außergewöhnliches Kirby – da nehme ich solche kleineren Limitierungen gerne in Kauf. Und sollte bei einer schwierigen Passage mal Frust aufkommen, beruhigt der Soundtrack in Sekundenschnelle die Gemüter. Wie könnte man bei dieser entspannenden, sympathischen Musik auch schlechte Laune haben?

Ran an den Pinsel: Dieses Spiel ist nicht nur ein sympathischer Farbklecks in unserer graubraunen Videospielwelt, sondern auch das beste Kirby seit Jahren!Fazit lesen

Die tritt höchstens dann auf, wenn das Spiel nach 28 Levels und damit gerade mal sechs bis sieben Stunden wie so oft viel zu früh vorbei ist. Zumindest eine negative Tradition schleppt also auch der Regenbogen-Pinsel noch mit sich herum – für das nächste Kirby dürfen es dann gerne einige Levels mehr sein. Da machen die ca. 40 knackigen, aber zu schnell gemeisterten Herausforderungsräume den Braten auch nicht mehr fett. Für das Sammeln aller Truhen lohnt sich die Rückkehr in bereits gespielte Levels aber allemal – dafür winken nämlich schicke 3D-Knetmodelle, die man sich in der Galerie anschauen kann.