Kennt ihr noch Klonoa? Das liebenswerte Wesen mit Schlappohren und Pac-Man-Cap war früher einmal das Maskottchen von Namco und Star einer gleichnamigen Jump’n’Run-Serie für die alten PlayStations – leider sind beide mittlerweile von der Bildfläche verschwunden. Was Klonoa mit Kirby zu tun hat? Einiges, denn an Klonoa erinnern die besten Momente im neuen Planet Robobot.

Ich verbinde mit Klonoa: Door to Phantomile nicht nur meine ersten Videospielerfahrungen, sondern auch ungeachtet der Nostalgie ein ganz besonderes Jump’n’Run. Denn was Namco 1997 erschaffen hat, war ein Platformer mit Tiefe. Nicht mit spielerischer Tiefe, dafür war es viel zu simpel, aber mit räumlicher Tiefe: In einer Art 2,5D-Leveldesign konnte man Objekte in Richtung Bildschirm werfen oder in kreisrunden Arenen Bosse umkreisen und die Kamera hat das Ganze dynamisch begleitet, indem sie sich immer wieder gedreht und sich dem Geschehen angepasst hat. Man war auf zweidimensionalen Pfaden unterwegs, die sich im dreidimensionalen Raum gewunden haben. Klingt seltsam, funktionierte aber klasse! Trotzdem hat viele, viele Jahre niemand das Konzept aufgegriffen.

Kirby - Planet Robobot - Roboter und Regenbögen

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Der Mecha kann ebenfalls Gegner absorbieren und sich ihre Fähigkeiten aneignen.
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Bis jetzt – denn Kirby: Planet Robobot bringt diese räumliche Tiefe zurück. Schon vor zwei Jahren hat Triple Deluxe ebenfalls auf dem 3DS derlei Gehversuche gestartet, indem man ähnlich wie in Donkey Kong Country Returns zwischen Ebenen im Vorder- und Hintergrund wechseln konnte. Das sah cool aus, vor allem natürlich in 3D. Aber im neuen Abenteuer, dessen Bühne eine Invasion extraterrestrischer Metallroboter liefert, wird auch an der spielerischen Schraube gedreht: Man verschiebt Plattformen in den Horizont hinein oder auf den Spieler zu, rotiert Brücken um ihre eigene Achse, weicht Riesenfischen aus, die aus dem Meer in Richtung Bildschirm springen. Und dann, wenn der nächste große Bosskampf ansteht, läuft das Spiel zur Hochform auf, indem es munter mit den Perspektiven und der Arena experimentiert, von 2D zu 2,5D wechselt und wieder zu 2D zurück.

Packshot zu Kirby - Planet RobobotKirby - Planet RobobotErschienen für 3DS kaufen: ab 54,68€

Sie mögen nicht das offensichtlichste Aushängeschild von Planet Robobot sein, doch sind es genau diese Spielereien mit Kamera und Leveldesign, die das neue Kirby nach zwei eher gewöhnlichen Spielen (Kirby’s Adventure Wii und Kirby: Triple Deluxe – die bunten Spin-Offs lassen wir hier im Serienvergleich einmal außen vor) wieder zu etwas Frischem, Kreativem machen. Zusammen mit dem gewohnt liebevoll-knuffigen Stil ergeben sich Unmengen an möglichen Kombinationen: So kommen Billardkugeln aus dem Hintergrund in verschiedenen Richtungen herangerollt oder Waddle Dees fahren Schulbusse über die Straße – die Ampel sollte man übrigens lieber nur bei Grün überqueren.

Und was ist mit den mächtigen Robotern, in die man einsteigen kann und die ja immerhin im Namen und auf dem Cover angepriesen werden? Auch die sind eine tolle Neuerung und nicht nur für kleinere Rätsel, sondern auch für spielerische Abwechslung gut: Ähnlich wie Kirby selbst können sie Gegner scannen und ihre Fähigkeiten stibitzen – dann schlägt man als Schwertroboter mit übergroßen Klingen zu, entwickelt sich als Radroboter zum Turbopanzer oder erobert als Jetroboter in bester 2D-Shooter-Manier die Lüfte. Nichts davon wird überstrapaziert und deshalb macht es auch einen Heidenspaß, in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen, weil man immer wieder eine kleine neue Idee entdeckt.

Kirby - Planet Robobot - Roboter und Regenbögen

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Es gibt ein paar neue und teils sehr unübliche Verwandlungen für Kirby.
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Das soll und kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Planet Robobot immer noch ein ansonsten weitestgehend klassisches Kirby ist – und trotz vieler neuer Stärken alte Schwächen nicht ablegen will. Nach über 25 Jahren müsste man diese vor allem zwei Dinge kaum noch prominent aufführen und erläutern, aber sie sind eben nach wie vor da, genauso doof und nervig wie eh und je. Ihr kennt sie vermutlich schon wie alte Freunde: den überschaubaren Umfang und den viel zu niedrigen Schwierigkeitsgrad. Fünf Basiswelten plus ein paar Zusatzlevels beschäftigen nun mal nicht viel länger als 6-8 Stunden und wenn man die meisten davon ohne Probleme bewältigt und dabei auch noch im ersten Versuch alle versteckten Gegenstände sammelt, ist es mit Wiederspielwert nicht weit her.

Tradition verpflichtet: Kirby schafft es auch dieses Mal wieder, alte Schwächen mit liebevollem Design und kreativen Ideen auszugleichen. Und: ein Hoch auf 3D!Fazit lesen

Und doch ist Planet Robobot eines der besten der jüngeren Kirbys: bunt, verspielt, kreativ, wahnsinnig schön anzusehen – und deshalb trotzdem einfach eine Wonne beim Erleben, egal wie simpel und kurz es sein mag. Auch wenn ich mich seit Jahren immer über die gleichen Dinge ärgere, fällt es mir schwer, dem Spiel dafür wirklich böse zu sein. Kirby bleibt traditionsbewusst – im Guten wie im Schlechten.