Kingdom Hearts erhitzt bis heute die Gemüter. Nicht jedem gefällt der bunte Mix aus Disney-Welten und “Square Enix”-Charakteren, viele Spieler halten die Reihe für ein kindisches Abenteuer, das dem Namen Final Fantasy nicht gerecht werden könne. Und ob ihr’s glaubt oder nicht: Die allermeisten Disney-Mitarbeiter waren lange nicht von der Idee hinter Kingdom Hearts begeistert. Im Gegenteil. Wieso dieses Franchise beinahe nie das Licht der Welt erblickte und was für Probleme es bei der Entwicklung gab, das beleuchten wir heute - passend zum 15. europäischen Geburtstag des ersten Teils. Happy Birthday Kingdom Hearts!

Alles fing an mit einem sagenumwobenen Elevator Pitch: Da Disney ihr japanisches Büro im gleichen Gebäude wie Square Enix hatten, unterhielten sich “Final Fantasy”-Schöpfer Hironobu Sakaguchi und der japanische Disney-Chef über ein mögliches “Square Enix”-Spiel im Disney-Universum. Eigentlich ein simples Unterfangen. Disney sollte genaue Vorstellungen liefern und Square Enix mit diesen Notizen ein ordentliches Lizenzspiel abliefern. Tetsuya Nomura, der mit Final Fantasy 7 und 8 Meisterwerke ablieferte, wohnte dem Gespräch durch Zufall bei und forderte sofort, dass er an diesem Spiel beteiligt sein würde.

Im darauffolgenden ersten Meeting kam die Ernüchterung für Nomura: Disney forderte weiterhin ein buntes, kindgerechtes Lizenzspiel, ein Rollenspiel mit Micky Maus in der Hauptrolle. “So etwas mach’ ich nicht!” soll Nomura daraufhin gebrüllt haben und zeigte den Disney-Repräsentanten stattdessen erste Zeichnungen von Sora - inklusive Kettensäge und Löwentatzen.

Happy Birthday Kingdom Hearts - Wieso Kingdom Hearts beinahe nie entwickelt wurde

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Furries freut's: Sora hatte anfangs Tatzen
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So eine Unverfrorenheit seitens Nomura gefiel den Disney-Angestellten natürlich überhaupt nicht, geschweige denn die ersten Konzeptzeichnungen: “Eine Kettensäge? Das ist schrecklich!” so die Angestellten. Und so schien es, als würde Kingdom Hearts nie das Licht der Welt erblicken.

Zum Glück hatten sowohl Sakaguchi als auch Nomura Kontakt zu dem damaligen Disney-Präsidenten Robert Iger. Dieser war, nach leichten Änderungen an Sora’s Design, von der Idee sehr angetan, die Welten von Square Enix und Disney miteinander verschmelzen zu lassen. Und so bekam Nomura grünes Licht für sein Projekt. Einzig und allein ein paar Regeln gab es von Iger: Weder Donald noch Goofy sollten Waffen tragen, ein Schild und ein Stab wären möglich, mehr aber auch nicht. Außerdem sollte das “Disney-Gefühl” der jeweiligen Welten weitergetragen werden. Zu guter Letzt bestimmte Iger, dass Micky Maus lediglich ein einziges Mal im Spiel vorkommen dürfte. Mit diesen Vorgaben machten Nomura und sein Team sich ans Werk.

Disneyland für Gamer

Die originelle Idee, mehrere Disney-Welten bereisen zu können, stammte aus dem Konzept von Disneyland: Auch hier kann man vielerlei Orte besuchen und sich mit Charakteren aus den jeweiligen Disney-Filmen anfreunden. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Kernstory “Square Enix”-typisch düster und das Gesamterlebnis für den Konsumenten nicht ansatzweise so teuer ist. Zwei Fliegen mit einer Klappe.

Ein wichtiger Teil sind hierbei auch die Herzlosen, die Gegner von Sora, von denen es dutzende verschiedene Formen gibt. Disney war sich anfangs nicht sicher, ob solche düsteren Gestalten wirklich kindgerecht wären - geschweige denn ein fieser Xenahort, der Antagonist des Spiels. Aber auch hier blieb Nomura eisern: Er forderte, dass er seine Charakterdesigns nicht an den berühmten Disney-Stil anpassen müsse.

“Ich hielt das einfach für unnötig. Auch die Charakter-Designs von Disney selbst sind nicht absolut homogen. Wenn Donald Duck neben Tarzan steht, wirkt das auch ein wenig skurril. Also habe ich keinen Grund gesehen, das Design von Sora, den Herzlosen und anderen Charakteren groß anzupassen.”

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Das finale Design der Kingdom Hearts-Crew
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Das Konzept stimmte, die Designs ebenfalls. Aber ein großes Problem gab es weiterhin: Wie konnten die Animations-Grafiker von Square Enix sicherstellen, dass das geforderte “Disney-Gefühl” perfekt im Spiel umgesetzt werden würde? Zunächst wurden die Animations-Grafiker zu einem Besuch bei den Trickfilmzeichnern bei Disney eingeladen - ein erster Schritt. Danach waren sie auf sich allein gestellt und mussten eigene Wege finden. Wie sehr sich die “Square Enix”-Mitarbeiter gerade hier ins Zeug legten, zeigte sich an der Hingebung von Chef-Animator Tatsuya Kando: Sechs Monate lang soll er nichts anderes als Disney-Filme konsumiert haben. Zum Glück zahlte sich die Arbeit aus: Kando bekam für seine Arbeit viel Lob und Anerkennung - gerade von Disney selbst.

Und so kam, wenige Jahre später, Kingdom Hearts endlich auf den Markt - und wurde sofort zu einem Kassenschlager. Bis heute gehört die Reihe zu den wichtigsten Franchises von Square Enix, muss sich neben Genre-Giganten wie Final Fantasy oder Dragon Quest nicht kleinmachen lassen. Hoffentlich wird das erneut mit Kingdom Hearts 3 bewiesen - wenn es denn im Jahr 2021 endlich erscheint. Herzlichen Glückwunsch zum 15. europäischen Geburtstag Kingdom Hearts! Wir würden dich nicht missen wollen.