Daniel Vávra und Martin Klíma haben ein Problem. Die beiden langjährigen Videospielentwickler teilen eine gemeinsame Leidenschaft für das Mittelalter und wollen eigentlich ein authentisches Rollenspiel im altertümlichen Gewand entwickeln. Mit Dungeons, aber ohne Dragons, denn dem so populären Fantasygenre können sie nur wenig abgewinnen. Mehr als ungünstig, dass sich realistische Ritterepen ohne genau diesen Fantasyeinschlag allerdings mehr schlecht als recht verkaufen und sich deshalb kein Publisher finden lässt, der das nötige Kleingeld liefern will. Als unverhofft der große Crowdfunding-Boom losbricht, sehen die beiden ihre Chance gekommen, gründen in Eigenregie das Entwicklerstudio Warhorse und verkünden das Wort von Kingdom Come: Deliverance.

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Der Plan geht auf. Mittlerweile haben die Tschechen mehr als zwei Millionen Dollar von über 40.000 begeisterten Unterstützern für sich gewinnen können, das Team ist auf über 50 Mann angeschwollen und der Traum vom Mittelalter-Rollenspiel endlich greifbar. Um der Spielerschaft bereits zu diesem frühen Zeitpunkt etwas von ihrem Vertrauen zurückzugeben, hat man mit der jüngst veröffentlichten „Alpha 0.1“ einen ersten neun Quadratkilometer großen Ausschnitt aus dem mittelalterlichen Böhmen erkundbar gemacht. Anhand der Aufzeichnungen zweier wagemutiger Reisender wollen wir euch einen Eindruck von unseren Erlebnissen im Dörfchen Sampose vermitteln.

Ein Tag wie jeder andere

Wir schreiben das Jahr 1403, dies sind die Chroniken des glückseligen Abenteurers Alexander: Der lange Marsch hat mich ganz schön ausgelaugt, doch nun ist nicht die Zeit, um Müdigkeit vorzutäuschen. Der ausgetretene Pfad zu meinen Füßen schlängelt sich in einer leichten Linkskurve den Hügel ins verschlafene Dörfchen Sampose herab, das um einen bescheidenen Flusslauf herum erbaut worden ist. Ich setze mich seufzend wieder in Bewegung und lasse derweil meinen Blick über die hüfthohen Ähren und Farne am Wegesrand schweifen, die sachte im Wind schaukeln. Kornblumen und Mohnblüten recken sich der Morgensonne entgegen und nehmen die wärmenden Strahlen dankbar in sich auf. Es ist ein hinreißendes Bild.

Kingdom Come: Deliverance - Aller Anfang ist schwer

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Nein, das hier ist nicht das Auenland, sondern das böhmische Dörfchen Sampose.
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Kurz vor dem Ortseingang läuft mir ein freundlich dreinblickender Farmer in die Arme, der sich gerade in Richtung der Felder aufmacht, um seinem Tagewerk nachzugehen. Er begrüßt mich herzlich und wir tratschen ein wenig über Sampose und seine Bewohner. Als er auf den Schmied zu sprechen kommt, fällt mir eine ungewöhnliche Gereiztheit in seinen Zügen auf und bei genauerer Nachfrage gesteht er mir, dass dieser mit seinem nervtötenden Flötenspiel zur Abendzeit die nahen Anwohner terrorisiert. Ich verspreche, mich der Sache anzunehmen.

Ich schlendere unter reetgedeckten Dächern entlang und klopfe an die nächstbeste Tür, um mehr über den Wohnort des Schmiedes in Erfahrung zu bringen. Als mir niemand antwortet, öffne ich eigenmächtig die Tür und trete in die gute Stube ein. Meine Augen brauchen einen Moment, um sich an das diffuse Licht zu gewöhnen. Über den Herd gebückt steht eine Hausfrau mittleren Alters, die gedankenversunken in einem Eintopf herumrührt. Sie verweist mich auf die andere Seite des Dorfes.

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Einstweiliger Höhepunkt der Alpha: Dieser kurze Besuch beim Schießstand.
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Eine schmale Holzbrücke führt mich in den belebtesten Teil von Sampose. Aus dem Augenwinkel bemerke ich einige Trunkenbolde, die sich bereits zu dieser frühen Tageszeit vor der Taverne eingefunden haben, da fällt mir das Leuchten des nahen Schmiedeofens ins Auge. Den Schmied finde ich im benachbarten Herrenhaus, wo er gerade ein Mahl zu sich nimmt. Wir tauschen kurze Grußformeln aus, bevor ich das Objekt meiner Begierde, besagte Flöte, erspähe. Ich handele im Affekt, als mein Gegenüber mir kurz den Rücken zudreht, um den Teller abzustellen: ich greife mir das Instrument und lasse es in meinem Hosenbund verschwinden.

Zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht viel mehr als eine Tech-Demo, könnte hier der Grundstein für eine ziemlich mächtige Mittelalter-Simulation gelegt worden sein.Ausblick lesen

Die Belohnung des Farmers fällt geradezu fürstlich aus – satte acht Groschen ist dem Geselle sein ruhiger Feierabend wert! Geld genug, um auf dem örtlichen Schießstand meine Treffsicherheit unter Beweis zu stellen. Irgendwie hatte ich das Ganze leichter in Erinnerung, doch nach ein paar Versuchen habe ich mich an die starke Zugkraft gewöhnt und treffe immerhin zweimal voll ins Schwarze. Zufrieden setze ich den Bogen ab und blicke den orangeroten Strahlen der Abendsonne entgegen. Vielleicht könnte ich hier für eine Weile bleiben...

Ein Tag wie kein anderer

Wir schreiben das Jahr 1403, dies sind die Chroniken des unglückseligen Abenteurers Alexander: Der lange Marsch hat mich ganz schön ausgelaugt, doch nun ist nicht die Zeit, um Müdigkeit vorzutäuschen. Der ausgetretene Pfad zu meinen Füßen schlängelt sich in einer leichten Linkskurve den Hügel ins verschlafene Dörfchen Sampose herab, das um einen bescheidenen Flusslauf herum erbaut worden ist. Ich setze mich seufzend wieder in Bewegung und lasse derweil meinen Blick über die hüfthohen Ähren und Farne am Wegesrand schweifen, die sachte im Wind schaukeln. Verdutzt sehe ich zu, wie bei jedem Schritt ganze Grasbüschel am Rande meines Sichtfeldes aus dem Boden sprießen, wo vorher nur kahler Boden auszumachen war. Es ist ein absurdes Bild.

Kurz vor dem Ortseingang läuft mir ein teilnahmslos dreinblickender Farmer in die Arme, der sich gerade in Richtung der Felder aufmacht, um seinem Tagewerk nachzugehen. Als wir uns begrüßen, wundere ich mich, warum kein Wort über seine Lippen kommt. Generell lässt sein Gesicht jede Form der Regung vermissen. Es scheint wohl so, als müsste ich mich mit den Untertiteln zufriedengeben.

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Irgendwie haben wir uns schon ein bisschen mit dem schwebenden Fräulein angefreundet.
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Gerade als ich das erste Haus hinter mir gelassen habe, werde ich Zeuge einer absonderlichen Erscheinung: Die Magd vor mir erhebt sich urplötzlich wie von Geisterhand in die Lüfte und schwebt nur wenige Fuß über meinem Kopf an mir vorbei. Ich kann meinen Augen kaum trauen, doch niemand sonst scheint auf den Spuk aufmerksam geworden zu sein. Ich reibe mir gründlich die Augen und versuche das Ganze als simples Hirngespinst abzutun, die Zweifel aber bleiben.

Beunruhigt husche ich unter reetgedeckten Dächern entlang und klopfe an die nächstbeste Tür, auf der Suche nach einer freundlichen Seele, die etwas Licht in die vergangenen Geschehnisse bringen kann. Als mir niemand antwortet, öffne ich eigenmächtig die Tür und trete in die gute Stube ein. Meine Augen brauchen einen Moment, um sich an das diffuse Licht zu gewöhnen. Über den Herd gebückt steht eine Hausfrau mittleren Alters, die gedankenversunken in der Luft herumrührt und den immergleichen Satz vor sich hinmurmelt. Neben ihr schwebt ein Holzlöffel durch die Luft. Erschrocken stolpere ich aus dem Haus.

Träume ich? Das kann nicht alles wirklich geschehen, unmöglich...
Eine schmale Holzbrücke führt mich in den belebtesten Teil von Sampose. Aus dem Augenwinkel bemerke ich einige Trunkenbolde, die sich bereits zu dieser frühen Tageszeit vor der Taverne eingefunden haben, da fällt mir ihre seltsame Sitzkonstellation ins Auge – zwei der Recken sitzen ineinander verrenkt und wie zu einem abartigen Wesen verschmolzen auf einer der Bänke, ein anderer scheint in der Luft eingefroren zu sein. Ich kann gerade noch die schwebende Magd erkennen, wie sie auf mich zugeschwebt kommt, bevor ich das Bewusstsein verliere.

Im heimischen Buchenwald habe ich Schutz vor den abartigen Einwohnern Samposes gefunden. Die Vögel zwitschern und trällern wie wild umher, doch so sehr ich mich auch bemühe, kann ich nirgendwo auch nur ein Federvieh erkennen. Ich muss fort von hier, nur fort...

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Werter Herr, ich glaube, das gehört aber anders!
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Plötzlich pralle ich gegen eine unsichtbaren Wand. Obgleich sich der Wald noch viel weiter erstreckt, komme ich nicht voran, so sehr ich mich auch bemühe. Meter für Meter klopfe ich die undurchdringliche Barriere ab, doch sie will nicht nachgeben.

Ich war überall. Egal ob Norden, Osten, Süden, Westen, das ganze Dorf ist umzäunt von einer riesigen unsichtbaren Mauer. Es gibt keinen Ausweg. Ich bin gefangen!