Im Grunde ließe sich King’s Bounty abhandeln mit „… ist wie Heroes of Might and Magic, außer…“, gefolgt von der Aufzählung einer Handvoll Punkten. Fertig wäre das Preview. Doch würde das dem Spiel wenig gerecht – zumal der Plagiatsvorwurf in diesem Falle nicht greift, verhalten sich doch King’s Bounty und die HoMM-Serie wie die berühmte Henne zu ihrem Ei.

Das ursprüngliche King’s Bounty erschien bereits im Jahre 1991 auf sämtlichen gängigen Plattformen – was zum damaligen Zeitpunkt neben dem PC auch C-64 und Apple II bedeutete. Erst später münzte Entwickler New World Computing das Spielprinzip auf seine RPG-Marke Might & Magic um und setzte damit den Startschuss für eine der langlebigsten und erfolgreichsten Strategieserien. Doch nun kehrt die Henne zurück! Bzw. das Ei…

King's Bounty: The Legend - Tales from Endoria #8: Big Bosses10 weitere Videos

Ein Satz, der vermutlich bereits 1991, zur Zeit des originalen King’s Bounty, manchen Rollenspiel-Artikel einleitete: Zu Beginn des Spiels steht die Charakterentwicklung. Und auch der folgende Satz enthält wenig Neues: Zur Wahl stehen ein Krieger, der euren Truppen zusätzliche Schlagkraft während der Kämpfe verleiht, der Magier, der mit mächtigen Zaubersprüchen eingreift, und der Paladin, der die goldenen Mitte zwischen den beiden bildet.

King's Bounty: The Legend - Konkurrenz für Heroes of Might and Magic: Der Urvater der legendären Serie kehrt zurück!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 202/2061/206
Das Original von King's Bounty war Vorlage für die HoMM-Serie.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ein weiteres Deja Vu für alle Heroes-Spieler: Ihr bereist mit eurem Helden die Abenteuerkarte, wo euch fremde Städte, kostbare Schätze und finstere Gesellen erwarten. Stets im Gefolge: eure Armee, die zahlenmäßig kaum Grenzen nach oben kennt. Im Gegensatz zu anderen Strategiespielen verbraucht in der „King’s Bounty“- bzw. Heroes-Serie nicht jede einzelne Einheit einen Slot in eurer Aufstellung – lediglich der jeweilige Einheitentyp wird als solcher dargestellt, die letztendliche Mannstärke erschließt sich durch eine Zahl darüber. So ist es im späteren Spielverlauf durchaus nicht unüblich, dass sich mehrere Tausend Ritter, Vampire oder Spinnen in euren Reihen tummeln.

Erstmals ein Hauch von Echtzeit

Der augenfälligste Unterschied zu den Heroes-Spielen: Während ihr bisher euer Vorgehen in gemütlichen Runden planen und durchführen konntet, findet das Abenteuer von King’s Bounty in Echtzeit statt. Nur für die Kämpfe wird das Geschehen pausiert und in einen Runden-Modus verlagert, der weitestgehend dem bekannten Schlachten-Modell der Vorbilder entspricht.

Die Wahrheit über Henne und EiDie Antwort auf die ewige Frage, was zuerst da war, die Henne oder das Ei, ist gelöst. Sie lautet: das Ei. Der Grund: Ein Huhn unterscheidet sich von den Nicht-Hühnern durch sein Erbgut. Da sich dieses im Laufe eines Lebens nicht mehr ändert, kam es zum ersten Mal in einem Ei vor, dessen Quasi-Henne noch kein Huhn gewesen ist.

Was eingefleischten Fans wie Frevel erscheinen muss, erweist sich als halb so wild. Trotz Echtzeit-Spielweise kommt die für das RTS-Genre übliche Hektik niemals auf. Statt möglichst vielen Klicks pro Minute stehen bei King’s Bounty die Rollenspiel-Erfahrung und taktische Kämpfe im Mittelpunkt.

Packshot zu King's Bounty: The LegendKing's Bounty: The LegendErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Letztere funktionieren nach bewährtem Muster: Auf einem Schachbrett-artigen Schlachtfeld ziehen die Kontrahenten ihre Truppen in Runden. Die Helden greifen dabei nur indirekt ins Geschehen ein: Mit ihren Talenten beeinflussen sie Faktoren wie Schaden, Ausdauer und Moral des Fußvolks. Bei entsprechend vorhandenen Fähigkeiten entfesseln sie mit ihrem Zauberbuch Meteoritenstürme und Eisregen auf ihre Gegner.

King's Bounty: The Legend - Konkurrenz für Heroes of Might and Magic: Der Urvater der legendären Serie kehrt zurück!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 202/2061/206
Die Schlachten laufen nach wie vor in Runden ab.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Siegreiche Schlachten bringen Erfahrungspunkte, die den Skilltree gedeihen lassen wie Wasser seine natürlichen Kollegen. So weit so bekannt. Seine Daseinsberechtigung erkauft sich King’s Bounty einerseits durch das überschaubare Angebot vergleichbarer Titel auf dem Markt, andererseits durch das nach wie vor und bereits nach Sekunden wirkende Heroes-Suchtprinzip. WoW-Geschädigte entlocken dem Autor dieser Zeilen jedenfalls seit jeher nur ein müdes Lächeln, weiß er doch als Heroes-Junkie bestens über die unerbittliche Motivationsspirale des „Nur noch eine Quest – bis in die Morgenstunden“ Bescheid.

Weniger Strategie, mehr Rollenspiel

Apropos Quests: Diese existierten in der Heroes-Serie bislang nur als Randnotiz. In King’s Bounty werden sie in den Rang einer zentralen Spielkomponente berufen. Ging es in den Quasi-Vorgängern in erster Linie darum, die Truppen des Gegners niederzuringen und seine Städte zu besetzen, erhaltet ihr nun allerorts Aufträge der Marke: „Töte bitte alle fleischfressenden Pflanzen auf meinem Acker“, „Finde meinen verlorenen Ring wieder“ oder „Bring mir soviel Gold ich tragen kann“.

King's Bounty: The Legend - Konkurrenz für Heroes of Might and Magic: Der Urvater der legendären Serie kehrt zurück!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 202/2061/206
Statt Städtebau gibt es in King's Bounty Quests.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Damit vollzieht King’s Bounty einen weiteren großen Schritt in Richtung Rollenspiel und dürfte dem ohnehin schon unwiderstehlichen Spielprinzip einen zusätzlichen Suchtfaktor hinzufügen. Dass sich die Reihe insgesamt immer weiter von seinen Strategiewurzeln entfernt und zum RPG mutiert, zeigt sich auch bei der Entscheidung der Entwickler, den Städteausbau der Vorgänger komplett zu streichen.

King’s Bounty vs. HoMM: Die Henne zeigt den Eiern, wer die dicksten hat.Ausblick lesen

Anstatt seine teuer erkämpften Ressourcen in die Errichtung neuer Gebäude zu stecken und der eigenen Stadt beim Gedeihen beizuwohnen, rekrutiert der Spieler in King’s Bounty seine Einheiten bei freistehenden Immobilien auf der Abenteuerkarte. Ob dies der Motivation wirklich dienlich ist, wird erst der Langzeittest zeigen.

King's Bounty: The Legend - Konkurrenz für Heroes of Might and Magic: Der Urvater der legendären Serie kehrt zurück!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 202/2061/206
Auch bei King's Bounty zählt nicht nur Macht, sondern auch Magie.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch bei der maximalen Anzahl rekrutierbarer Einheiten hat sich in King’s Bounty Wesentliches verändert: Galt in der Heroes-Serie stets das Motto: „The Sky is the Limit“ – wobei mit „Sky“ vor allem die Tiefe des eigenen Portemonnaies gemeint war -, wird die Truppenstärke in King’s Bounty zusätzlich durch den Führerschaft-Wert des Helden nach oben hin beschränkt. Übermächtige Armeen und Tank-Rush-Taktiken sollen auf die Weise vermieden werden.

Durch die verringerte Schlagkraft der Einheiten erhält die Magiebegabung des Helden wiederum eine umso höhere Gewichtung. Hierbei kommt auch eine Art „Büchse der Pandora“ zu ihrem Auftritt, die der Held während seines Abenteuers in Besitz nimmt. Darin eingeschlossen sind vier mächtige Zorngeister, deren übernatürliche Kräfte der Spieler zu seinen Gunsten entfesseln und für vernichtende Aktionen auf dem Schlachtfeld einspannen kann.