„Heroes of Might & Magic“-Suchtopfer sind auf Zwangsentzug, seit Ende 2007 das letzte Addon zum fünften Teil der ruhmreichen Reihe erschien. Vom sechsten Teil noch immer keine Spur, müssen nun andere in die Bresche springen und für erneute Abhängigkeit unter Fanscharen sorgen. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Wer in Bezug auf das einzigartige „HoMM“-Spielprinzip suchtgefährdet ist, sollte um „King’s Bounty: Armored Princess“ besser gleich einen weiten Bogen machen.

Wie „HoMM“, nur anders

Die Faszination ist leicht erklärt: In einem wunderschönen, vor augenzwinkernd verpackten Klischees nur so strotzenden Fantasyszenario stiefeln Spieler in Gestalt der kessen Prinzessin Amelie über eine detailreiche Abenteuerkarte. Auf dem Weg zur ruhmreichen Heldin erfüllen sie massig Quests, fechten rundenweise Kämpfe in bester „Heroes of Might & Magic“-Manier aus, steigen im Level auf, verbessern Fertigkeiten und werden immer mächtiger.

King's Bounty: The Armored Princess - Lass mich dein Prinz sein!

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David gegen Goliath: Die teils riesigen Zwischengegner sind imposant und mächtig.
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Größter Unterschied zu HoMM: „Armored Princess“ läuft genau wie der Vorgänger „King’s Bounty“ auf der Abenteuerkarte in Echtzeit ab, nur im Kampfmodus wird rundenweise gekloppt. Darüber hinaus ist der Strategie-Anteil minimalistisch. Städte ausbauen, Minen erobern – Fehlanzeige. Stattdessen stehen die Erforschung und der Ausbau der eigenen Spielfigur im Vordergrund.

Packshot zu King's Bounty: The Armored PrincessKing's Bounty: The Armored PrincessErschienen für PC kaufen: ab 0,89€

Die dadurch gewonnene Dynamik opfert „Armored Princess“ leider, wie schon der Vorgänger, für lange Laufwege. Immer wieder müssen die zahlreichen Inseln der Spielwelt abgeklappert werden, um Quests zu erfüllen oder frische Einheiten zu rekrutieren. Die unterschiedlichen Truppentypen sind bunt über alle Karten verteilt. Nachschub ist somit nicht zentral zu erhalten, sondern muss quer über die Spielwelt verstreut eingekauft werden. Nach einigen Spielstunden darf sich Amelie zwar in die Lüfte erheben, um schneller Distanzen zurück zu legen. Am permanenten „Insel-Hopping“ ändert das freilich aber nichts.

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Luftig: Heldin Amelie kann sich in die Lüfte schwingen, um Distanzen schneller zu überbrücken.
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Schade auch, dass die Aufgaben selbst noch immer sehr trocken über unvertonte Texttafeln präsentiert werden. Stimmungsvolle Animationen und inszenatorische Highlights köcheln auf Sparflamme. „Armored Princess“ fordert ebenso wie Bücher Vorstellungsvermögen vom Spieler.

Innovations- müdigkeit

Den Ungereimtheiten und nicht ausgereizten Möglichkeiten der Verbesserung zum Trotz: Einige kritische Anmerkungen zum Vorgänger haben die Entwickler doch zur Kenntnis genommen und ausgemerzt. Die Zorngeister etwa, vier mächtige Wesen, auf deren einzigartige Fähigkeiten Spieler einmal pro Kampfrunde zurück greifen konnten, wurden wegrationalisiert und durch einen „Babydrachen“ ersetzt.

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Ein Traum in Dunkelblau: Die Schlachtfelder strotzen nur so vor Kreativität.
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Das vereinfacht den Umgang mit der zusätzlichen „Magie-Ebene“. Statt gleich vier Kreaturen mit jeweils ebenso vielen Fähigkeiten im Blick behalten zu müssen, können sich Spieler nun auf ein Wesen konzentrieren und dessen Skills dafür umso stärker den eigenen Wünschen anpassen. Von unterstützenden Fähigkeiten wie zusätzlichen Manakugeln über starke Einzelattacken bis hin zu alles vernichtenden Feuerstürmen reicht die Palette des Lindwurms.

Klein, aber fein: Verbesserungen im Belohnungssystem, quasi die Suchtnadel von „Armored Princess“. Neben Skillpunkten, immer mächtigeren Zaubersprüchen und Einheiten sowie den zahlreichen aufrüstbaren Gegenständen haben die Programmierer nun auch Achievements eingebaut. Für eine bestimmte Anzahl ausgegrabener Schätze oder verlustfreie Kämpfe hagelt es additiv Boni, etwa erhöhte Charakterwerte oder größere Manavorräte. Das motiviert und spornt an, besonders taktisch vorzugehen, um die besten Errungenschaften einzuheimsen.

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Bruder im Geiste: Die Inszenierung der Schlachten erinnert frappierend an die „Heroes of Might & Magic“-Serie.
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Behutsame Optimierungen, identische Grafik-Engine und einige verpasste Chancen für grundlegende Verbesserungen: Wer sich von „Armored Princess“ ein umfassend renoviertes „King’s Bounty 2“ erhofft, könnte enttäuscht werden. Vielmehr sind Amelies Abenteuer „mehr vom Gleichen“ und erfüllen damit die Voraussetzungen eines epischen, weit über 40 Stunden langen Stand-alone-Addons. Innovationslustigen Naturen könnte das sauer aufstoßen. All diejenigen, die die Suchtwirkung von „King’s Bounty“ aber bereits kennen und lieben gelernt haben, dürfte der Umstand nur entgegen kommen.