Satte 72 Stunden soll ich „King Arthur: The Roleplaying Wargame“ gespielt haben. Sagt jedenfalls Steam. Das heißt im Umkehrschluss, dass der Mix aus Rollenspiel und Runden- sowie Echtzeitstrategiespiel trotz einiger Macken eine Menge richtig gemacht haben muss. Teil 2 setzt nun dort an, wo der Vorgänger endete. Doch leider schlägt das Pendel diesmal zur anderen Seite aus.

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Dabei ist die Vorfreude auf dieses Sequel eigentlich ziemlich groß. Die Artus-Sage, verzahnt mit den Mythen um den Heiligen Gral und den mächtigen Zauberer Merlin, fasziniert mich schon seit einer gefühlten Ewigkeit und daher kommt mir dieser erneute Ausflug nach Britannien sehr gelegen. Endlich wieder eine dicke Ritterrüstung überstreifen und der bösen Brut Saures geben!

Der Heilige Gral ist kaputt: Spielerus Interruptus

Bis es so weit ist, muss man jedoch etliche ewig lange Ladebildschirme über sich ergehen lassen - womit wir gleichzeitig bei einem der vielen Schwachpunkte angelangt wären: der sauschlechten Performance des Spiels. So warte ich beim Neustart, Laden der Kampagne oder dem Betreten eines Schlachtfeldes nicht nur oft minutenlang. Manchmal stürzt das Ding dabei sogar vollkommen ab. Gerade während der Echtzeitschlachten stottert die Darstellung zudem oft im unspielbaren einstelligen FPS-Bereich herum und vergällt auch dem größten Enthusiasten den Spaß.

Leider ist dies noch lange nicht der einzige Makel, den King Arthur 2 nach dem Installieren auf die Festplatte mitbringt. Neben einer Reihe von kleineren Bugs, die etwa zu falschen Anzeigen bei erbeuteten Artefakten führen, provozieren einige Fehler sogar den vorzeitigen Spielerus Interruptus. Entweder stürzt das Spiel unversehens ab oder - noch viel schlimmer - bleibt schlicht in einem Handlungs-Loop stecken.

King Arthur 2 - The Roleplaying Wargame - Die runde Tafel hat Ecken und Kanten

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King Arthur 2 verspricht epische Schlachten...
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Man kann in solchen Situationen von Glück reden, wenn ein Speicherstand existiert, der nur wenige Minuten zurückliegt und kritische Punkte noch nicht übersprungen hat. Selbst nach mehreren veröffentlichten Patches ist es den ungarischen Entwicklern Neocore Games nicht gelungen, diese Probleme aus der Welt zu schaffen.

Das ist äußerst bedauerlich, denn auch der zweite Teil dieser Genre-Mischung macht eigentlich Spaß und motiviert mich mit seinen schön inszenierten (und jetzt komplett vertonten) Text-Quests, die moralische Entscheidungen und verschiedene Lösungswege bereithalten, und auch feinen Rätseln zum Weiterspielen. Gewiss, die Magyaren entfernen sich mit der Fortsetzung nicht allzu weit vom bekannten Spielprinzip und orientieren sich wie gehabt grob an Titeln wie Total War. Sie versuchen aber, mit einigen Detailänderungen Abläufe zu verändern und der Rollenspielcharakteristik im Vergleich zu den strategischen Komponenten mehr Gewicht zu verleihen.

Packshot zu King Arthur 2 - The Roleplaying Wargame King Arthur 2 - The Roleplaying Wargame Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

So gewinnen beispielsweise Diplomatiehandlungen deutlich an Bedeutung und die Wahl unserer Mittel in diesen Verhandlungen hat viel mehr Auswirkungen auf den allgemeinen Spielablauf, also Moral der Helden, Gegenstände oder Armee-Fertigkeiten. Erbeutete Items verteilt ihr jetzt nicht nur etwas bequemer auf weitere Heldenfiguren, ihr dürft sogar anhand von Rezepten einzigartige Machtgegenstände herstellen.

Mehr Diplomatie, weniger Reichskontrolle

Während dieser Bereich also feingliedriger ausgearbeitet wurde, spart man sich einen großen Batzen Mikromanagement an ganz anderer Stelle: Die Verwaltung des Königreichs kürzte man kurzerhand radikal zusammen. Die Bedeutung der nur noch einen Ressource (Gold, Nahrung fällt weg) sowie des Provinzmanagements sinkt insgesamt merklich. Lediglich der Ausbau der Gebäude ist letztlich noch von Belang und erfordert kaum mehr als wenige Klicks alle vier Runden, denn diese Upgrades sind wie Stufenaufstiege der Helden und Einheiten immer nur in der Winterrunde erlaubt.

Auch die Anzahl der verfügbaren Armeen wurde beschränkt, nicht jeder Held taugt zur Führung einer eigenen Truppe. Bis hinein in das dritte von fünf Kapiteln kontrolliere ich nur lediglich eine Streitmacht. Maximal befehligt ihr am Ende der Geschichte drei Heere und verliert damit wichtige Flexibilität auf der Kampagnenkarte.

Der durchaus interessante Mix aus Strategie- und Rollenspielelementen leidet unter den vielen Bugs.Fazit lesen

Zumindest bei mir kommt so viel Frust auf, weil ich das Gefühl habe, ständig von einer Baustelle zur anderen zu hetzen und doch stets unterbesetzt zu sein. Hier ploppt eine neue Quest auf (Abenteuer, Schlacht oder Diplomatie), dort machen mir die feindlichen Truppen der Fomorians bereits eroberte Gebiete streitig.

Rette Artus!

Fomorians? Ja, das sind üble Kreaturen, die mithilfe magischer Dimensionstore nach Britannien einfallen und die Gunst der Stunde nutzen. König Arthur leidet an einer mysteriösen Krankheit und sein Sohn William Pendragon, unser edler Recke, kämpft sich durch dieses Dark-Fantasy-Setting. Doch nicht nur diese Unwesen stehen der Wiedervereinigung des zersplitterten Königreichs entgegen, auch allerlei mystische Fabelwesen und abtrünnige Fürsten machen euch das Leben schwer. Schlachten gibt es also in Hülle und Fülle, und zwar als Echtzeitgefechte auf hübschen Schlachtfeldern.

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...ist aber vor allem ein Angriff der Klonkrieger.
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Auch hier modifizierte Neocore das grundlegende Spielprinzip nur im Detail. Wir bekämpfen die dunkle Brut also mit einer Mischung aus (viel) Magie und taktischem Einsatz der verschiedenen Einheiten. Neu sind beispielsweise die Flugtruppen, die jedoch insgesamt einen nur geringen Einfluss auf die allgemeine Spielbalance nehmen. Viel folgenschwerer ist die Änderung im Bereich der Siegpunkte einzuschätzen.

Während man im ersten Teil mächtige Gebäude einnahm und den Rest der Schlacht praktisch aussitzen konnte, ist dies jetzt nicht mehr möglich. Es sei denn, die KI-Fraktion ist am Drücker und nutzt die häufig unfairen Startpositionen zu ihren Gunsten aus. Ein Sieg kann unter solchen Umständen nur mit hohen Verlusten erkauft werden.

King Arthur 2 - The Roleplaying Wargame - Die runde Tafel hat Ecken und Kanten

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Das Vorbild "Herr der Ringe" ist unverkennbar.
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In anderen Situationen unterlaufen den computergesteuerten Heeren aber haarsträubende Fehler, immer wieder lassen sie sich mit simplen Methoden aus der Reserve locken und tappen auf den nicht vollkommen nagelneuen Maps blindlings in Fallen. Ärgerlich ist zudem das Verhalten der eigenen Einheiten, die teils nur störrisch oder gar nicht auf meine Befehle reagieren. Wendet man sich nur kurz einem anderen Schauplatz zu, verfolgt so mancher Truppenteil ganz eigenwillige Pläne.

Ach ja, einen Mehrspielermodus haben die Entwickler übrigens erneut nicht eingebaut. Stattdessen rundet ein Skirmish-Modus für einzelne Schlachten das Geschehen ab für all diejenigen ab, die nach Abschluss der Kampagne noch mehr Gefechte gegen KI-Gegner benötigen. Abschließend noch folgender Hinweis: Trotz deutscher Installationsroutine wird anscheinend nur eine englische Version auf die Festplatte überspielt. Von daher eignet sich das Spiel derzeit nur für Interessierte mit guten Sprachkenntnissen.