Was für eine Chance. Mit Kinect Star Wars hatte die Bewegungsmaschine von Microsoft endlich die Möglichkeit, allen zu zeigen, was in ihr steckt. Zu beweisen, dass Kinect-Spiele nicht nur für Abende im angetrunkenen Zustand und hyperaktive Kleinfamilien sind, sondern einen breiten Markt erschließen können. Machen wir es kurz: Mission fehlgeschlagen.

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Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wäre...

Kinect Star Wars hätte ein ganz großes Spiel werden können. Das Problem ist dabei nur das Wörtchen "hätte". Denn "hätte" man sich mehr auf einen Modus konzentriert und diesen verfeinert, ausgebaut und besser überdacht, wäre ein solider Titel dabei herausgekommen, der Spieler und Presse gleichermaßen verzaubern könnte.

Genau das kann man dem Spiel bereits ansehen: das Potenzial zu etwas Großem. Doch stattdessen hat man sich für mehrere Modi entschieden, die jeder für sich zwar recht lustig sind, aber nie mehr sein werden als ein lustiger Spaß für zwischendurch.

Kinect Star Wars

- Die Macht ist schwach in dem da!
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Der Story-Modus hätte länger sein können. Und besser durchdacht.
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I. Der Storymodus

Der wohl geringste Grund sich Kinect Star Wars zu besorgen. Gerade einmal drei Kapitel könnt ihr spielen, die sich in maximal vier Stunden erledigt haben. Und innerhalb dieser Kapitel verkörpert ihr einen uninteressanten Niemand, der ohne fremde Hilfe kaum den Weg zum nächsten Dixi-Klo findet.

Eigentlich spielt ihr die größten Schlachten der Filme nach, seid mittendrin statt nur dabei und erlebt hautnah den Sternenkrieg im Universum. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Eigentlich fuchtelt ihr nur wie wild in der Gegend herum und versucht zu ignorieren, dass Kinect das teilweise auch mit euch tut: ignorieren.

Packshot zu Kinect Star WarsKinect Star WarsErschienen für Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Während die Machtangriffe, die ihr mit der linken Hand auslöst, noch relativ gut umgesetzt wurden und von Kinect so gut wie immer erkannt werden, habt ihr mit dem Lichtschwert schon mehr Probleme. Denn der Sensor weigert sich oft zu verstehen, was ihr eigentlich von ihm verlangt. Und so steht ihr vor eurem Feind und das Schwert zuckt in eurer Rechten unwillkürlich auf und ab... Aber es schlägt niemals zu.

Das nicht spielen du solltest. Nicht lange Freude du hättest.Fazit lesen

Das ist deprimierend und man kommt sich ein wenig blöd dabei vor. Da man sowieso nur an einer Stelle steht und dann à la Schienensystem zum nächsten Platz befördert wird, wäre es schön gewesen, wenn wenigstens die Kämpfe sauber und flüssig über die Bühne gehen würden.

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Sieht nett aus, macht aber nur bedingt Spaß: die Lichtschwertduelle.
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Aber gerade die Lichtschwertduelle sind ein Witz. Ihr blockt die Angriffe eures Feindes einfach eine Weile ab, bis ihr das "okay" zum Angriff bekommt und dann fuchtelt ihr mit eurem Lasersäbel in seinem Gesicht herum, bis ihr das ganze wiederholen müsst und der Feind endlich - wahrscheinlich aus Langeweile - aufgibt.

Diese Duelle gibt es auch als Modus zur Auswahl. Hier könnt ihr dann gegen die großen Bösewichter der Geschichte antreten. Besser wird das System dadurch leider nicht...

Es ist eines dieser Spiele, bei denen man sich dabei ertappt, dass man auf einmal nur noch Blödsinn anstellt. Denn die einzelnen No-Name-Feinde mit der Macht durch die Gegend zu werfen und gegen die nächste Wand zu schleudern, macht sehr viel mehr Spaß, als seine Armübungen mit einem unsichtbaren Schwert vor einem grenzdebilen Sensor zu praktizieren.

Mehrere kleine Mini-Aufgaben, wie das Benutzen eines Geschützturmes oder das Fliegen eines Speeders, bringen frischen und angenehmen Wind ins Spielgeschehen, lassen einen aber auch nicht in Jubel ausbrechen. Zusätzlich erfahren Star-Wars-Fans nichts Neues über die Story und Neulinge verstehen kein Wort. Da kann Kashyyyk noch so schön animiert sein.

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Soooo sauer bin ich...
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Rancor-Zerstörungs-Orgie

Dieser Modus zeigt wohl am besten, was Kinect Star Wars eigentlich ist. Ein unterhaltsames Spiel für einen Abend. Einen! Nicht mehr. Vielleicht weniger. Aber ganz sicher nicht mehr. Denn der Spaß ist schnell raus und kommt in der Regel auch nicht zurück. Nicht, weil keiner das Kind im Manne (oder in der Frau) am Leben halten kann, sondern weil dieses Kind auch etwas Abwechslung braucht.

Und so ist auch die Rancor-Zerstörung für einen Moment recht spaßig. Und die Bewegungen werden dabei von Kinect sogar gut erkannt. Viel muss man aber auch nicht tun. Auf vier Planeten schmeißt ihr Dinge durch die Gegend, fresst Bewohner und macht so viel kaputt, wie in der vorgegebenen Zeit möglich ist. Da kommt Freude auf. Aber leider auch nicht mehr als bei ähnlichen Spielen für Microsofts Bewegungssensor.

Podrennen

Der vielleicht spaßigste Teil des Spiels und der mit der größten Langzeitmotivation. Auf sechs verschiedenen Strecken brettert ihr mit eurem Flitzer durch die verschiedenen Abschnitte und jagt dem Sieg hinterher. Kinect erkennt hier alle Bewegungen ohne größere Probleme. Dafür behindern sich die verschiedenen Aktionen manchmal überdeutlich.

Ihr braucht beide Hände, um Gas zu geben. Nach vorne gestreckt macht der Wagen einen Ruck und gibt Gas. Zieht ihr sie nach hinten, drosselt ihr die Leistung der entsprechenden Turbine und könnt bremsen und in Kurven gehen. Auf Dauer geht das ganz schön auf die Arme, aber das wirkliche Problem ist das eben erwähnte.

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Der wohl spaßigste Modus im ganzen Spiel.
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Denn sobald ihr eure Arme für etwas anderes nutzt, sei es dieser verdammte Juckreiz im Gesicht, der immer dann aufkommt, wenn man sich gerade unter keinen Umständen kratzen sollte, oder die Wischbewegung, die nötig ist, um das Visier beispielsweise von Wasserspritzern zu befreien, macht die Kontrolle über den Pod Urlaub und ihr rast im schlimmsten Fall gegen eine Wand.

Auch eure Power-ups sind manchmal mehr Feind als Freund. Um zum Beispiel den Scharfschützen-Droiden oder das Schild zu aktivieren, müsst ihr einen Arm nach oben reißen. Und schon ist die schöne Kontrolle wieder flöten. Das ist ziemlich ärgerlich und schreit nach einer besseren Lösung. Trotzdem macht das Rennen am meisten Spaß und wird auch nach mehreren Runden nicht langweilig. Dafür tun irgendwann - wie gesagt - die Arme weh...

Galaktischer Tanzwettbewerb

Vielleicht der lustigste Teil dieses Spiels. Verschiedene Figuren aus dem Star-Wars-Universum legen eine flotte Nummer auf's Parkett und tanzen sich die Seele aus dem Leib. Das klingt im Falle eines C3PO oder eines Storm-Troopers nicht nur sehr lustig: ist es auch.

Man darf das Spiel an dieser Stelle auf keinen Fall zu ernst nehmen. Wieder ein Grund, warum eingefleischte Fans darauf verzichten sollten. Wer einmal Boba Fett zu YMCA (hier: Empire: Today) hat tanzen sehen, bekommt dieses verstörende Bild nie wieder aus dem Kopf. Man muss es als das nehmen, was es nunmal ist: ein witziger Zeitvertreib für Freunde, die gerade nicht viel mehr zu tun haben.

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Gewöhnungsbedürftig...
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Bei diesem Modus gab es, zumindest bei meinen Versuchen, die meisten Probleme mit Kinect. Der Sensor weigert sich einfach, so schnell zu reagieren, wie es von mir verlangt wird. Also, ich tanze ja nicht jeden Tag, aber wenn ich es tue, will ich, dass mir wenigstens die seelenlose Microsoft-Maschine dabei zuguckt...

Und als Sahnehäubchen...

Die Grafik des Spiels ist nicht wirklich das, was man von dem meisten Star-Wars-Spielen gewohnt ist, aber letztendlich sehen die einzelnen Levelabschnitte und die Charaktere doch sehr nett aus. Auch der Soundtrack kann sich hören lassen. Na, ja. Kunststück. Sind es doch die mehrfach prämierten Stücke der Filme.

An anderen Stellen kann der Titel dafür nicht begeistern. Höchstens in einer Art ungewollter Komik. Die massiven Clippingfehler, ruckeligen Animationen und vielen Anzeigeprobleme, erreichen höchstens hier und da ein Schmunzeln auf den Lippen des Kinect-geplagten Spielers, meistens führen sie aber zu geschüttelten Köpfen. Die schütteln sich nämlich so lange, bis sie diese traurigen Erinnerungen wieder verdrängt haben.

Eine Möglichkeit, die ich mir auch im Bezug auf die Synchronisierung wünsche. Die ist nämlich unterirdisch, unmotiviert, hölzern... Das sind noch nette Ausdrücke. Man muss es einfach selbst gehört haben, um es zu glauben. Aber vielleicht verzichtet ihr da auch lieber drauf. Wenn man eh schon Kinect spielt, kann man auch den Fernseher auf "stumm" schalten und selber synchronisieren. Schlimmer könnt ihr es kaum machen.