Wenn Sieger und Besiegte dasselbe Fleckchen Wohnraum teilen, ist Zoff vorprogrammiert. Nach der letzten Schlacht aus Killzone 3 zerstören die Vektaner die Oberfläche des Helghast-Heimatplaneten, gewähren den Überlebenden jedoch Asyl. Der Frieden währt nicht lange.

Killzone: Shadow Fall - Co-Op Map Pack "The ATAC Tower" und "The Canal" 15 weitere Videos

Die Ausgangssituation erinnert ein wenig an das geteilte Berlin. Zwei Gesellschaften leben parallel nebeneinander her, geteilt durch eine riesige Mauer. Auf der einen Seite Prunk und Wohlstand, auf der anderen Unterdrückung und schlechte Lebensbedingungen.

Aber genau wie in der Realität zeigt sich mit der Zeit, dass keine der Parteien eine weiße Weste hat. Interessante Analogie, geht in den ersten Stunden klasse als Grundlage für einen First-Person-Shooter auf. Erst später wundert man sich ein wenig darüber, dass Protagonist Lucas trotz Zweifels in ein schwarz-weißes Gesinnungsmuster gepresst wird.

Lucas ist ein Elitesoldat, dessen Vater Opfer der Neustrukturierung wurde. Beim Verlassen der neu zugeordneten „New-Helghast“-Zone kommt er ums Leben, wodurch Lucas in der Obhut eines Soldaten landet. Rund dreißig Jahre später kehrt er dorthin zurück, um einen Terroristen zu stellen, der die Helghast gegen die Siegermacht aufstachelt.

Killzone: Shadow Fall spinnt den roten Faden der Saga geschickt weiter und gräbt dafür sogar Bioshock-typische Stilmittel aus. Über den kleinen Lautsprecher auf dem PS4-Controller vernimmt man hin und wieder Tonbandaufzeichnungen oder gefunkte Monologe des Oberbösewichts. Kleine Schalterrätsel, etwa das Schließen eines Generatorstromkreises und spektakuläre Stunt-Einlagen, lenken vom Balleralltag ab. All das garniert mit schöner Next-Gen-Grafik? Kann doch nur ein Hit werden, oder? Könnt schon einer sein, aber es fehlt noch eine wichtige Komponente. Sie heißt Atmosphäre.

Killzone: Shadow Fall - Höhenrausch im Bleigewitter

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Wow. Die Masse an Objekten, die Killzone in eine Szene presst, und das Licht sind wunderbar. An anderen Ecken hapert es ein wenig, aber das Spiel geht technisch schon in eine sehr gute Richtung.
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Abseits weniger Momente, in denen man den harten Ton zwischen den Parteien spürt – etwa an Grenzkontrollen –, scheint keine echte Gefahr zu bestehen. Auch der Hauptcharakter erfährt wenig Aufmerksamkeit. Lucas stolziert durch New-Helghast, als ob er unbesiegbar wäre, und scheint emotional wenig involviert. Na klar, als Elitesoldat wäre das anzuraten. Erzählerisch schleift das trotzdem.

Packshot zu Killzone: Shadow FallKillzone: Shadow FallErschienen für PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Killzone: Shadow Fall handelt viele Handlungspunkte in ermüdender Routine ab. Selbst die Bioshock-Anleihen wirken halbherzig in Szene gesetzt und eher nervig als faszinierend, was beim immer gleichen Einerlei eines First-Person-Shooters durchaus bemerkenswert ist. Guerilla Games hofft, diese Lücke mit der schönen Kulisse zu stopfen, was stellenweise ganz gut klappt.

Schöne Szene: Lucas krallt sich an einem Seil fest, das von einem Hubschrauber herunterbaumelt, und wird einmal quer durch eine Straßenschlucht zwischen gigantischen Hochhäusern geschleift. Balanciert er auf dem Schienensystem der Hochbahn, fällt sogar das gesamte Antlitz der darunterliegenden Mega-Metropole in das Blickfeld. Da kann einem glatt schwindelig werden.

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Das Waffengefühl ist wieder einmal ziemlich stark. Die Wucht dahinter spürt man ganz gut.
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Atmosphärische Einbußen entstehen im Balleralltag dazwischen. Die Helghast sind in der Regel angriffslustig und nicht unbedingt dumm, sofern sie den Protagonisten erspähen. Aber sie traben im fortschreitenden Spielablauf in immer größeren Wellen an und wirken oft beliebig platziert.

Von New Helghast bis in den Weltraum

Beliebig heißt, ihre Position hat nicht immer Auswirkung auf den Spielverlauf. Einige Helghast bemerken Lucas nicht einmal, wenn er einen indirekten Weg einschlägt, zehn Meter nebenan wie ein Elefant durch den Porzellanladen stolziert und Kollegen im Sichtradius umnietet. Sie stehen in der Landschaft wie Zinnsoldaten. Die perfekte Einladung für einen sauberen Kopfschuss. Da mag man innerlich ab und zu kichern. „Oh Mann, sind die blöd“. Aber dem Spiel trägt es wenig zu.

Grafisch nett, spielerisch ok. Killzone: Shadow Fall nutzt das vorhandene Potenzial der Handlung leider nicht aus.Fazit lesen

Zum Glück ist das nicht die Regel. Oft genug füllen ihre orangefarben glühenden Augen die Szenerie. Panik bleibt trotzdem aus, denn Lucas ist erstklassig bewaffnet und macht dank zweierlei Schusstypen plus einer neuen Duckroutine Frauen ganzer Kompanien im Alleingang zu Witwen. Leider Shooter-Alltag ohne Profil, ohne Reflexion.

Im Alleingang? Nicht ganz! Eine kleine Kampfdrohne flieg stets in Lucas' Reichweite. Eines von vier verschiedenen Wischkommandos auf dem Touch-Feld des Controllers weist dem Begleiter eine Aufgabe zu, sei es der direkte Angriff naheliegender Widersacher oder das Spannen eines Seils. Die Eingabe über das Touch-Pad funktioniert zwar, wirkt aber unnötig. Das hätte mit einfachen Knopfkommandos schneller hingehauen. Der Nutzen dahinter bleibt den Programmierern vorbehalten. Das Spiel zu bereichern liegt ebenfalls weit ab vom Talent der Drohne. Sie ist ein Alibiwerkzeug, ebenso wie er Scanner, mit dem man Feinde bereits auf viele Meter Entfernung lokalisieren darf. Schade.

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Letztendlich bleibt die Faszination an Killzone: Shadow Fall an der Grafik hängen. Ohne Zweifel ein Hingucker der nächsten Generation, möchte man meinen, wenn man über den Dächern der Stadt baumelt. Dabei zeigt Killzone vornehmlich Masse und nicht ganz so viel Klasse. Und mitnichten fehlerfrei. Licht und Schatten wirken an einigen Stellen ziemlich grob. Wer das ein Jahr alte Bioshock Infinite zum Vergleich heranzieht, stellt mit Erschrecken fest, wie plump der Lichteinfall gelöst wurde. Gleiches bei den Last-Gen-Spiegelungen, von denen es lediglich mehr gibt als bislang gewohnt. Einige Schatten zittern auffällig.

Schaut man genau hin, findet man viele Texturen, die nicht so scharf sind, wie sie sein könnten, gerade in geschlossenen Räumen. Die größte grafische Enttäuschung liegt zudem in einem Raumschiff im Orbit des Planeten verborgen. In einigen Gängen setzt Guerilla Texturen an die Seitenwand, die so grob und schwammig aussehen, dass man sich an das Nintendo 64 erinnert fühlt. Uff. Da hat wohl jemand vergessen, eine zweite Texturschicht darüber zu stülpen.

Killzones grafische Masse entschädigt dafür. Es gibt von allem viel. Viel Landschaft, viele Häuser, viel Bumm-Peng, viele Texturen, viele Frames per Second. Bis zu sechzig sind's (im Mehrspielermodus), was man der Hardware durchaus zugutehalten darf. Allerdings arbeitet die Engine hart an der Grenze. Gelegentliche Ruckeleinlagen und Frame-Drops kann man nicht leugnen. Für ein Startspiel der neuen Generation trotzdem schick anzusehen und in der Regel absolut flüssig.

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Wie gesagt: Die vermittelte Weite mit der hohen Anzahl an Objekten ist grandios, dafür hapert es technisch an anderen Ecken.
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Weitere Kaufargumente fährt Killzone: Shadow Fall im Mehrspielermodus auf. Drei wählbare Klassen mit unterschiedlichen Fähigkeiten sorgen für Arbeitsteilung auf dem Schlachtfeld und ein distinktives Waffenrepertoire. Inklusive Aufrüstungsmöglichkeiten, die über Tausende von Unteraufgaben freizuspielen sind. Von Meucheleinsätzen bis hin zum plumpen Killing-Spree.

Bis zu 24 Teilnehmer nehmen sich auf diversen Karten aufs Korn, von denen es in Zukunft noch mehr geben wird. Angeblich sogar kostenfrei. Von Capture the Flag bis zum puren Deatmatch ist so ziemlich alles vorhanden, was in First-Person-Shootern zum Standard gehört.