Vier Jahre hat das niederländische Studio Guerrilla Games gebraucht, um die Ego-Shooter-Fortsetzung Killzone 2 fertigzustellen, die nun exklusiv für die Playstation 3 an den Start geht. In dieser Zeit lag auch das PR-Destaster in Form eines gewissen Render-Trailers, der die Spieler weltweit auf die Barrikaden brachte und den Titel schnell in ein negatives Licht rückte. Vorbelastet mit solchen Rahmenbedingungen geht das Spiel nun nicht nur ins Rennen um die Gunst der Actionspieler, er trägt darüber hinaus auch die Bürde, Sonys Konsole als sogenannter "Systemseller" weitere Marktverbreitung zu sichern.

Die Invasion von Helghast in Bild und Ton: Nach dem Lesen des Artikels unbedingt unser gamona Video-Review zu Killzone 2 anschauen!

Killzone 2 - Making of #112 weitere Videos

Der Gegenschlag

Dabei ist Killzone 2 erstmal nur eins: ein geradliniger Science-Fiction-Shooter, der von Beginn an kräftig auf die Tube drückt und euch mit seiner Intensität schier an die Wand presst. Dafür bedient man sich hier nicht eher platter Gewaltorgien, wie beispielsweise Kettensägengemetzeln, wie sie in einem indizierten Konkurrenzspiel an der Tagesordnung stehen. Bereits das optisch imposante Introvideo stellt euch auf einen unbarmherzigen Überlebenskampf ein, bei dem ihr als Soldat der ISA (Interplanetarische Strategische Allianz) an der interplanetaren Invasion von Helghan teilnehmt.

Killzone 2 - Auf dem Prüfstand: Sonys Halo-Killer ist endlich da

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Dieses Mal geht es den Helghast im eigenen Territorium an den Kragen.
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Die ehemalige Erdkolonie wird vom Diktator Scolar Visari beherrscht und der hatte im ersten Teil versucht, sich die Kolonie Vecta unter den Nagel zu reißen. Nachdem diese Attacke zurückgeschlagen wurde, geht die ISA nun zum Gegenschlag über und will die Kontrolle über den verseuchten Planeten zurückzugewinnen. Ihr zieht dabei als ein gewisser "Sev" ins Gefecht, einem Soldaten der Spezialeinheit "Trupp Alpha". Gemeinsam mit euren treuen Kameraden, die euch in den zehn Missionen der knapp neunstündigen Einzelspielerkampagne fast immer zur Seite stehen, kämpft ihr euch durch die verwinkelten und zu großen Teilen bereits zerstörten Straßen der feindlichen Hauptstadt.

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Die Story wird selbstredend in schicken Ingame-Sequenzen erzählt.
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Dass dies alles andere als ein Zuckerschlecken ist, wird euch bereits in der Anfangssequenz geschildert. Doch wenn ihr dann den Helghast gegenübersteht, mit ihren rot-leuchtenden Augen in den Gesichtsmasken, stellt sich sofort ein Gefühl direkter Bedrohung ein. Viel Zeit nachzudenken bleibt euch jedoch nicht, ohne lange Umschweife geht es sofort ab ins erste Gefecht und eine visuell höchst ansprechende Umgebung.

Ein grafisches Brett

Ja, Killzone 2 befindet sich grafisch absolut auf der Höhe der Zeit, in vielen Aspekten ist man der Konkurrenz sogar voraus. An erster Stelle seien hier nicht mal die tadellosen Texturen oder hoch aufgelöste Details genannt, die locker in der ersten Liga mitspielen. Auffällig ist, neben einem eher dunklen und grobkörnigen visuellen Eindruck, vom ersten Moment an vor allem die superbe Ausleuchtung des Spiels, mit tollen Effekten, die das Auge verwöhnen und eine bizarre Atmosphäre entstehen lassen.

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Eine Wucht: Die Grafik gehört mit zum Besten, was es im NextGen-Bereich derzeit zu bestaunen gibt.
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Herausragend ist in diesem Zusammenhang auch die Visualisierung von volumetrischen Rauchsäulen und Staubstürmen, die überaus realistisch nachgebildet und vom virtuellen Wind bewegt werden. Nichts für Leute mit Motion-Sickness ist die sehr gut umgesetzte Bewegungsunschärfe, die einen sehr guten Eindruck von Geschwindigkeit und Lebendigkeit vermittelt. Abgerundet wird dieser hervorragende visuelle Eindruck von absolut flüssigen Animationen, die über jeden Zweifel erhaben sind. Das i-Tüpfelchen dabei: die Nachladeanimationen, an denen man sich kaum sattsehen kann.

Während Killzone 2 optisch also massig Punkte sammelt, schlägt man sich spielerisch zunächst mehr schlecht als recht durch die ersten Gefechte. Das liegt in erster Linie an der Steuerung, die wir auch schon in unseren ausführlichen Previews bemängelt haben. Leider sah Guerrilla Games hier wohl keinen Handlungsbedarf, ganz im Gegensatz zu uns.

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Genial: Die Ausleuchtung ist beinahe perfekt gelungen.
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Das Handling ist daher nach wie vor nicht nur sehr gewöhnungsbedürftig und die Pad-Belegung mehr als diskussionswürdig (leider lassen die Einstellungen keine individualisierte Zuweisung der Tasten zu). Die Steuerung wird eines aktuellen Shooters von dieser Qualität und diesen Ansprüchen nicht gerecht. Zum einen gibt es, nicht mal optional, keine Zielhilfe. Womit man ja als Actionfan durchaus noch leben kann, Anfänger aber bereits ihre Probleme bekommen.

Schwerer Makel

Was aber gar nicht geht, ist das viel zu schwammige Aiming, bei dem das Fadenkreuz teilweise hilflos über den Bildschirm tanzt. Das gleicht meist einem aufreibenden Herumgeeier - die für einen Ego-Shooter so dringend benötigte Präzision bleibt dabei leider auf der Strecke. Als Resultat hat man selbst im "Zielmodus" meist das Gefühl, aus der Hüfte heraus zu ballern. Die Konsequenz: Man verwackelt die meisten Schüsse und jagt so manches Magazin sinnlos in das Gemäuer der in Ruinen liegenden Stadt, anstatt seine Gegner zu beharken.

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Die Steuerung ist nicht optimal...
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Da diese auch noch überproportional viel Blei vertragen, geht regelmäßig ein ganzes Magazin nur für einen einzigen Widersacher flöten und das frustriert schnell. Da stehen beispielweise zwei Helghast offen vor unserer Wumme und wir ballern volles Pfund drauf, und doch steht noch mindestens einer von beiden und sucht sogar den Nahkampf.

Nach einiger Zeit gewöhnt man sich an diesen Umstand und entwickelt entsprechende Ausweichhandlungen, weshalb der Spielablauf (trotzdem) intensive Schlachten ermöglicht. Meist hangelt ihr euch dabei in linear geführten Levels von einem Kontrollpunkt zum nächsten und klappert die vorgegebenen Missionsziele ab. Hierbei unterscheidet sich Killzone 2 nicht von seiner Konkurrenz. Man gibt sich jedoch Mühe, die Aufgabenstellungen zu variieren und euch optionale Wege zum Ziel zu ermöglichen.

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...den Vogel schießt jedoch das schwammige Aiming ab.
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Häufig führen euch diese Wege durch enge Korridore, wo Häuserkampf dominiert, über kleinere Scharmützel in unübersichtlichen Alleen bis hin zu großen Plätzen, wo nahezu offene Feldschlachten geschlagen werden. Während sich eure KI-Kameraden meist eher passiv verhalten und sogar bisweilen angeschossen zu Boden sinken (von euch jedoch wiederbelebt werden können), agieren die Helghast natürlich deutlich aggressiver.

Clevere KI-Feinde

Und sogar durchaus clever. Die mit kaum verhüllter Nazi-Symbolik zur Schau gestellten Widersacher nutzen vorhandene Deckung, nehmen euch ins Kreuzfeuer oder versuchen euch zu umgehen. Dabei erreichen sie zwar kein F.E.A.R.-Niveau, stellen aber meist ernst zu nehmende Feinde dar. Nur selten stehen sie dumm in der Gegend rum oder lassen sich auf offenem Feld wie Zielscheiben abballern. Das ist insgesamt fordernd und motiviert.

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Die Gegner verhalten sich äußerst clever und fallen euch auch schon mal in den Rücken.
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Bisweilen ist es jedoch nicht ganz einfach die Richtung, aus der man beschossen wird, korrekt und vor allem schnell genug zu bestimmen, was aus der eher schlecht umgesetzten Trefferzonenanzeige resultiert. Bis man realisiert hat, dass der Schütze über uns und nicht hinter uns positioniert ist, kann es auch schon zu spät sein, obwohl Sev doch einiges einstecken kann.

Herausragender Shooter mit Referenzniveau, der jedoch einen Makel trägt.Fazit lesen

Man beißt auch deshalb zwar immer mal wieder selber ins Gras bzw. den harten Beton, dank meist fairer Speicherpunkte ist das aber kein Problem. Solide umgesetzt wurde zudem das Deckungssystem, mit dem ihr euch dem feindlichen Feuer entziehen könnt. Schade hingegen, dass man (abgesehen von einem eher schwachbrüstigen Revolver) immer nur einen Schießprügel mit sich herumschleppen darf.

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Zum Glück seid ihr regelmäßig im Team unterwegs.
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Diese Einschränkung zwingt euch immer wieder zur Entscheidung, welchen Waffentyp ihr mit euch herumschleppen möchtet. Dabei kann man ja im Vorhinein gar nicht wissen, welche Situation einen hinter der nächsten Ecke erwartet. Dieser Umstand wird zwar durch das Gamedesign insofern abgemildert, dass euch häufig mit ausreichend Waffennachschub versorgt. Ich persönlich schleppe aber lieber immer eine vernünftige Zweitwumme mit mir herum. Wer in Neukölln aufgewachsen ist, weiß so etwas zu schätzen ...

Intensive Gefechte, kein Kooop

Guerrilla Games schafft es aber trotzdem immer wieder die Spannung hochzuhalten, und eine dichte Shooter-Atmosphäre zu erschaffen. Das liegt nicht allein am gelungenen Soundgewitter, das euch mit satten Waffensounds und allerlei anderen akustischen Effekten sowie einer komplett (und soliden) deutschen Synchronisation versorgt. So wirken die Schrittgeräusche unseres Protagonisten tatsächlich "schwer", was vor allem deutlich wird, wenn man Metallböden bzw. Leitern betritt.

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Der Multiplayer-Modus gefällt, einen Koop haben wir jedoch vermisst.
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Aber auch andere kleinere Spielereien sorgen für ein mehr an Spieltiefe, wenn man etwa mithilfe des Bewegungssensors des Sixaxis-Controllers Sprengladungen anbringt und Ventile öffnet oder aber beim Scharfschützengewehr das Gamepad ruhig halten muss, um die Schüsse nicht zu verziehen. An anderer Stelle rumpeln euch auf einer Treppe Steinbrocken der zerstörten Fassade entgegen und geben euch tatsächlich das Gefühl, Teil eines Gefechts zu sein.

Leider könnt ihr dieses Erlebnis nicht mit einem Freund teilen, denn auf einen Koop-Modus hat man unverständlicherweise verzichtet. Dabei könnte doch eigentlich ein Spielkamerad in die Rolle eines der KI-Soldaten im Team-Alpha schlüpfen. Bereits Resistance 2 enttäuschte in dieser Kategorie und Killzone 2 lässt PS3-Fans dabei erneut im Regen stehen. Multiplayer-Liebhaber werden jedoch nicht nur durch eine weitreichende Konfigurierbarkeit des Spielablaufs und alle gängigen Spiel-Modi hervorragend bedient, schließlich dürfen gleich 32 Spieler gleichzeitig in die Online-Gefechte ziehen und dabei jede Menge neuer Ränge oder auch Orden für die sieben Klassen freischalten.

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Die Online-Gefechte sind klassenbasiert, für gewonnene Spiele gibt's Erfahrungspunkte.
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Diese sind sogar miteinander kombinierbar, sodass jeder Spieler Charaktere erschaffen kann, die seinem Spielstil entsprechen. Besonders interessant sind zudem die kleinen Einsatzteams mit bis zu vier Mitgliedern. Diese 4er-Einheiten genießen auf den Schlachtfeldern im Vergleich zu Einzelspielern gewisse Vorteile (z. B. gemeinsamen Voice-Chat, Spawn beim Squad-Leader), die den taktischen Ansatz des Multiplayer-Modus stärken und fördern. Und somit wieder dem Clan-Gedanken Rechnung trägt, der von den Entwicklern sowohl technisch als auch durch die Organisation von Turnieren unterstützt wird. Langfristiger Spielspaß sollte also gewährleistet sein.