Hirn aus, Deathmetal aufs Ohr und Waffe im Anschlag: Wenn die untoten „Zeds“ mit Gebrüll anstürmen, fragt niemand mehr nach Anspruch und Moral, also Bleipumpe marsch! Killing Floor 2 ist ein Splatterfest ohnegleichen, ohne großen Anspruch, ohne hochtrabende Strategie und ohne nennenswerten Einzelspieler-Modus. Völlig Wurst, denn wenn bis zu sechs schießwütige Spieler im Online-Match zusammenkommen, bleibt kein Auge trocken.

Killing Floor 2 - Full Release Launch TrailerEin weiteres Video

Wenn es um Zombies und beklemmendes Geballer geht, setzen viele Studios auf düsteren Touch, blasse Farben und größtmöglichen Schreckfaktor. Aber es geht auch anders. Schrill, bunt, schnell, und völlig überdröhnt kommt Killing Floor 2 daher. Eine dreiminütige Runde fühlt sich an, als ob einem das Gehirn in der Mikrowelle weichgekocht würde.

Vor den Augen stolzieren enthäutete Waffenträger, grüne Fettklöße, die literweise Glibber kotzen, feuerspuckende Muskelberge sowie spinnenartige Krabbelmutanten mit messerscharfen Auswüchsen. Es bleiben nur zwei Optionen: Rein da und alles niederballern, oder die Beine in die Hand nehmen. Dank der geradezu betäubenden Metal-Musik, die den akustischen Hintergrund mit gefühlten 1600 Beats pro Minute, schreienden Gitarren und wilden Growl-Vocals anreichert, denkt man allerdings nur selten an Flucht. Das Adrenalin läuft in Bächen aus Augen, Mund und Nase, während man jede Gegnerwelle mit eisernem Willen und bleiernen Projektilen ins Nirwana befördert.

Killing Floor 2 - Splatterfest auf Deathmetal

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 61/631/63
Sieht nach Spaß aus und das ist es auch.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Billig, anspruchslos, aber meine Herren: irre befriedigend! Klar trieft das Spiel nur so vor Klischee. Hier stehen Säulen, die aus Skeletten bestehen und Gemäuer stützen, die aus jedem dahergelaufenen Dracula-Streifen stammen könnten. Dort schmückt gotischer Stuck den Fenstersims, der nach ein paar Schüssen auf die Meute vor roter Soße trieft. Überall verspieltes Licht, mal blau, mal golden, mal rot, aber nie wirklich realistisch. Killing Floor 2 mag spielerisch mit Valves Left 4 Dead verwandt sein, aber grafisch wie musikalisch herrscht im Werk von Tripewire Interactive endlose Dauerbelastung. Es geht um in Code gegossene Hyperaktivität, die lediglich durch kurze Einkaufspausen zwischen den Gegnerwellen unterbrochen wird und so lange anhält, dass einem manchmal der Puls durch die Arme zu pochen droht. Geil!

Ballern und Einkaufen- Der Kreis des Lebens

Die kurzen Shopping-Pausen könnte man mit gutem Willen als strategische Einflechtung betrachten. Aber irgendwie will das aufgrund der Auswahl zwischen „große Wumme“ und „noch größere Wumme“ nicht so recht passen. Panzerung, Granaten und Munition nachschaufeln reicht zudem oft, um die nächste Welle einigermaßen schadlos zu überstehen, darum bietet die Einkaufskapsel, die während der Angriffswellen verschlossen ist, auch eine Blitz-Einkauf-Option, die mit einem kurzen Knopfdruck alles nachlädt, was zuneige gegangen ist – ganz ohne Menügewusel. Viel Zeit bleibt so oder so nicht, zumal man den ganzen Weg bis zur Kapsel stiefeln muss. Eingeblendete Pfeile zeigen den kürzesten Weg auf, und doch sind die Areale in der Regel so groß, dass zu ausgiebige Einkaufstouren den Verlust einer strategisch wertvollen Position nach sich ziehen.

Packshot zu Killing Floor 2Killing Floor 2Release: PC, PS4: 18.11.2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Je nach Wahl vor Spielstart sind vier, sieben oder zehn Wellen an Unholden zu überstehen, bevor einer von lediglich zwei der großen bösen Bosse antritt – was abhängig von der Zahl der Mitspieler und der gewählten Karte mal mehr und mal weniger Teamwork verlangt. Geiz ist nicht geil! Verdiente Kohle an Kumpanen abzugeben kann dessen Überleben und sichern und den Sieg garantieren. Ebenso wie der richtige Umgang mit den Klassen samt zugeschriebenem Arsenal.

Killing Floor 2 - Splatterfest auf Deathmetal

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Okay, was zur Hölle ist hier gerade passiert?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

So sind Nahkampfwaffen nicht immer von Nachteil, auch wenn man die Zombiemeute nah heranlassen muss. Immerhin schnetzelt ein Katana gerne mal drei Gegner auf einmal in mundgerechte Gammelfleisch-Buletten. Ängstlichere oder brutalere Naturen, die nicht gerne auf Tuchfühlung gehen, setzen lieber auch bleispritzendes Arsenal, müssen dafür aber genauer zielen und effizienter treffen. Respektable Treffer wie etwa direkte Kopfschüsse werden nicht nur durch das sofortige Ableben des Gegners belohnt, sondern auch mit genüsslich einsehbaren Zeitlupen-Aufnahmen samt ergiebig spritzender Himbeersoße und frei fliegenden Gliedmaßen. Da schaut man gerne hin – sofern man billigem Splatter nicht abgeneigt ist.

Das einzige Mittel, um dem Schrecken für kurze Zeit Einhalt zu gebieten, ist das Verschweißen einer Tür. Eine Präventivmaßnahme, die leider nicht lange hält. Mehr als ein wenig Zeit zum Nachladen oder zum Einnehmen einer besseren Standposition ist nicht drin, aber das reicht manchmal schon, um einen Vorteil herauszuschlagen.