Die deutsche Bundesregierung musste gestern vor dem Europäischen Gerichtshof eine herbe Schlappe hinnehmen. Dabei ging es um die Frage der Zuständigkeit bei Tabakwerbung. Deutschland hatte bestritten, dass der so genannte "Gesundheitsschutz" Angelegenheit der EU sei - und verloren.

Was das mit Computerspielen zu tun hat? Auf den ersten Blick zunächst einmal nichts. Allerdings könnte sich das Urteil als Präzedenzfall für mögliche Vorstöße in Sachen "Jugendschutz" erweisen. Sollte die Bundesregierung ihre Pläne in die Tat umsetzen und ein Verbot von "Killerspielen" durchbringen, so könnte die EU dem einen Riegel vorschieben.

Europa ist nämlich nicht daran interessiert, durch einen deutschen Vorstoß mit einem Vertriebs- und Herstellungsverbot bestimmter Spiele den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr im Binnenmarkt zu beschneiden.

Nach Einschätzung von Blizzard-Mitarbeiter Florian Müller hätte ein Verbot im EU-Rat "nicht den Hauch einer Chance auf eine qualifizierte Mehrheit" und stünde "auf hoffnungslos verlorenem Posten, da außerhalb der deutschen Politik nur ein paar Außenseiter den Beckstein-Schünemann-Kurs unterstützen würden".

Heißt auf deutsch: Sollten Beckstein & Co. tatsächlich ihr Verbot durchkriegen, würde es vermutlich binnen kürzester Zeit durch eine europäische Regelung außer Kraft gesetzt werden.