"Verrohen Kinder und Jugendliche durch brutale Medieninhalte?" Das war die Leitfrage einer Studie der Universität Bonn, die nun als Buch erschienen ist: "Gewalt der Medien. Studien zu Gewalt an Schulen. Empirische Hinweise und bildungstheoretische Konzepte", so der Titel. Darin legen die Forscher Volker Ladenthin und Jessica von Wülfing ihre Erkenntnisse, die sie an Experimenten an mehreren Schulen gewonnen haben, dar.

Die Wissenschaftler wollten wissen, welche durch Medien bedingten Bilder in den Köpfen der Heranwachsenden herumspuken. Dazu gaben sie den Schülern den Anfang des Märchens "Die Königstochter im Zauberschloss", in dem eine Prinzessin von einer Hexe gefangen genommen wird. Die Kinder sollten nun einen Schluss für die Geschichte erfinden. Ergebnis: Es wurde munter aus Film, Fernsehen und Games zitiert. Während bei den Jungs häufig Gewalt im Vordergrund stand, bedienten sich die Mädchen bei kitschigen Daily Sopas.

"Da trampelt King-Kong die Königstochter nieder, die Amerikaner werfen die Atombombe, und die Helden kämpfen mit Messern, Uzis oder Präzisionsgewehren. Sogar Verona Feldbusch hat einen Auftritt, in dem sie als Autofahrerin kaltblütig die Hauptfiguren des Märchens überfährt", so die Zusammenfassung der Studie.

"Unsere Studie kann und will nicht nach den Ursachen von konkreten Gewaltverbrechen jugendlicher Täter fragen", betont die Bonner Medienwissenschaftlerin Jessica von Wülfing. Das Experiment zeige jedoch, wie sehr Bilder aus den Medien die Vorstellungswelt Heranwachsender prägten. Prof. Ladenthin führt weiter aus: "In der Jugend lernt man das Vokabular, mit dem man die Welt begreift. Wenn darin bestimmte Vokabeln fehlen - Mitgefühl, Liebe, aber auch Mitleid oder Schuld -, führt das zu Defiziten in der Wahrnehmung und in letzter Konsequenz auch im eigenen Verhalten."

Das Buch ist im Ergon Verlag, Würzburg, schienen.