Computerspiele und ihre Wirkung auf Kinder und Jugendliche sind in der Wissenschaft nicht selten umstritten. Eine neue Studie von der Universität Villanova stellt nun fest, dass die meisten Jugendlichen von Computerspielen völlig unbeeinflusst bleiben.

Killerspiele - Studie: Mehrheit der Jugendlichen wird von Gewaltspielen nicht beeinflusst

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Tim K. - der Amokläufer aus Winneden
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Die Alltagsweisheit, vor allem die derjenigen, die glauben, dass Computerspiele Jugendliche zu willenlosen Zombis machen, ist, dass brutale Computerspiele Jugendliche gegenüber Gewalt desensibilisieren bis selbst gewalttätig werden. Eine neue Studie belegt nun aber, dass nur ein sehr geringer Teil der Jugendlichen überhaupt von Gewaltspielen beeinflusst werden. Nämlich nur solche, die bereits "eine Präsdisposition zu hochgradig neurotischem Verhalten haben, weniger sozialverträglich sind und über ein weniger ausgeprägtes Gewissen verfügen."

"Individuen sind keine "unbeschriebenen Blätter". Jemandes allgemeine Disposition mäßigt den Effekt von gewalttätigen Medien," sagte Dr. Patrick Markey. "Allgemeine Nutzungsempfehlungen, die auf der Meinung basieren, dass brutale Videospiele schlicht "schlecht" sind und dass Individuen die brutale Videospiele spielen unausweichlich aggressiv werden, erscheinen unberechtigt. Statt dessen ist es entscheidend, die charakterliche Disposition der spielenden Person zu berücksichtigen, wenn eine Voraussage auf die Art des Effekts, die ein brutales Videospiel auf seine oder ihre Feindseligkeit haben könnte, gemacht werden soll."

An der unter der Leitung von Prof. Patrick M. Markey durchgeführten Studie nahmen 118 Studenten teil. Sie konzentrierte sich auf das 5-Faktoren-Modell der Persönlichkeitseigenschaften und kam zu dem Ergebnis, dass der "perfekte Sturm" aus drei dieser Eigenschaften - hochgradig neurotisches Verhalten, geringe soziale Anpassung und ein schwach ausgeprägtes Gewissen - zu einer "Bedingung der Verletzlichkeit" führt, bei der Jugendliche deutlich mehr negativ von Computerspielen beeinflusst werde. Diejenigen, die diese Persönlichkeitseigenschaften nicht zeigten, waren entweder völlig unbeeinflusst von den Spielen oder zeigten nur sehr geringe Anzeichen von Beeinflussung.

Da seit dem Amoklauf an der Columbine Highschool im Jahre 1999 immer wieder Verbindungen zwischen brutalen Computerspielen und Gewalttaten vermutet werden (in Deutschland wäre unter anderem der Amoklauf in Erfurt zu nennen), macht die Studie deutlich, dass "die Täter außerdem von schlecht angepassten Persönlichkeitsmerkmalen beherrscht waren." Weiter heißt es: "Gewalt an Schulen, die brutalen Medien zugeschrieben wurde, bezog sich auf Täter, die von sich selbst und von anderen als extrem wütend, gemein, depressiv, psychotisch, unbeherrscht, ängstlich und hasserfüllt beschrieben wurden, bevor die Anschläge stattfanden."

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass es in Anbetracht der alarmierenden Anzahl der Vorfälle von Gewalt und teilweise auch Gewalt an Schulen, die mit brutalen Computerspiele verknüpft werden, es deutlich mehr verwundern sollte, dass es nicht viel mehr durch brutale Computerspiele ausgelöste Gewaltepisoden gibt. Betrachtete man die Anzahl der Jugendlichen, die regelmäßig brutale Computerspiele nutzen und näme die allgemeine Ansicht über die Wirkung dieser Medien ernst, so erscheine es sehr wahrscheinlich, dass die daraus resultierenden Gewaltepisoden eine regelmäßige Erscheinung sein müssten. Es gibt aktuell allerdings keine Berichte über massenhafte Gewaltexzesse. Es liegt also nahe, dass der große Teil der Individuen, die brutalen Computerspielen ausgesetzt sind, in der "realen Welt" nicht brutal werden.

Den Volltext der Studie könnt ihr bei der American Psychiatric Association herunterladen.