In Brasilien fand letzte Woche Donnerstag ein Amoklauf an einer Schule statt, bei dem ein 23-Jähriger über 12 Schüler erschoss und 13 weitere schwer verletzte. Die Opfer waren zwischen 12 und 14 Jahren alt. Der Täter erschoss sich selbst, nachdem er von einem Polizisten angeschossen wurde. Alles erinnert an das Columbine-Massacker, denn auch hier wird die Schuld für die Tat bei brutalen Videospielen gesucht. Die Äußerungen, die hierzu gemacht werden, strotzen allerdings nur so vor Unkenntnis.

Killerspiele - Punkte für das Töten von Kindern und Rentnern in GTA IV?

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Mehr Punkte für das Töten von Alten und Schwachen? Wohl kaum.
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Eine der größten Zeitungen Brasiliens, O Globo, zitiert in einem Artikel jemanden, mit dem der Täter gesprochen hat:

„Eine Person, mit der Wellington über Religion und Kriegsspiele diskutiert hat,“ wobei man in dem Artikel erfährt, dass der Attentäter brutale Videospiele wie Grand Theft Auto 4 und Counter-Strike gespielt habe in denen man „mehr Punkte für das Töten von Frauen, Kindern und alten Menschen bekommt.“

Eine derartige Aussage ist nicht nur grundlegend falsch, da man für das Töten von Frauen, Kindern und Rentnern keine Zusatzpunkte in den erwähnten Spielen bekommt. Sie ist zudem moralisch verwerflich, da in diesem Fall eine grausame Tat in Verbindung mit Unterhaltungsprodukten gebracht wird und zusätzlich noch das ganz offensichtlich vorliegende psychologische Problem sowie das soziale Umfeld des Täters unter einem Deckmantel der Verschwiegenheit verschwindet.

Erst später wurde diese Aussage korrigiert - der Originalartikel kann aber noch in den Blogs der Zeitung nachgelesen werden. Allein eine Korrektur des Artikels ändert allerdings noch nichts an der Tatsache, dass den Videospielen die Schuld für eine Tat gegeben wurde, die bedeutend komplexere Ursachen als den Konsum von Gewaltinhalten hat.

Bisher weiß man noch nicht viel über den Täter. Er ließ verwirrende und tief religiöse Nachrichten zurück und die Polizei versucht derzeit anhand seiner Internetaktivitäten, wie z. B. Chatlogs, E-Mails, Kontakten oder dem Browser-Verlauf, ein Profil von ihm zu erstellen. Allerdings dürfte klar sein, dass zwischen sozialen Konflikten, psychologischen Problemen und seiner Bewunderung für den Terrorismus Videospiele das kleinste seiner Probleme gewesen sein dürften.