Gestern fand im Deutschen Bundestag die seit Mitte letzten Jahres geplante LAN-Party statt, bei der in erster Linie Politiker mit dem Medium Spiele erste Erfahrungen sammeln sollten. Alle 622 Abgeordnete des Parlaments wurden eingeladen, gekommen sind davon rund 100, um sich Vorträge anzuhören und verschiedene Workshops zu besuchen.

Die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries war auch vor Ort und hatte sich Die Siedler erklären lassen und kurz ein Rennspiel angespielt. Dabei sei ihr allerdings schlecht geworden, sie habe stattdessen mehr Spaß mit klassischen Brettspielen. Einzig Solitaire spielt sie auf ihrem iPhone hin und wieder.

Seine Teilnahme an dem Spieleabend begründete FDP-Medienexperte Burkhardt Müller-Sönksen so: "Wir dürfen nicht immer als Blinde von der Farbe reden." Er selbst spielte unter anderem Counter-Strike und erklärte: "Ich hatte mir das Spiel blutiger vorgestellt. Wenn man erschossen wurde, drehte sich nur das Bild. Ich war nach dem Spiel auch nicht aggressiver als sonst."

Er könne sich aber vorstellen, dass einzelne Spieler ohne soziale Kontakte dadurch möglicherweise in einen Rausch gelangen könnten. "Wir wollen aber nicht die Botschaft aussenden, dass wir das alles toll und klasse finden", sagt er. Trotzdem: "Verbote müssen immer die Ultima Ratio bleiben."

Killerspiele - Bundestag spielt Counter-Strike

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Und während Dorothee Bär (CSU) den Charakter von Computerspielen als Kulturgut hervorhob, betonte Manuel Höferlin (FDP) die körperlichen und kommunikativen Fähigkeiten, das Spielen erfordere. Dorothee Bär, Manuel Höferlin und Jimmy Schulz (FDP) sind die drei Initiatoren der Veranstaltung.

Kritik an der LAN-Party äußerte im Vorfeld unter anderem Hardy Schober des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden und Vater eines der Opfer. "Ich fühle mich von Politikern verhöhnt, die bei einer Party gegeneinander antreten, um zu lernen, wie man virtuell tötet", sagte er. "Dass wir Shooter dabei haben, ist notwendig", so Bärs Antwort darauf. "Ansonsten würde man sich unglaubwürdig machen."

Insgesamt 30 Spielestationen gab es, darunter DJ Hero 2, FIFA 11, Gran Turismo 5, Halo und Homefront, Mario Kart, Sports Champion und Counter-Strike.

gamona war vor Ort und wird in Kürze einen ausführlichen Bericht über den Spieleabend im Bundestag veröffentlichten.