Die Flughafenszene in Call of Duty: Modern Warfare 2, die Debatte um die spielbare Taliban-Fraktion im neuen Medal of Honor, vermeintlich realistische Darstellung von Gewalt - Immer wieder wird darüber diskutiert, wie weit ein Computerspiel gehen darf. Der Film hatte als Medium mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Ein Gespräch über Krieg im Spiel, Unterschiede zum Film und die Aufgabe der jüngeren Generationen.
gamona: Herr Mehring, welche Rolle spielen Filme in der Auseinandersetzung mit kriegerischen Auseinandersetzungen?
Dr. Frank Mehring lehrt und forscht als Kulturwissenschaftler an der FU Berlin.Dr. Frank Mehring: Im besten Falle setzen Filme eine rege Diskussion um Sinn und Zweck militärischer Interventionen in Gang. Oft dienen sie jedoch der nachträglichen Rechtfertigung. Die Filmindustrie nutzt ein Massenmedium, besetzt populäre Schauspieler mit historischen Rollen, um Kriege und geostrategische Ziele möglichst einfach darzustellen. So wird auf emotionale Weise versucht, beim US-amerikanischen, beim westlichen Publikum einen Konsens über den Kriegseintritt herzustellen. Andere Filme sollen die historischen Geschehnisse im kulturellen Gedächtnis verankern - etwa bei länger zurückliegenden Konflikten, die immer wieder für die Gegenwart neu interpretiert werden.
gamona: Ist das Propaganda?
Dr. Frank Mehring: Ja, auch. Spätestens seit dem Ersten Weltkrieg. Film wird in einer andauernden Krise gezielt genutzt, um die Bevölkerung auf eine kriegerische Entscheidung einzuschwören.
gamona: Ist das auf der ganzen Welt oder nur in den USA so?
Dr. Frank Mehring: Die US-Amerikaner haben in der westlichen Welt die längste Tradition, über das Medium Film kulturpolitische Meinungsbildung zu steuern. So werden Informationen und Werte an die Bevölkerung weitergegeben. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts sind die Vereinigten Staaten das Einwanderungsland par excellence, viele Leute verstehen kein Englisch und können keine Zeitungen lesen. Darum hat das Theater und das Kino dort eine besondere Bedeutung.
Kriegsfilme wie Black Hawk Down steuern bewusst Meinung.Inhalte werden mit Bildern, Geräuschen, Emotionen und Geschichten gekoppelt. Die USA arbeiten länger und effektiver mit bewegten Bildern als jedes andere Land - vor allem, um ein nationales Identitätsgefühl zu vermitteln. Nur so konnten unter Immigranten überhaupt Soldaten rekrutiert werden. Denn die sollten ja zum Teil gegen ihr ehemals eigenes Vaterland ins Gefecht ziehen.
gamona: Auch in Computerspielen werden Konflikte dargestellt. Der Zweite Weltkrieg etwa ist ein beliebtes, aber auch strapaziertes Szenario. Wo liegen die Unterschiede zum Film?
Dr. Frank Mehring: Der Film hat zunächst eine viele längere Tradition. Jung wie Alt können darauf vergleichsweise schnell mit einer gewissen Medienkompetenz reagieren, sie können sich daran beteiligen, eine eigene Meinung bilden. Die Auseinandersetzung mit dem Medium ist über den Kinobesuch eingeübt, auch per Fernsehen und Video. Bei Videospielen gibt es ein anderes, spezifischeres Publikum.
Zeiten ändern sich: das erste "Kriegsspiel" River Raid.Ich bin in den 1980er Jahren auch mit Computerspielen aufgewachsen, habe mich aber später eher weniger damit beschäftigt. Die spielerische Komplexität, die taktische Herausforderung, die audio-visuelle Darstellung und gruppendynamische Vernetzungen sind natürlich damals ganz anders gewesen. Wegen dieser rasanten Entwicklung wird man schnell zum Außenseiter, auch wenn man in seiner Jugend gespielt hat.
gamona: Kann man das verhindern?
Dr. Frank Mehring: Der Umgang mit dem Medium Computerspiel muss erlernt werden. Deshalb gibt es von vielen Menschen eine Kurzschluss-, ja eine Überreaktion, die ihre Bewertungskriterien nur auf der Basis von Standbildern oder kurzen Sequenzen etwa auf YouTube definieren. In der Folge verdammen sie oft Spiele kategorisch, mit allen bekannten stereotypen Anklagepunkten wie etwa „gefährliche Gewaltverherrlichung“. Viele Leute kennen jedoch das tatsächliche Spielgefühl nicht, aktiv in das Geschehen einzugreifen. In Berichterstattungen entsteht oft der Eindruck, Videospiele seien eine Art von Film.

























@ Interview: Wieder einer der denken kann. Jetzt fragt man sich nur (rein rhetorisch), warum solche Leute an Unis zu finden sind und nicht etwa in der Politik...
Und was Medien angeht. Es wird das gesendet, was sich gut verkauft. Kompetente Berichterstattungen werden sich daher nur wenige Sender trauen. Welche Eltern wollen schließlich wissen, das sie, ihre mangelhafte Erziehung und das Desinteresse bzw. Überforderung der Lehrkräfte in den Schulen und nicht die Computerspiele dran schuld sind, das ihr Sprösling plötzlich um sich geschossen hat...
Aber ich mache mir da keine Sorgen nachdem mein Großvater meinte, genau das Selbe wäre auch abgegangen als die ersten Horrorfilme auftauchten, und heute stört es fast keinen mehr.
Also gilt wohl auch für uns Computerspieler: das Ganze aussitzen. Abwarten und Tee trinken. Oder Kakao. Oder Kaffee. Oder was auch immer.