Beim Amoklauf in Winnenden am 11. März diesen Jahres erschoss Tim K. (†17) in seiner Schule und auf seiner Flucht insgesamt 15 Menschen, anschließend richtete er sich selbst. Trauer und Zorn sitzen tief bei den Angehörigen der Verstorbenen; die Suche nach den Gründen zur furchtbaren Tat von Tim K. hält noch heute an. Nun ist das psychologische Gutachten des Amokläufers erschienen und gibt Einblicke in das Leben eines jungen Mannes, der unter Tötungsphantasien und masochistischen Störungen litt.

Amoklauf Winnenden - Gutachten des Amokläufers erschienen

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Tim K. erschoss 15 Menschen - das Gutachten soll das Warum klären.
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Unmittelbar nach dem Amoklauf standen für die meisten Leute die vermeintlichen Veranwortlichen für die Tat bereits fest: Killerspiele. Gewalthaltige Unterhaltungssoftware rückte erneut ins Kreuzfeuer der Medien und Politik, sogar von Verboten war die Rede. Bisher halten sich die Auswirkungen für das Hobby Tausender Deutscher in Grenzen – ein Zeichen für die Haltlosigkeit der Anschuldigungen. Das psychologische Gutachten verschafft nun Klarheit: Es zeichnet nicht etwa das Bild eines Videospielsüchtigen, sondern das eines Jugendlichen, der mit der Welt nicht klar kam.

Verfasst wurde das Gutachten von Professor Reinmar du Bois des Stuttgarter Olgahospitals. Im Frühjahr 2008 ging Tim K. zum Psychologen. Gleich am ersten Tag erzählte er seiner Therapeutin, dass er Gedanken habe, Menschen umzubringen, zu erschießen. Nach vier weiteren Sitzungen Gesprächstherapie verzichtete Tim K. auf eine weitere Behandlung. Laut Gutachten wurden seine Phantasien seinen Eltern mitgeteilt, jedoch verschwiegen die, dass er im eigenen Haus Zugang zu Waffen hatte.

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Die Beretta des Vaters von Tim K. lag ungesichert im Schlafzimmer.
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Dem Gutachten zufolge zog sich Tim K. zunehmend aus der Realität zurück und verbrachte Zeit vor seinem Computer. Die Ermittlungen der Polizei und Staatsanwaltschaft ergaben, dass er sich mit dem Schulmassaker von Erfurt, bei dem 17 Menschen ums Leben kamen, und mit anderen Amokläufen beschäftigte. Laut du Bois seien auch die sexuellen Neigungen von Tim K. von Bedeutung, so wurde auf seinem PC Bild- und Filmmaterial von gefesselten Männern gefunden, sogenannte Bondage-Szenen. Er soll an einer masochistischen Persönlichkeitsstörung gelitten haben, habe aber auch Hilfe gesucht – in der Therapie hat er es allerdings nicht geschafft, das Thema anzusprechen.

Schlussfolgernd hätten die Eltern laut Gutachten die Probleme ihres Sohnes unterschätzt und die Gefahren erkennen können, gerade der Zugang zu Waffen hätte nicht gewährt sein dürfen, genauso wenig die Beschäftigung im Schießsport - Jahre lang lag die Beretta von Tims Vater ungesichert im Schlafzimmer. In Tim Ks Zimmer wurde zudem ein bisher unbekannter Abschiedsbrief gefunden, in dem er schreibt: "Die Wahrheit ist, diejenigen haben es schon von Geburt an in sich, es kommt jedoch nur raus, wenn das Gemachte hinzukommt." Die Bedeutung dieser wirren Worte allerdings ist unklar.