Gewalt in Videospielen ist immer wieder ein Thema in den Medien. Ganz besonders dann, wenn die Spiele einseitig dargestellt und allein auf ihre gewalttätigen Inhalte reduziert werden können.

Killerspiele - Gewalt gegen Frauen in Computerspielen

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Gewalt gegen Frauen auch in Red Dead Redemption.
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Der WDR zeigte am 23.09.2010 einen Beitrag über „Gewalt gegen Frauen in Videospielen“ im Rahmen der Sendung FrauTV. Im Zentrum der Darstellung stehen Szenen aus Spielen wie Der Pate,Red Dead Redemption und Grand Theft Auto: San Andreas, in denen expliziert Gewalt gegen weibliche NPCs angewandt wird.

Die Moderation der Sendung wird dabei in einer betont bedrohlichen Stimmlage dargeboten, die direkt schon eine ganz besondere Distanz zu den vorgestellten Spielen symbolisiert. Ganz besonders in den Vordergrund wird diese Distanz zum Ausdruck gebracht, als die Moderatorin sagt „[…]deshalb haben wir uns entschlossen, alles was wir heute zeigen, gleich zeigen, soweit zu entschärfen, dass Sie nicht abschalten, auch wenn heutige Teenager mit solchen Spielen aufwachsen. Wieso wird soetwas überhaupt freigegeben […] und was passiert in den Köpfen der Jugendlichen?“
Leider bleibt der Beitrag insbesondere die Antwort auf die letzte Frage schuldig. Als Expertin wird die fast 70-jährige Frau Pfeiffer als Mitarbeiterin des Kriminologischen Forschungsinstituts vorgeführt, die explizit nach Szenen mit Gewalt in Spielen sucht und diese in Vorträgen vorführt.

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Hierbei wird ausschließlich auf die Gewaltanwendung eingegangen. Einzig der Hinweis, dass man zwar keine Gewalt gegen Frauen ausüben muss aber immerhin die Möglichkeit dazu hat, ist einer der wenigen relativierenden Momente in dem Beitrag, der zumindest im Ansatz von Neutralität zeugt.

Ansonsten werden Frauen in den Spielen durchgehend und einseitig in die Opferrolle gedrängt und als schwache, der unbarmherzigen, männlichen Gewalt ausgesetzte Charaktere dargestellt. Es wird kein Wort darüber verloren, dass unter anderem in dem präsentierten Red Dead Redemption eine der Questgeberinnen einen enorm starken, weiblichen Charakter darstellen. Genauso wie die Darstellung des weiblichen Hauptcharakters in Heavy Rain als schwaches, weibliches Opfer äußerst einseitig ist und die eigentlich starken Charakterzüge nicht zur Geltung kommen lässt.

Die Auswirkungen auf jugendliche werden nur sehr kurz durch Elke Monssen-Engberding von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften erwähnt. Hier aber ausnahmsweise wertneurtal, indem Gewalt in Medien als einer von vielen verschiedenen Gefährdungsfaktoren erwähnt wird. Den aktuellen Stand der Wissenschaft gibt dies allerdings nicht wieder.

Die neuste Forschung erkennt nämlich an, dass die Medienwirkungsforschung, auf die sich die meisten Wissenschaftler berufen, die Spielen eine negative oder sogar gefährliche Wirkung zuschreiben, eine veraltete Theorie ist. Das sie immer noch Anwendung findet, lässt sich nur damit begründen, dass ihre Analysen durchaus logisch schlüssig sind. Sie geben aber kein wirkliches, lebensnahes Bild der Realität wieder.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Darstellung der Rezipientenebene. So geht die Medienwirkungsforschung davon aus, dass der Rezipient den Inhalten hilflos ausgeliefert ist. Er wird berieselt und kann sich nicht gegen die Einflüsse wehren, die auf ihn einwirken. So wirken sich Gewaltinhalte auch direkt aus: Der Rezipient wird mit Gewalt sozialisiert und wird somit selbst gewalttätig.

Der aktuelle Stand der Forschung ist allerdings, dass die Sozialisation, entgegen der Annahme der Medienwirkungsforschung, kein passiver Prozess ist, dem jeder einfach so ausgeliefert wird. Viel mehr werden Inhalte aktiv vom Rezipienten ausgewählt. Selbst wenn Informationen passiv aufgenommen werden, so ist die Auswahl derjenigen Daten, die hinterher handlungswirksam werden, ein aktiver Vorgang. Von einem hilflosen Ausgeliefert sein und einer damit verbundenen automatischen Neigung zur Gewalt kann also gar keine Rede sein.

Kurz gesagt: Allgemein wirkt sich der Konsum von Gewaltinhalten erst einmal gar nicht aus. Sicherlich steigt der Adrenalinpegel und die damit einhergehende Aggression. Man kann aber auch in einfachen Worten sagen „der Inhalt ist spannend“. Die Aussage „es passiert nichts“, ist allerdings nicht sonderlich medienwirksam und wird demnach nur selten nach Außen hin kommuniziert. Das ist einer der Gründe, warum veraltete Theorien immer wieder auf neue Inhalte angewandt werden.

Zur Erinnerung: Die Medienwirkungsforschung hat auch geschlussfolgert, dass das Fernsehen zu einer Verrohung und Verdummung der Jugend führt und dass dementsprechend die Gewaltbereitschaft deutlich ansteigt.

Wie wir aber alle sehen, wenn wir uns in der Welt umschauen, ist nichts dergleichen passiert. Zumindest nichts, was sich direkt auf das Fernsehen zurückführen ließe.