Am 20. November fand in München der erste Kongress "Computerspiele und Gewalt" statt, veranstaltet von der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München und dem Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Bildungsforschung der Ludwig-Maximilians-Universität. Bereits in der Einladung zur Veranstaltung zeichnete sich der reißerische Tenor der Vortragsreihe ab: "Actionspiele sind unglaublich schnell und fixieren den Spieler auf Exzesse des virtuellen Tötens und Orgien der Gewalt, die einer sensiblen und humanen Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen entgegenwirken. Abstumpfung ist nur ein Effekt von Gewalt in Computerspielen."


Einmal mehr im Kreuzfeuer: Grand Theft Auto.
Dem entsprechend fanden sich unter einigen differenzierten Vorträgen auch viele, die den gegenwärtigen Jugendschutz anprangerten, so genannten "Killerspielen" Gewaltverherrlichung vorwarfen und der USK Verfehlungen unterstellten. Am gemäßigten zeigte sich noch Douglas Gentile, Professor am Media Research Lab der Universität des US-Bundesstaates Iowa. "Wir müssen von der Vorstellung wegkommen, dass Spiele entweder gut oder böse sind", sagte er im Anschluss an seinen Vortrag, in welchem er offenlegte, dass sich viele amerikanische Eltern mit den Alterskennzeichnungen für Spiele überhaupt nicht auskennen. Dennoch sprach er sich offen gegen Verbote aus: "Wenn wir Spiele nur verbieten würden, gäben wir den Eltern ein trügerisches Gefühl der Sicherheit."

Gänzlich anderer Meinung ist da der Schulpsychologe Dr. Werner Hopf: Er bezieht sich auf Studien, die einen klaren Zusammenhang zwischen dem Konsum gewalthaltiger Medieninhalte und realer Gewalt unter Jugendlichen feststellen. "Diejenigen, die viele gewalthaltige Medien nutzten - dabei nennt Hopf ausdrücklich auch Horrorfilme -, seien nach den zwei Jahren häufiger durch reale Gewalt aufgefallen", wird Hopf von golem.de zitiert. Er plädiert für strengere Handhabe und eine Abschaffung der USK, denn: "Fakt ist, dass durch die USK keinerlei Jugendschutz bewirkt wird."

Die Wirkungslosigkeit der USK-Einstufungen bestätigte auch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), dessen prominentester Vertreter, Prof. Christian Pfeiffer, bereits seit Jahren gegen Videospiele ins Feld zieht. Einer Langzeitstudie des KFN zufolge spielten 21 Prozent aller Kinder und Jugendlichen Spiele, die nicht für ihr Alter geeignet sind. Der Psychologe Thomas Mößle vom KFN wies nach, dass Kinder drei Mal häufiger zu Gewalt neigen, wenn sie in jungen Jahren gewalttätige Spiele gespielt haben.

TV-Journalist Rainer Fromm, u.a. bekannt für einen umstrittenen Frontal21-Beitrag schockierte im Anschluss das Publikum, vorwiegend Eltern und Lehrer, mit besonders harten Szenen aus GTA, Backyard Wrestling und Der Pate.


Regine Pfeiffer, die Schwester von Christian Pfeiffer, sorgte im Anschluss daran durch eine Wortmeldung aus dem Publikum für einen kleinen Eklat, als sie Electronic Arts als "Schweinefirma" bezeichnete. Sie habe versucht, gegen einen Publisher zu klagen, allerdings ohne Erfolg, da der Entwickler des betreffenden Spiels im Ausland sitze.

Entsprechend polemisch gestaltete sich die anschließende Diskussion, in der insbesondere Rainer Fromm durch unpassende Vergleiche auffiel: Es gehe angesichts der Shoah nicht an, dass man in Kriegsspielen heute noch Giftgas einsetzen könne. Zudem halte er es für scheinheilig, solche Kriegsspiele unter dem Euphemismus der Strategie zu führen.

Die Politik reagierte umgehend auf die vorgestellten Studien: Noch während der Veranstaltung gab der bayerische Innenminister Joachim Herrmann eine Pressemeldung heraus, in der die Ergebnisse der Studien begrüßt und Forderungen nach einem Verbot bekräftigt werden. "Es ist unerträglich, dass hunderttausende Kinder und Jugendliche oft mehrere Stunden täglich Gewalt verherrlichende Computerspiele konsumieren", so Herrmann.